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08.03.1985 - 

Betriebsratswahl als "mögliche Farce" dargestellt

Atari schließt deutsche Zentrale in Hamburg

HAMBURG (CW) - Atari schrumpft weiter. So wird der von dem ehemaligen Commodore-Boß Jack Tramiel mit harter Hand geführte amerikanische Heimcomputerkonzern jetzt seine deutsche Zentrale in Hamburg schließen und 33 Mitarbeitern kündigen.

Nach den Worten des Sekretärs der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG), Rüdiger Grabowski, will Atari wegen des internationalen Flughafens, aber auch aufgrund eines fehlenden Zentrallagers in Hamburg eine neue Niederlassung in Raunheim bei Frankfurt gründen.

Laut Grabowski soll Atari zunächst eine Übernahme von 14 Mitarbeitern geplant haben. Dieses Vorhaben sei aber jetzt falIengelassen worden. Die DAG berichtet in diesem Zusammenhang außerdem, daß man rechtliche Möglichkeiten prüfe, um die Gehaltszahlungen zu sichern. Unterdessen soll Tramiel einen Transfer der deutschen Atari-Konten in die USA veranlaßt haben. Die Betriebsstillegung der deutschen Atari-Tochter Atari Elektronik Vertriebs GmbH ist offenbar um einen Monat auf den 28. Februar 1985 vorverlegt worden, um den Anspruch der 33 Mitarbeiter auf den Abschluß eines Sozialplans zu vereiteln. Die Verpflichtung, einen Sozialplan abzuschließen, besteht nur, wenn im Zeitpunkt der Stillegung ein Betriebsrat vorhanden ist. Die erstmalige Betriebsratswahl ist für den 21. März 1985 angesetzt.

Der Hamburger Rechtsanwalt der Atari Elektronik hatte der Geschäftsführung in der vergangenen Woche empfohlen, die Stillegung vorzuverlegen, "damit wenigstens formell jetzt ein Sozialplan nicht ausgehandelt werden muß". Es sei eine unternehmerische Entscheidung, diejenige Möglichkeit zu wählen, die am wenigsten kostet, sagte er.

Atari-Anwalt: Abstruse Forderungen der DAG

Der Anwalt räumte ein, daß die Betriebsratswahl "in der Tat möglicherweise eine Farce ist". Um klare Verhältnisse zu schaffen, solle mit den Mitarbeitern aber vorher über ihr Ausscheiden verhandelt werden. Das Angebot, ein halbes Monatsgehalt je Jahr der Betriebszugehörigkeit zu zahlen, liege auf dem Tisch.

Die Vertreter der Deutschen Angestellten Gewerkschaft hätten, wie der Anwalt sagte, "abstruse" Forderungen für einen Sozialplan gestellt. Nach seinen Angaben sei gefordert worden, sämtliche 33 Mitarbeiter nach Raunheim bei Frankfurt zu übernehmen, ferner hohe Umzugskosten zu bezahlen und jedem Mitarbeiter in Raunheim eine dreimonatige Entscheidungsfrist einzuräumen ob er sein Arbeitsverhältnis dort fortsetzen wolle.

Die Zeitplanung für die Betriebsratswahl legt nach Angaben des Atari-Rechtsvertreters den Schluß nahe daß damit nur Kündigungsschutz für die 18 Mitarbeiter erreicht werden sollte, die für den dreiköpfigen Betriebsrat kandidieren. Wenn man, wie zunächst beabsichtigt, 14 Mitarbeiter nach Raunheim übernommen hätte, läge eine Betriebsverlagerung und nicht eine -stillegung vor. Dies hätte eine Kündigung der Betriebsratskandidaten verhindert, sagte der Anwalt.

Unterdessen hat das Arbeitsgericht Hamburg den von dem ehemaligen Atari-Mitarbeiter Hans-Ueli Hasler über einen Hamburger Anwalt gestellten Arrestantrag für die Atari-Konten abgelehnt. Damit wollte Hasler die Zahlung einer Abfindung sichern. Hasler hatte in einer eidesstattlichen Versicherung Behauptungen über das Finanzgebaren der deutschen Atari aufgestellt und dabei den Ende vergangener Woche ausgeschiedenen Atari-Finanzprokuristen Brain Richards zitiert. Dieser hat sich jedoch nach Angaben des Atari-Anwalts ihm gegenüber von den ihm zugeschriebenen Äußerungen distanziert.