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07.08.1987 - 

Teilverkauf der Radio Schweiz AG schafft Ärger:

Atag will Motor Columbus noch ausstechen

BERN (CWS) - Hickhack bei dem Teilverkauf der Radio Schweiz AG (RSAG): Obwohl die Motor Columbus AG mit ihrer Übernahme-Offerte gut im Rennen zu liegen scheint, will die Allgemeine Treuhand AG mit ihrem Angebot noch nicht aufgeben.

Die Allgemeine Treuhand AG (Atag), bislang in diesem Handel fälschlicherweise als "Junior-Partnerin" der Ascom-Gruppe (Hasler/ Autophon) bezeichnet, gibt sich noch nicht geschlagen. Dabei ist die Atag nicht nur an dem Datenbanksystem Data-Star interessiert, sondern an dem gesamten Paket, das veräußert werden soll. Dabei handelt es sich nach Angaben von PTT-Finanzchef Robert Zurflüh um das Datenbanksystem Data-Star, die Abteilung Consulting + Engineering, der Devisen- und Börsenfunk (daran sind auch Telekurs und Reuter beteiligt), der Bereich Telexadapter (UTA = Universeller Telex Adapter) für die Verbindungen zwischen Telex und Computeranlagen, das Schulungszentrum Telécole und Data-Mail. Eine andere Quelle erwähnt zusätzlich die Alleinlizenz der RSAG für das E-Mail-System Telenet.

"Es ist aber nicht sicher", erklärt PTT-Finanzchef Zurflüh dazu, "daß alles miteinander verkauft wird." So sei für den Bereich Telexadapter und für das Schulungszentrum Telécole (zwei Personen) "unter Umständen eine separate Lösung denkbar". Die PTT - die RSAG ist eine 95prozentige Bundestochter im Einflußbereich des "Gelben Riesen" - sind daran interessiert, möglichst viel an einen einzigen Käufer abzutreten.

Zurflüh bestätigte ferner, daß neben der Motor-Columbus-Offerte auch eine der Atag vorliege. Von seiten der Ascom-Gruppe gebe es kein Angebot. Eine solche habe zu einem früheren Zeitpunkt von der Hasler AG existiert, die den gesamten Fernmeldebereich der RSAG übernehmen wollte. Dies erübrigte sich jedoch nach einer Expertise des Bundesamtes für Justiz. Trotzdem signalisiert die Ascom-Gruppe nach wie vor Interesse.

Die Kontrahenten der Motor Columbus AG argwöhnen jedoch derzeit, daß der RSAG-Verwaltungsrat dieses Unternehmens favorisiere, weil er von den leitenden Mitarbeitern der RSAG beeinflußt worden sei. Diese würden sich von der Motor Columbus AG mehr Autonomie erwarten.

Katzbuckeln vor dem Bundesrats-Entscheid

Um ihren Argumenten wie auch ihrer Übernahme-Offerte Nachdruck zu verschaffen, wird von seiten der Atag - kurz vor dem in der ersten Augusthälfte zu erwartenden Entscheid des Bundesrates - noch einmal kräftig gekatzbuckelt. "lch bin enttäuscht darüber, daß leitende Mitarbeiter und der Verwaltungsrat der RSAG nun offensichtlich nicht der betriebswirtschaftlich überzeugendsten Lösung den Vorzug geben", erklärt Jürg W. Dangel, verantwortlicher EDV-Leiter bei der Atag, und fährt fort: "Vielmehr scheinen unbegründete Fusionsängste und die Befürchtung einer eingeschränkten Autonomie des Data-Star-Managements die Verhandlungsergebnisse beeinflußt zu haben." Dangel hat diese Bedenken auch schriftlich der PTT-Generaldirektion unterbreitet.

Dangel begründet die "geradezu idealen Voraussetzungen" der Atag zur Übernahme der RSAG damit, daß diese "völlig unabhängig, also weder von Banken noch Industrieinteressen, dominiert" sei. Mit ihren Tochtergesellschaften Interdata und IHA verfüge die Atag zudem über jahrzehntelange Erfahrung beim Aufbau von Großrechenzentren und in der Entwicklung anspruchsvoller Softwaresysteme.