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21.06.1991 - 

Kongreßmesse in Berlin rund um Apple-Computer

Attraktionen auf der Macworld waren System 7.0 und Multimedia

BERLIN/NEW YORK (zek) - Mit der erstmals in Deutschland veranstalteten Kongreßmesse "Macworld" hat Apple in der Welt der kompatiblen PCs Flagge gezeigt. Schwerpunkte waren die Möglichkeiten des neuen Macintosh-Betriebssystems 7.0, neue Software, die auf 7.0 abgestimmt ist, und Ausblicke in die Multimedia-Zukunft, für die sowohl Apple als auch andere Hersteller erste Produkte zeigten.

Die Macworld-Expo, eine Fachmesse rund um den Apple Macintosh, wird bereits seit mehreren Jahren regelmäßig in verschiedenen Ländern abgehalten. Die wichtigsten europäischen Veranstaltungsorte waren bisher Paris und Amsterdam. Die neue politische Situation und die Apple-Strategie, grafischen Benutzeroberflächen auf DOS-PCs den Kampf anzusagen, haben die Veranstalter IDG World Expo und Montgomery bewogen, die Messe in Zukunft in allen wichtigen europäischen Macintosh-Märkten abzuhalten. Zur ersten deutschen Macworld trafen sich Anwender und Hersteller in Berlin. An drei Messetagen kamen knapp 20000 Besucher ins Berliner ICC, wo 117 Aussteller ihre Mac-Produkte zeigten. Damit wurden nach Aussage von IDG-World-Expo-Geschäftsführer Mike Blackman die Prognosen übertroffen, und es gilt als sicher, daß die Macworld Expo in Deutschland zu einer Dauereinrichtung werden wird.

Herrschte in der Mac-Szene vor rund einem Jahr durch die Einführung von Windows 3.0 für den PC noch eine leicht depressive Stimmung, so wurde dieses Jahr besonders von Apple Optimismus verbreitet. Apple-Deutschland-Chef Gerhard Jörg konnte zum zehnjährigen Bestehen der deutschen Niederlassung auf ein gesundes Wachstum verweisen. Das gilt besonders im Hinblick auf den sogenannten unteren Marktbereich, wo Apple mit der Einführung der Niedrig-Preis-Macs "Classic" und "LC" in Sachen verkaufte Stückzahlen große Steigerungsraten vorweisen konnte.

Apple-President und Chief Operations Officer Michael Spindler, der es sich als gebürtiger Berliner nicht nehmen ließ, persönlich zur deutschen Macworld zu erscheinen, setzte in seiner Eröffnungsrede ganz auf die Zukunft des Macintosh. Mittlerweile sei der Mac, so Spindler, seiner Nischen- und Inselexistenz entwachsen. Die großen Nachteile des Systems - Inkompatibilität und fehlende Möglichkeiten zur Vernetzung - sind beseitigt: Der Mac liest Daten von DOS-Disketten, alle gängigen Netzwerkstandards werden unterstützt, so daß der Macintosh auch in größeren kommerziellen Installationen eingesetzt werden kann. Noch in diesem Jahr will Spindler den ersten Macintosh im Notebook-Format auf den Markt bringen und damit die letzte Produktlücke gegenüber der DOS-Welt schließen. Mac-kompatible Notebook-Rechner werden dann wahrscheinlich auch andere Hersteller anbieten.

Als Schlüsselprodukt für die Zukunft gilt das neue Betriebssystem 7.0, das im Mai offiziell angekündigt wurde und in Deutschland ab August verfügbar sein wird. Mit 7.0 und der Erweiterung "Quicktime", die anläßlich der Berliner Macworld vorgestellt wurde, soll der Macintosh im Zukunftsmarkt Multimedia genau das werden, was die ersten Macs im Bereich DTP waren. Quicktime sorgt für Datenkomprimierung, so daß Informationen aus verschiedenen Quellen, beispielsweise Bilder, Videosequenzen und Animationen, in Echtzeit dargestellt werden können. Damit lassen sich große Datenmengen ohne Zeitverlust handhaben. Demnächst soll Quicktime Bestandteil des Betriebssystems werden, zur Zeit erhalten nur Enwickler das Produkt.

Einstieg in einen neuen Markt

Die ersten Quicktime-kompatiblen Produkte wurden in Berlin vom Peripheriehersteller Supermac gezeigt. Die Kalifornier bieten ein digitales Videosystem für den Mac LC und SI zum Preis von rund 1400 Mark an. Diese Karten machen es möglich, Videosequenzen externer Videoquellen mit den entsprechenden Macs in Echtzeit zu digitalisieren und für die Weiterverarbeitung auf Massenspeichern zu sichern. Nach Supermac-Angaben sollen die Karten mit der Bezeichnung "Videospigot" ab September auch in Deutschland angeboten werden. Das System unterstützt die Videonormen PAL und NTSC. Die Videoqualität auf dem Mac erreicht zur Zeit ein hohes Niveau für einfache Multimedia-Aufgaben auf dem PC, beispielsweise zur Erstellung von Präsentationen und Vorträgen. Bereits in zwei bis drei Jahren soll diese Technologie auf dem Mac so ausgereift sein, daß professionelle Videobearbeitung auf dem Mac möglich ist. Damit könnte Apple den Einstieg in ein neues Marktsegment schaffen, wo PCs heute noch nicht eingesetzt werden.

Was Software-Announcements betraf, standen auf der Macworld Pakete, die die Möglichkeiten von System 7.0 nutzen, im Mittelpunkt. Als wichtigste Ankündigung werteten Insider die Präsentation von Lotus 1-2-3 für den Mac. Das Ereignis wurde per Satellitenvideo live aus den USA nach Berlin übertragen. Mit 1-2-3 für den Mac hat Lotus sich vorgenommen, das "beste" Spreadsheet-Programm für den Apple-Rechner anzubieten, das sich mit den etablierten Mac-Programmen "Excel" von Microsoft und "Wingz" von Informix messen muß. 1-2-3 für den Mac unterstützt die Leistungen von Quicktime. Darüber hinaus kann es in heterogenen Computernetzen eingesetzt werden, da die Dateiformate kompatibel zu allen anderen Lotus-Versionen sind. Das Produkt wird nach Lotus-Angaben im Herbst ausgeliefert, es läuft auf jedem Mac, der mit Festplatte ausgestattet ist.

Wieviel Apple an der 1-2-3-Version liegt, konnte man daran ermessen, daß Apple-CEO John Sculley es sich nicht nehmen ließ, das Produkt als "Beta-Tester" zu würdigen und vorzustellen - und das, obwohl Apples Softwaretochter Claris mit dem Spreadsheet "Resolve" ein eigenes Programm dieser Art, das System-7-Features unterstützt, angekündigt hat. 1-2-3 für den Mac soll in Deutschland ausgeliefert werden, sobald die deutsche Version von System 7.0 verfügbar ist, der Preis wird bei rund 1500 Mark liegen.