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06.02.1987 - 

Experimente an US-Universitäten geben Anlaß zu Spekulationen:

Auch Big Blue brütet über Parallelrechner

MÜNCHEN (CW) - Eine Serie experimenteller Rechnerentwicklungen an der Universität von New York, der Cornell University im Staat New York und dem Thomas J. Watson Forschungszentrum der IBM in Yorktown Heights hat aller Voraussicht nach den Eintritt von Mother Blue in den prosperierenden Markt der wissenschaftlichen Supercomputer zum Ziel.

Das Ergebnis der Forschungsarbeiten soll einem Bericht des britischen Brancheninformationsdienstes Computergram zufolge ein Parallelrechner werden, der sich wesentlich von den Crays, ETAs und Produkten japanischer Mitbewerber unterscheidet. IBM wird sich den Erwartungen der Branche zufolge für eine Maschine entscheiden, die dem Konzept hyperkubisch miteinander verbundener Rechnercluster folgt. Jeder Knoten soll aus acht Prozessoren bestehen; die Maximalkonfiguration erlaube 64 Knoten mit insgesamt 512 Prozessoren. Das Konzept ähnelt den Rechnern der T-Serie von Floating Point Systems, die auf der Basis des Inmos-Transputers als CPU arbeitet, ergänzt durch Weitek-Fließkommaprozessoren. IBM hat den Transputer gründlichen Tests unterzogen, und es ist möglich, daß er in der geplanten Maschine eingesetzt wird. Aber auch eine CPU-Eigenentwicklung von Big Blue wird in Fachkreisen nicht ausgeschlossen.

Gegen die Verwendung der Transputer spricht eine als "Key Feature" bezeichnete Eigenschaft, die IBMs Entwicklung haben wird: Es ist die Rede davon, daß die neue Maschine eine innovative Hauptspeicherarchitektur aufweisen wird, die es erlaubt, die Gesamtkapazität von 2 Gigabyte auf die einzelnen Prozessoren zu verteilen und sie im Extremfall einer einzigen Zentraleinheit zuzuordnen. Solche Techniken werden normalerweise dazu benutzt, Tasks von einem Prozessor an einen anderen zu übergeben; der Transputer ist von seinem Konzept her jedoch so ausgelegt, daß diese Funktion nicht nötig und auch nicht möglich ist.

Auch die Arbeiten, die an der Cornell Universität mit einer IBM 3084Q mit angeschlossenem FPS-264-Vektorprozessor von Floating Point Systems durchgeführt wurden, könnten mit der neuen IBM-Maschine zu tun haben. Cornell hat mit dem "Gibbs"-Projekt an einem Vorhaben gearbeitet, welches die Übersetzung der natürlichen englischen Sprache in Fortran-Algorithmen zum Ziel hatte. Eine derartige Entwicklung könnte eine große Bedeutung für den Parallelrechner bekommen, denn er wird zu keiner gegenwärtig verfügbaren Maschine kompatibel sein, weshalb existierende Fortran-Anwenderprogramme auch nicht auf der IBM-Maschine laufen würden. Ein parallelisierender Fortran-Compiler - also ein Compiler, der existierende Fortran-Software in parallel ablaufende Prozesse umsetzt - würde das Problem mildern.

Marktbeobachter trauen der neuen Maschine einen Durchsatz von 10 Gigaflops zu - und ein Preisniveau von 10 bis 30 Millionen US-Dollar. Der Grund für den hohen Preis, verglichen mit der eingangs erwähnten T-Serie von FPS, erklärt sich aus dem enorm großen Arbeitsspeicher, welcher aus Geschwindigkeitsgründen komplett aus teuren statischen RAM-Bausteinen bestehen müßte. Der gemeinsam benutzbare Arbeitsspeicher wird von Fachleuten als wesentlichste Innovation bei diesem Projekt betrachtet. Hausintern läuft der Supercomputer unter der Codebezeichnung RP-3.