Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.


05.08.1988

AT&TSun und OSF bemühen sich um verträgliche Benutzerschnittstellen:\ DV-Branche bastelt an Ausweg aus Unix-Malaise

FRAMINGHAM/MÜNCHEN (IDG/cmd) - Das negative Echo auf die Zweiteilung der Unix-Welt hat die DV-Industrie aufgeschreckt: Großanwender und Softwareanbieter sollen, als "gesichtswahrende Lösung", Druck auf AT&T/Sun und die OSF ausüben und diese auf ein Minimum an Einheitlichkeit verpflichten. Das Ziel der Aktion heißt Bemühen um "Unis Convergence".

"Es gibt innerhalb der Industrie einen weitreichenden Versuch, das Problem zu lösen", skizzierte Jack Biddle, Präsident der Computer & Comunications Industry Association (CCIA) in Washington, die Bemühungen aller Beteiligten hinter den Kulissen. Auch die beiden Hauptkontrahenten sind inzwischen bemüht, nach den publizistischen Scharmützeln der vergangenen Monate zumindest nach außen hin zu einer Koexistenz zu kommen.

So wurde etwa eine als "große öffentliche Debatte" angekündigte Veranstaltung auf dem 88 Open Consortium in Boston von AT&T wie von der OSF kurzerhand abgesagt. Statt dessen finden Gespräche hinter verschlossenen Türen statt, und Larry Dooling, Marketing and Sales Support Vice-President von AT&T, erklärt sogar: "Ich würde sagen, die Diskussionen zwischen den beiden Layern gehen mit relativ gleichen Zielen weiter."

Die Unix-Contras veröffentlichten ihren ersten "Request for Technology", bei dem es um die grafische Benutzerschnittstelle geht, und forderten weltweit Hard- und Software-Anbieter auf, Vorschläge mit Angaben über technische und lizenzrechtliche Bedingungen einzureichen

- und ebneten damit zumindest theoretisch den Weg für das Duo AT&T/ Sun, sein heißdiskutiertes "Open Look"-Konzept in die OSF einzubringen. AT&T soll nach Angaben der COMPUTERWORLD bereits erklärt haben, man beabsichtige dies auch.

Die in der Öffentlichkeit bekundeten Bemühungen des Aufeinanderzugehens können freilich nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Thema Aufsplittung der Unix-Welt keineswegs vom Tisch ist.

In der Gilde der vier europäischen OSF-Mitglieder Bull, Nixdorf, Philips und Siemens hofft man, falls es schon nicht gelingt, die Programmierschnittstellen homogen zu gestalten, dies wenigstens für die Anwender-Schnittstellen der AT&T/Sun-Unix-Version und der OSF- Variante zu erreichen.

Zu diesem Behufe bemüht man sich derzeit mit Nachdruck, auf den AT&T-Kompagnon Sun einzuwirken und diesen zu bewegen, Mitglied bei der OSF zu werden. Als gesichtswahrende Lösung soll sich der Workstation-Anbieter freilich nicht von sich aus den Unix-Contras zugesellen, sondern erst dem Drängen der Kunden und Softwarehäuser nachgeben und sich von diesen quasi bitten lassen, bei der OSF mitzumachen. Die Zielsetzung heißt "Unix Convergence", um so ein Auseinanderdriften der Standards zu verhindern und Schlimmeres zu verhüten.

Mit dem Beitritt von Sun allein wäre es freilich nicht getan, insbesondere nicht in puncto "graphical user interface". Da der Workstation-Anbieter sich für seine Open-Look-Entwicklung der Viewpoint-Lizenz von Xerox bedient, müßte auch Xerox entweder der OSF beitreten - oder zumindest diese Lizenz durch entsprechende Regelungen zur "public domain" erklären.

Bei Sun, so ist aus den USA zu hören, ist man derzeit nicht gewillt, in Richtung OSF aktiv zu werden - und dies vor allem wegen IBM. Der Workstation-Anbieter verweist auf die Bemühungen der Armonker, sich über die von ehemaligen Xerox-Mitarbeitern gegründete Metaphore Inc. und die Next Inc. des Ex-Apple-Mitbegründers Steven Jobs "Viewpoint"-Know-how anzueignen. Dies sei nur so zu verstehen, daß IBM trotz OSF-Mitgliedschaft - wie schon so oft - eigene Wege gehen und mit einer Benutzerschnittstelle für OS/2- und AIX-Systeme aufwarten werde. Da dem Marktführer jedoch, so zumindest das Kalkül von Sun, mit den Metaphore- und Next-Entwicklungen lizenzrechtliche Probleme mit Xerox ins Haus stehen könnten, sei diese, Strategie derzeit blockiert.