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ATM: Hohe Bandbreiten ohne Bedarf

14.05.1993

Einer Dampfwalze gleich, scheint die neue Technologie ATM mehr oder weniger etablierte Techniken wie Frame Relay oder FDDI platt zu rollen. Zugegeben, die Utopie eines Netzes, ueber das der Anwender wirklich alles fahren kann, ist verfuehrerisch. Wer traeumt nicht von einer mit Kostensenkung verbundenen Vereinfachung der Inhouse-Verkabelung, bei der er ueber eine einzige Faser Video, Sprache und Daten uebertragen kann.

Doch dieser Kostenersparnis steht ein grosses Fragezeichen gegenueber. Wie teuer wird ATM wirklich? Preise fuer einen Switch im Bereich der Hunderttausender duerften fuer die meisten Anwender in der gegenwaertigen Situation untragbar sein. Und solange die Carrier ueber eine moegliche Tarifierung im WAN-Bereich den Mantel des Schweigens werfen, werden sich die User wohl zuruecklehnen und abwarten. Hatten die Carrier ihnen doch bisher meist den Mund mit neuen, ach so preisguenstigen Uebertragungstechniken waessrig gemacht und hinterher die Preisschraube kraeftig nach oben gedreht.

Gegen ATM und Bandwidth on demand spricht auch ein anderes Argument: Multimedia-Anwendungen, Dokumente mit integrierten Stimmnotizen oder Fotos sind zwar schoene Zukunftsmusik, doch wo sind die Applikationen, die diese Bandbreiten momentan wirklich nutzen? Zum File-Transfer jedenfalls sind die bereitgestellten Uebertragungskapazitaeten von 140 Mbit/s und hoeher wirklich nicht noetig. Und mit ISDN laesst es sich auch im WAN-Bereich ganz komfortabel leben.

Ueberhaupt duerfte fuer den Erfolg von ATM, neben den Kosten, die Frage nach dem tatsaechlichen Nutzen fuer die User entscheidend sein. Was nuetzen die schoensten multimedialen Dokumente, solange - wie heute noch bei Banken und in anderen Bereichen ueblich - eine Anforderung oder ein Vertrag erst dann als rechtsgueltig akzeptiert wird, wenn er in gedruckter Form mit handgeschriebener Unterschrift auf dem Tisch liegt.

Und im Backbone-Bereich? Investieren die Anwender wirklich in die proprietaeren ATM-Loesungen des Jahres 1993? Ist es nicht eher ratsam, im LAN- und Campus-Sektor auf FDDI oder CDDI mit 100 Mbit/s auszuweichen, wenn Bedarf an diesen Transferraten besteht, und die kuenftige ATM-Entwicklung erst einmal abzuwarten? FDDI ist wohl kaum die Investition in eine Sackgasse, als die es viele ATM- Verfechter den Anwendern darstellen. Immerhin sehen die ATM- Spezifikationen auch eine Unterstuetzung des FDDI-Transports vor. Also warum nicht erst auf die etablierte Technik setzen und ein Abklingen des ATM-Fiebers abwarten? Bekanntlich wird nichts so heiss und teuer gegessen wie gekocht. hi