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01.09.2000 - 

Konzentration in der IT-Servicelandschaft

Atos und Origin fusionieren

MÜNCHEN (CW) - Die Konsolidierung im IT-Servicesektor schreitet voran. Der französische Systemintegrator Atos SA übernimmt vom holländischen Philips-Konzern dessen finanziell angeschlagene IT-Beratungstochter Origin, um mit einem Jahresumsatz von zusammen 2,8 Milliarden Euro zum drittgrößten Dienstleister in Europa aufzusteigen.

Das neue Unternehmen, das Anfang Januar unter dem Namen "Atos Origin" mit 27 000 Mitarbeitern in 30 Ländern an den Start gehen soll, rückt damit zu den europäischen Marktführern Cap Gemini und Getronics auf. Cap Gemini hatte erst im vergangenen Februar die IT-Beratungssparte von Ernst & Young übernommen.

Im Rahmen der Transaktion wird Origin-Eigner Philips 21,5 Millionen neue Atos-Aktien erhalten, deren Schlusskurs am vergangenen Freitag 122 Euro betrug. Damit beläuft sich das Transaktionsvolumen auf rund 2,6 Milliarden Euro. Nach dem Merger wird Philips zunächst knapp unter 50 Prozent an dem kombinierten Unternehmen halten und seinen Anteil innerhalb der nächsten zwei Jahre auf unter 35 Prozent senken.

Atos-Chef Bernard Bourigeaud, der das neue Unternehmen leiten wird, bezeichnete die Fusion als ein "perfektes Match": "Atos und Origin ergänzen sich ohne Überschneidungen in Bezug auf Kundenstruktur, Produkte und geografische Präsenz." War der französische Dienstleister bislang außer auf die Branchen Telekommunikation und Einzelhandel vor allem auf Finanzen spezialisiert, gewinnt er nun die von Origin betreuten Bereiche Prozessindustrie und Hightech hinzu. Zu den gemeinsamen Kunden gehören Lucent, Philip Morris, Procter & Gamble sowie Shell. Mit der Akquisition von Origin kann Atos zudem seine geografische Reichweite von Frankreich auf die Niederlande und Großbritannien ausweiten. Der Firmensitz von Atos Origin soll in Frankreich angesiedelt werden, während der Vorstand des Unternehmens in Amsterdam residiert.

Auch dem Origin-Besitzer ist mit dieser Fusion geholfen, wollte sich Philips-President Cor Boonstra doch ohnehin schon seit einiger Zeit von kränkelnden Bereichen trennen und den Mutterkonzern wieder auf die Herstellung elektronischer Hardware fokussieren. Ursprünglich hatte der Manager einen Börsengang für Origin geplant. Diese Option erschien nach den im ersten Quartal 2000 erstmals separat ausgewiesenen Zahlen jedoch wenig ratsam. Origin hatte im Berichtszeitraum mit 400 Millionen Euro einen Umsatzrückgang von 3,4 Prozent gemeldet. Der Gewinn war von 25 Millionen Euro im Vorjahr auf nur noch eine Million Euro gesunken. Im Mai 2000 nahm daraufhin Origin-Chef Robert Pickering seinen Hut.

Aufgrund dieser Zahlen musste Bourigeaud eingestehen, dass die Akquisition der schwachen Philips-Sparte die Leistung von Atos zunächst beeinträchtigen werde. Allerdings gab er sich für die weitere Zukunft optimistisch. So soll die kombinierte Firma ihre Betriebsmarge (Verhältnis von Betriebsergebnis zum Umsatz) von sechs Prozent im ersten Halbjahr 2000 auf mindestens zehn Prozent im Jahr 2002 steigern.

Marktbeobachter sehen in dem Deal strategische Vorteile für beide Unternehmen. So sei es für Origin innerhalb der Philips-Gruppe fast unmöglich gewesen, seine Betriebsstrukturen zu verbessern. Atos wiederum erhalte durch den Merger die "kritische Masse", die in dieser Branche notwendig sei. Auch der Kaufpreis, der sich auf das Anderthalbfache von Origins Jahresumsatz beläuft, bewege sich in einem vernünftigen Rahmen.