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07.02.1997 - 

Migrationsstrategien für Altsysteme/Die Migrationsstrategie von SNI für 8870- und Comet-Anwender

Auch der Unimog unter den DV-Systemen ist einmal Schrott

In den 70er Jahren brachte die damalige Nixdorf Computer AG mit Comet eine der wohl erfolgreichsten betriebswirtschaftlichen Lösungen für mittelständische Unternehmen auf den Markt. Comet deckte die Bereiche Rechnungswesen, Personalabrechnung, Einkauf, Verkauf, Lagerwirtschaft und Fertigung ab. Die Comet-Logistikmodule bildeten auch die Basis für viele branchenspezifische Module, die meist von spezialisierten Partnern entwickelt wurden und zusammen mit den Horizontalanwendungen Rechnungswesen und Personalabrechnung die jeweilige Branchenlösung bildeten.

In der besten Zeit setzten weltweit zirka 50000 Kunden Comet als Gesamtlösung oder in Einzelmodulen wie beispielsweise für das Rechnungswesen ein. Die Anwender waren in kleineren Unternehmen (drei bis zehn DV-Arbeitsplätze), im Mittelstand (zehn bis 100 Terminals) wie auch in den Tochterunternehmen und Niederlassungen von Konzernen, insbesondere im internationalen Bereich, zu finden. Basis von Comet waren die von Nixdorf entwickelten proprietären Hardwareplattformen 8870 und Quattro einschließlich der jeweils benötigten Peripheriegeräte.

Ende der 80er Jahre begann Nixdorf unter dem Codenamen "Alexander" mit der Entwicklung eines Nachfolgesystems für Comet, das auf Unix-Lösungen lauffähig sein sollte. Die Basis bildete "X/SDE", eine auf Modula 2 beruhende Programmierungs- und Customizing-Umgebung, die sich dadurch auszeichnen sollte, daß sich bei der Installation neuer Versionen kundenspezifisch veränderte Software ohne großen Aufwand weiter nutzen ließ.

Nach einer Reihe von Veränderungen infolge des Zusammenschlusses von Nixdorf mit dem Siemens-Bereich Daten- und Informationstechnik zur Siemens- Nixdorf Informationssysteme AG, der Abgabe der kleineren Comet-Installationen an Partner und der Neustrukturierung von Siemens-Nixdorf wurde Anfang 1995 die erste Version von "ALX-Comet" auf Basis von X/SDE zum Vertrieb freigegeben.

Bereits 1992 wurde das Produkt "Crossbasic" vorgestellt. Mit ihm konnten die Comet-Anwender aus der proprietären Quattro- beziehungsweise 8870-Welt auf Unix-Systeme umsteigen, ohne Peripheriegeräte und - besonders wichtig - ohne die vertraute Softwarelösung Comet austauschen zu müssen. Damit war der erste Schritt in eine offene IT-Umgebung möglich. Bis heute wurde Crossbasic zirka 12000mal installiert.

Die nächsten Jahre stellen jedes Unternehmen vor Herausforderungen, deren kurzfristige Bewältigung von existentieller Bedeutung ist. Hierbei spielt die betriebswirtschaftliche IT-Lösung eine wesentliche Rolle. Aber das wird nicht das einzige Problem sein.

Spätestens ab dem 1. Januar 2000 werden viele zwar technologisch veraltete, aber zur Zufriedenheit der Anwender laufende IT-Lösungen, die zweistellige Jahreszahlen verwenden, über Nacht unbrauchbar sein. Es läßt sich absehen, daß es 1998 und 1999 europaweit zu Engpässen bezüglich der Ablösung solcher Systeme kommen wird. Deshalb ist es ratsam, gleich mit den notwendigen Umstellungsarbeiten zu beginnen und nicht bis zur letzten Minute zu warten.

Die Globalisierung der Märkte und der weiter steigende Konkurrenzdruck betreffen mittelständische Unternehmen heute mehr denn je. Die Antwort darauf liegt einerseits in einer stärkeren Ausrichtung der Unternehmensprozesse auf die Bedürfnisse des Kunden, auf der anderen Seite in der Aufdeckung und Nutzung aller verborgenen Produktivitätsreserven, beispielsweise einer reduzierten Lagerhaltung, einem schnelleren Warenumschlag, in kürzeren Durchlaufzeiten, kürzeren Lieferfristen. Verbesserungen in diesen Bereichen sowie in der Unternehmenssteuerung über Data-Warehouses fordern den Einsatz modernster betriebswirtschaftlicher Lösungen.

Mit den Produktfamilien Comet, ALX-Comet und ALX stellt Siemens-Nixdorf heute ein Lösungsportfolio zur Verfügung, dessen Komponenten untereinander kombinierbar sind.

Mit der neuesten Version 3.2 von Comet, die auf großen Quattro-Systemen, RM-Rechnern unter Unix und auf Windows-NT-Servern lauffähig ist, bietet SNI jenen Kunden, die noch nicht in eine neue IT-Lösung investieren wollen, die Möglichkeit eines Übergangs. Sie können dabei sowohl die Leistungsfähigkeit neuester Server-Technologie als auch die Integration von PCs und damit die Nutzung von Microsoft-Standardtechnologien und -produkten erschließen. Eine Folgeversion von Comet 3.2 für Quattro-Systeme ist aus heutiger Sicht ausgeschlossen.

Das Client-Server-System ALX-Comet ist die aktuelle Lösungsgeneration. Sie läuft unter Unix auf RM-Servern, auf Intel-basierenden Servern und HP-Servern, läßt sich aber auch auf Intel-basierenden Plattformen unter Windows NT einsetzen.

Das Rechnungswesen (ALX-Comet "Rewe"), versehen mit dem Testat der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Coopers & Lybrand, umfaßt neben der Finanzbuchhaltung auch Module für die Kosten- und Leistungsrechnung, die Anlagenbuchhaltung und das Zahlungs-Management. Die Personalabrechnung (ALX-Comet "Peab") gestattet eine Lohnartengestaltung mit automatischer Bruttorückrechnung, variable Bruttolohnauswertungen, Bescheinigungen nach Behördenvorschriften und bietet des weiteren offene Schnittstellen zu Zeiterfassungssystemen. Beide Produkte sind so angelegt, daß sie in Koexistenz mit bestehenden Logistikmodulen von Comet auf einen System lauffähig sind.

Damit steht umstiegsbereiten Comet-Anwendern ein weicher Migrationspfad in eine neue IT-Umgebung offen. Die Architektur von ALX-Comet erlaubt auch die Kombination von ALX-Comet Rewe und Peab mit branchenspezifischen Lösungen sowie verschiedenen PPS-Systemen in der Fertigungs- und Prozeßindustrie.

Nach einem zunächst langsamen Start hat sich die Zahl der ALS-Comet-Installationen 1996 wesentlich erhöht. Als Ziel für das laufende Geschäftsjahr sind rund 1000 weitere Installationen nicht nur bei alten Comet-Kunden geplant. Nach Ablauf des ersten Quartals hat sich gezeigt, daß diese Installationszahl sogar noch zu übertreffen sein dürfte, wobei vor allem das europäische Ausland erheblich zum Wachstum beiträgt.

Mit den in der ersten Hälfte 1997 im deutschsprachigen Raum (Anfang 1998 auch international) zur Verfügung stehenden Produkten "ALX-LOG" und "ALX-APM" stellt SNI neue betriebswirtschaftliche Lösungen für mittelständische Handels- und Fertigungsunternehmen bereit.

ALX-LOG unterstützt die Steuerung aller logistischen Prozesse in Einkauf, Materialwirtschaft und Vertrieb. Ein modularer Aufbau und flexible Anpassungsmöglichkeiten gewährleisten die Abbildung der Geschäftsprozesse unterschiedlichster Organisationsformen.

ALX-APM ist ein prozeßorientiertes Planungs- und Informationssystem für das Auftrags- und Produktions-Management. Es unterstützt die durchgängige Verfolgung von Aufträgen und nutzt die logistischen Komponenten von ALX-LOG.

Die beiden neuen Lösungen basieren auf Microsoft-Technologien und sind hinsichtlich Benutzeroberfläche und Handling kompatibel zu Microsoft-Lösungen wie Excel und Winword. Die durchgängige Client-Server-Architektur sowie die Datenbankorientierung schaffen eine hohe Performance bei maximaler Datenpräsenz und -sicherheit. ALX-LOG und -APM lassen sich gemeinsam mit den ALX-Comet-Lösungen Rewe und Peab betreiben.

Viele Kunden diskutieren den Einsatz von Unix oder Windows NT. Es gibt von SNI keine generelle Empfehlung: Welches der beiden Betriebssysteme in Betracht kommt, hängt von der jeweiligen Aufgabe ab. Die gängige Meinung von Marktbeobachtern ist, daß NT den Low-end-Server-Markt attackiert, den heute noch Novell-Netware beherrscht. Unix-Systeme dringen in die Domäne einstiger Hosts im High-end-Segment ein. Im Bereich der Departmental-Server konkurrieren und koexistieren die beiden.

Für die Wahl der besten Plattform sind nicht die technischen Eigenschaften der Hardware oder des Betriebssystems entscheidend, sondern die Anforderungen entsprechend der vorgesehenen Anwendungen. Diese lassen sich Server-Klassen zuordnen (siehe Kasten "Migrationsziele").

Wenn die Bedürfnisse der Kunden eher im Bereich Enterprise-Information- und Departmental-Server liegen, empfiehlt SNI eine Unix-Lösung. Für diesen Interessentenkreis bietet das Unternehmen "RM-C"-Rechner mit "Reliant-Unix" als Betriebssystem an. Zeigt die Anforderungsmatrix eine stärkere Gewichtung bei Workgroup- und LAN-Servern, sollte die Entscheidung zugunsten von "Primergy"-Servern mit Windows NT fallen.

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Eine der DV-Legenden trägt den Namen Nixdorf 8870. Das System war der größte Verkaufshit des einstigen deutschen Vorzeigeunternehmens, weil die Anwender keine hochspezialisierten und teuren DV-Profis brauchten, um alltägliche Unternehmensaufgaben in zahlreichen Branchen zu automatisieren. Die Grundlage dafür bietet bis heute die Standardsoftware "Comet". Mit diesem Erbe tat sich die Nixdorf-Nachfolgerin SNI lange Zeit schwer. Inzwischen verfolgt die Siemens-Tochter entschiedener eine Strategie zur Migration nach Unix oder Windows NT.

*Josef Huber ist Leiter Marketing und Vertrieb für ALX-Comet im Geschäftsbereich Anwendungssoftware der Siemen-Nixdorf Informationssysteme AG, München