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01.09.1995

ATM und das Anbieterdiktat

ATM hat eine rosarote Zukunft vor sich. Beim Telefonieren und Fernsehen, dem Datenaustausch und der interaktiven Videouebertragung - ueberall werden kuenftig Daten einheitlich in 53 Byte lange Einheiten unterteilt und als ATM-Zellen auf den Weg geschickt - diesen Eindruck zumindest vermitteln der ATM-Report von CMI und die Prospekte einschlaegiger Hersteller. Doch nicht alles wird zwangslaeufig so eintreffen, wie es sich die Analysten von CMI erhoffen.

Das Engagement der Hersteller laesst dies bei ATM zugegebenermassen derzeit vermuten. Eifrig arbeitet fast jeder Anbieter von Networking-Equipment oder -Diensten im ATM-Forum und dessen Arbeitsgruppen mit. Das asynchrone Verfahren kann sich somit einer breiten Unterstuetzung seitens der Hersteller sicher sein, die den Markt schon bald mit einer Vielzahl von Loesungen ueberschwemmen werden.

Die ausschliessliche Fokussierung auf das Anbieterinteresse ist allerdings auch die Crux des Konsortiums. Bei allem Respekt vor den Aktivitaeten der Hersteller darf nicht uebersehen werden: Das ATM-Forum ist kein Normierungsgremium, und es ist nicht unabhaengig. Die Arbeitsgruppen, die an verschiedenen Vorschlaegen wie etwa der LAN-Emulation oder einer 25-Mbit/s-ATM-Version arbeiten, haben ein legitimes Interesse an einer schnellen Standardisierung des asynchronen Verfahrens, um einen "ATM-Markt" zu etablieren. Ob die Anwender im Tempo mithalten werden, ist eine ganz andere Frage.

Immer noch ist die sicherlich wegweisende und zukunftstraechtige Technik noch nicht ausgereift. Das ATM-Forum besitzt nur vorschlagende Funktion, und die vergangenen Monate haben denn auch gezeigt, dass die vereinbarten Spezifikationen haeufig noch nicht ausgereift waren und einer Ueberarbeitung bedurften. Die Telecom- Standardisierungsorganisation ITU hat jedenfalls schon ihre Unabhaengigkeit bewiesen, indem sie entsprechende ATM- Spezifikationen ablehnten und sich somit nicht dem Diktat der Netzwerkanbieter fuegte.

Fuer die Jahre 1996/97 prognostiziert der Report die Marktreife von ATM, laesst in anderen Bereichen jedoch so manche Fragen offen, weil er allzusehr auf reine ATM-Installationen zielt. Wo bleibt kuenftig etwa das ebenfalls anerkannte und ausgereifte Uebertragungsprotokoll Frame Relay? Enden High-speed-Loesungen im LAN-Bereich wie Switching oder Fast Ethernet in der Sackgasse, obwohl sie laengst standardisiert und erhaeltlich sind? Was nuetzen einem Implementierungshilfen fuer ATM-Netze, wenn alternative Technologien fuer das High-speed-Networking nicht ernsthaft beruecksichtigt werden? Wer also noch nicht voellig auf ATM fixiert ist und sein Netzwerk um High-speed-Verfahren aufruesten moechte, sollte das in rosafarbenem Einband erschienene CMI-Elaborat allerdings nicht zur Basis fuer seine Entscheidungen machen.