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21.03.1997 - 

Die Tage von Frame Relay und X.25 sind gezählt

ATM stiehlt den etablierten Diensten in Europa die Schau

Schon seit der Einführung Anfang der 90er Jahre war das Interesse an Frame Relay in Europa generell weniger stark ausgeprägt als in den Vereinigten Staaten. Anfangs machten der Technologie auf dem europäischen Kontinent Befürchtungen zu schaffen, ihre Zuverlässigkeit könne unter den Leitungen der Telecom-Gesellschaften leiden. Frame Relay verzichtet nämlich im Gegensatz zum etablierten X.25-Transportprotokoll auf ein Element der Datenkorrektur.

Zudem förderte die Zurückhaltung europäischer Carrier nicht unbedingt das Vertrauen der Anwender in die neue Technologie. Die PTTs wollten lieber ihre eingeführten Dienste vermarkten. Die Unsicherheit hinsichtlich der Möglichkeiten und Gebühren sorgten für zusätzliche Skepsis bei potentiellen Anwendern. Darüber hinaus litt die Glaubwürdigkeit dieser Technologie auch unter überzogenen Versprechungen einiger früher Anbieter.

Obwohl sich Frame Relay gut zur Übertragung von LAN-Daten eignet und auch unvorhersehbare Spitzenlastaufkommen verwalten kann, hat die Technik in der Konkurrenz mit ATM keine guten Karten. Das zumindest behauptet eine Studie des Marktforschungsunternehmens IDC zum Thema "Frame Relay in Europa". IDC befragte 450 TK-Manager, in deren Zuständigkeit das betriebliche WAN-Datennetz fällt. Die befragten Manager arbeiten für große Finanz- und Fertigungsunternehmen in ganz Europa.

Die Untersuchung belegt, daß bei den Firmen das Volumen des LAN-Daten-, -Sprach- und -Videodatenverkehrs in den WANs zunimmt, während die Legacy-Daten allmählich weniger werden. Das Wachstum beim Datenverkehr entfacht ein spürbares Interesse an der ATM-Technologie. 34 Prozent der Befragten gaben an, bereits über eine Strategie für den Einsatz der ATM-LAN-Technologie zu verfügen. Wo noch nicht geschehen, soll die Umsetzung der Pläne innerhalb der nächsten drei Jahre erfolgen.

Vor diesem Hintergrund betrachten einige Anwender Frame Relay nur noch als Übergangslösung, andere sehen gleich ganz von einer Implementierung ab. Rund die Hälfte der Großunternehmen plant derzeit keinen Einsatz von Frame Relay, obwohl der Anteil der LAN-Daten im WAN wächst und somit diese Technologie eigentlich als Lösung prädestiniert wäre.

In Sachen Frame-Relay-Abstinenz liegt Deutschland etwa im europäischen Durchschnitt. Hier nutzen erst zehn Prozent der Befragten Frame Relay, 20 Prozent planen den Einsatz bis 1998. Jedes fünfte Unternehmen prüft die Technologie noch (siehe Abbildung 1). Damit gibt es in Deutschland derzeit prozentual gesehen weniger Nutzer als im europäischen Mittel, es beabsichtigen aber verhältnismäßig viele Unternehmen einen Einstieg.

Die meisten Frame-Relay-Anwender finden sich in Großbritannien - trotz der laut IDC schwachen Vermarktung entsprechender Dienste durch British Telecom. Dort gelangen viele Nutzer über ihre privaten Netze zu Frame Relay, denn es existieren in fast jeder Ausrüstung für privates Networking Schnittstellen für diese Technik. Ein auffallend hohes Interesse registrierten die Auguren auch in Spanien, wo die Hälfte der Befragten Frame Relay testet.

Die mit Abstand ablehnendste Haltung gegenüber der Technologie zeigen die Franzosen. Deutlich über 60 Prozent können sich nicht einmal eine Evaluierung vorstellen. Die Fronten zwischen Verfechtern und Gegnern von Frame Relay scheinen bei den französischen Nachbarn ziemlich klar zu sein, denn lediglich einige Prozent sind noch unentschlossen. Dazu mag beigetragen haben, daß die France Télécom als starke Anhängerin des Frame-Relay-Vorgängers X.25 nachhaltigen Einfluß ausgeübt hat.

Der Stern von X.25 ist allerdings im Sinken. Von allen befragten europäischen Unternehmen gaben 35 Prozent an, sie wollten die Verwendung von X.25 bis 1998 reduzieren oder ganz einstellen. Noch drastischer sieht die Lage unter denjenigen aus, die Frame Relay künftig einsetzen wollen: Knapp die Hälfte dieser Manager beabsichtigen, X.25 ganz oder teilweise abzubauen. Das bedeutet, ein nicht unerheblicher Anteil von Firmen implementiert Frame Relay in der Erwartung, es werde X.25 allmählich ersetzen. Weiterhin ergab die Studie, daß die neuere Technologie als Ergänzung anderer populärer Protokolle wie IP, SNA und X.25 in großen Unternehmensnetzen Verwendung findet.

Beim Zugriff auf Frame-Relay-Dienste erfreuen sich bei den Befragten, die der Technologie gegenüber aufgeschlossen sind, eigene Router einer größeren Beliebtheit als die von System-Providern. Mehr als die Hälfte greift mit eigenen Routern auf die Dienste zu. Das erklärt IDC mit der vorherrschenden Tendenz, Frame Relay zuerst in privaten Netzen einzusetzen. In Deutschland, wo private Netze weniger verbreitet sind, wird fast genauso häufig das Equipment der Frame-Relay-Dienstanbieter verwendet.

Die Studie registriert insgesamt einen leichten Trend zu verwalteten Router-Lösungen (siehe Abbildung 2). Offen bleibt jedoch, ob sich dies auf die zunehmende Verfügbarkeit entsprechender Service-Leistungen zurückführen läßt oder ob die Unternehmen lediglich Investitionen in Frame-Relay- oder X.25-Ausrüstung scheuen, weil sie später sowieso ATM einsetzen möchten.