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25.02.2000 - 

Wieder in die Verlustzone abgerutscht

Auch Bull kehrt nun den E-Business-Anbieter heraus

von Beate Kneuse* DÜSSELDORF - Nach den nur mäßigen Erfolgen der sich durch die gesamten 90er Jahre hindurch ziehenden Restrukturierung wirft der französische IT-Konzern Bull jetzt konsequent Ballast ab. Systemintegration und E-Business sollen der wackeligen Company endlich festen Boden unter den Füßen bescheren.

Hans-Dieter Ernst, seit 1. Januar 2000 neuer Chef von Bull Zentraleuropa und Nachfolger von Werner Fuhrmann, nahm vor Journalisten in Düsseldorf kein Blatt vor den Mund. "Wir haben lange nicht erkannt, dass man sich auf Bereiche konzentrieren sollte, die Gewinn bringen. Wir haben immer versucht, alles zu machen." Die Einsicht kommt spät. Die meisten IT-Universalanbieter haben schon vor Jahren konsequent eine neue Unternehmensausrichtung eingeleitet. Vor allem die IBM, der Bull gerade in den 70er und frühen 80er Jahren immer wieder mit leistungsstarken Mainframes in Europa Paroli geboten hatte, ist durch ihre radikale Wandlung zum Servicespezialisten mit gutem Beispiel vorangegangen. Lohn der Mühe: eine summa summarum gesunde Konzernbilanz.

1998 war nur ein kurzes Zwischenhoch

Davon kann die Bull-Gruppe nur träumen. Im Geschäftsjahr 1998 hatten die Franzosen nach einem kurzen Zwischenhoch gerade noch einen kleinen Gewinn ausweisen können. 1999 sind sie einmal mehr ins Minus abgerutscht. Insgesamt musste Bull-Chef Guy de Panafieu jetzt einen Verlust von 288 Millionen Euro verkünden. Der Umsatz sank ebenfalls - von 9,8 auf 9,5 Milliarden Euro. Panafieu legte bei der Präsentation der Zahlen in Paris dennoch Optimismus an den Tag, im laufenden Geschäftsjahr bereits wieder Profit einzufahren. Ein Schritt auf diesem Weg ist bereits absolviert: Am Tag der Bekanntgabe der Jahresergebnisse meldete der Bull-Chef auch den Verkauf des Geldautomatengeschäfts an die Diebold Inc. Dies spült immerhin rund 70 Millionen Euro in die Bull-Kassen.

Hauptgrund für die Zuversicht Panafieus dürfte aber der endgültig vollzogene Ausstieg aus dem kostspieligen und glücklosen Engagement bei PC-Hersteller Packard Bell sein. Dadurch fielen zwar 1999 Belastungen in Höhe von knapp 280 Millionen Euro an, "doch damit ist unsere PC-Vergangenheit nun endlich bereinigt", betonte auch Zentraleuropa-Statthalter Ernst, der hinzufügte: "Wir hätten das PC-Abenteuer viel früher beenden müssen. Aber da gab es immer wieder Widerstände seitens der französischen Regierung."

Ad acta gelegt ist zudem bis auf weiteres die Suche nach einem neuen Großaktionär. Monatelang hatte Bull-Lenker Panafieu im vergangenen Jahr um einen zusätzlichen kapitalstarken Partner geworben, nachdem der französische Staat signalisiert hatte, seinen 17,4-prozentigen Anteil abgeben zu wollen. Im Juli schien mit dem Privatfinanzier Walter Butler ein Kandidat greifbar nahe, der aber wollte sich gleich 30 Prozent des Konzerns einverleiben. Damit war vor allem die japanische NEC - wie der französische Staat sowie Motorola und France Télécom mit 17,4 Prozent beteiligt - nicht einverstanden. So kam der Deal schließlich nicht zustande. Bull-Manager Ernst bestätigte nun, dass das Thema erst einmal auf Eis gelegt worden ist. Die Diskussionen um einen etwaigen neuen Gesellschafter hätten das Unternehmen "ein halbes Jahr lang blockiert".

Im laufenden Jahr wollen die Bull-Verantwortlichen nun die Fokussierung auf das Dienstleistungsgeschäft und das E-Business-Segment vorantreiben. Im Bereich der Systemintegration sieht Ernst das Unternehmen zumindest in seinem Zuständigkeitsbereich Deutschland, Österreich und Schweiz gut positioniert. Dieses Segment steuerte seinen Worten zufolge zuletzt rund 70 Prozent zum Umsatz in der Region bei, der 1999 bei knapp 300 Millionen Euro zwei Prozent unter den Einnahmen des Vorjahres lag. Gerade der Servicebereich habe allerdings in Sachen Bruttomargen zuletzt gekränkelt. "Aufgrund der Millenniumsproblematik haben die Unternehmen im vierten Quartal alle Projekte eingefroren", erläuterte Ernst. Bull sei es aber gelungen, die Kosten zu senken, ohne Mitarbeiter entlassen zu müssen. Somit zählt der Dienstleistungssektor von Bull Zentraleuropa nach wie vor rund 800 Mitarbeiter. Insgesamt unterstehen Ernst 1200 Leute.

Große Hoffnungen setzt der "Seiteneinsteiger mit Macherqualität" (O-Ton Ernst) auf das Geschäft der Zukunft, sprich: E-Business. Da man in diesem Marktsegment einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt, also alle Geschäftsbereiche abdeckt, rechnet man sich Ernst zufolge gute Chancen aus. Zum einen sei Bull in der Lage, die nötigen Highend-Systeme und Komponenten zu liefern, zum anderen verfüge man über umfassende Expertise im Security-Bereich. Immerhin zähle man in Europa zu den führenden Anbietern zuverlässiger Verschlüsselungsverfahren. "Gerade das Thema Sicherheit spielt beim E-Business eine enorme Rolle, wie erst wieder die Hacker-Attacken auf Internet-Firmen in den USA gezeigt haben. Darauf werden wir uns konzentrieren."

Dass das Thema E-Business derzeit von allen Herstellern besetzt wird, verhehlt Ernst nicht. Und dass Bull hier nicht gerade durch einen großen Namen glänzt, auch. Man sei aber für dieses Geschäft richtig aufgestellt und habe auch schon einige renommierte Kunden gewinnen können. "Nur trommeln wir nicht so laut wie andere", so der frühere Veba-Manager. Ein Manko, das sich wie ein roter Faden durch die lange Firmengeschichte von Bull zieht. Gute Produkte hatten die Franzosen immer, doch sie konnten sie selten gewinnbringend verkaufen. Das hatte Bull schon Anfang der 60er Jahre an den Rand des Ruins gebracht.

KOMMEN UND GEHEN BEI BULL

Mit Hans-Dieter Ernst versucht sich bei Bull nunmehr der vierte Manager innerhalb von fünf Jahren am Job des General Managers für Zentraleuropa. Im Juli 1995 hatte Ex-NCR-Geschäftsführer Rainer Liebich den Chefposten von Werner Brockhagen übernommen, der heute Geschäftsführer der deutschen EMC-Tochter ist. Er verabschiedete sich schon im September 1996 wieder und überließ sein Amt Kaj Green, Ex-Manager bei Cap Gemini. Den gebürtigen Schweden hielt es bis April 1998 auf seinem Platz, dann wechselte er zur EDS Nordic nach Skandinavien. Seine Nachfolge trat Bull-Urgewächs Werner Fuhrmann an, der zuletzt als General Manager die Schweizer Bull-Geschäfte verantwortet hatte. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist er dem Konzern treu geblieben. Fuhrmann wurde ins Pariser Headquarter berufen, um Bull weltweit in Sachen Systemintegration voranzubringen. Laut Ernst nimmt die zentraleuropäische Region in diesem Bereich eine Vorreiterrolle ein. Der früher vor allem in der Energiebranche tätige neue Mann stieg im Mai 1996 als Finanzchef bei Bull Zentraleuropa ein - und ging damit erstmals auf Tuchfühlung mit der IT-Branche. Den Seiteneinstieg ins IT-Lager empfindet er als Vorteil: "Ich bin historisch nicht vorbelastet und kann alles mit einem kritischen Auge beobachten und steuern."

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.

Abb.:Bull-Gesellschafterstruktur

Alles beim Alten: Bis auf weiteres soll es keine Änderung bei den Bull-Gesellschaftern geben. Quelle: Bull