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19.02.1993 - 

Pariser erwarten Verluste von einigen Milliarden Franc

Auch die IBM France rutscht erstmals in die roten Zahlen

Die Hoehe des Fehlbetrages vermochte Claude Andreuzza, Vorstandsvorsitzender der IBM France, bei Bekanntgabe des vorlaeufigen Jahresergebnisses allerdings noch nicht konkret zu beziffern. "Dies haengt letztlich davon ab, wieviel uns Armonk von den 11,6 Milliarden Dollar Sonderrueckstellungen aufs Auge drueckt", so der saeuerliche Kommentar des IBM-France-Chefs. Zu erwarten sei aber sicher ein "Minus von einigen Milliarden Franc". Im Vorjahr hatte die franzoesische Tochter noch einen Gewinn von 800 Millionen Franc (umgerechnet knapp 230 Millionen Mark) ausgewiesen. Die endgueltigen Zahlen sollen im Fruehsommer bekanntgegeben werden.

Das Betriebsergebnis blieb zwar mit 2,4 Milliarden Franc weiter positiv, ging aber gegenueber dem Vorjahr um 7,7 Prozent zurueck. Ruecklaeufig war auch der Umsatz. Eingenommen wurden 36,7 Milliarden Franc, - und damit rund sieben Prozent weniger als im Vorjahr. Dabei broeckelte der Inlandsumsatz staerker als die Einnahmen aus dem Export von Produkten und Dienstleistungen.

Andreuzza legte groessten Wert auf die Feststellung, dass der Bilanzverlust "zur Vorbereitung der Zukunft des Unternehmens" diene. Er sei keineswegs "Ausdruck schlechten Wirtschaftens in der Vergangenheit". Deshalb erwartet der IBM- France-Chef fuer das laufende Geschaeftsjahr 1993 auch gute Betriebsergebnisse, selbst wenn das Gesamtwachstum der franzoesischen Wirtschaft nur bescheidene ein bis zwei Prozent erreiche. "Mehr brauchen wir nicht, um auch 1993 ordentlich Geld zu verdienen."

Auf die Zukunft wird sich die franzoesische Big-Blue-Tochter auch 1993 zunaechst mit Stellenstreichungen vorbereiten. Seit 1986 nahm der Personalbestand von 21 860 auf jetzt 18 760 Mitarbeiter ab - davon werden derzeit 16 635 Angestellte ganztags beschaeftigt. Im laufenden Geschaeftsjahr sollen weitere 1200 Arbeitsplaetze abgebaut und 300 Mitarbeitern Teilzeitarbeit verordnet werden. Andreuzza betonte allerdings, dass "mindestens 850 Mitarbeiter freiwillig gehen wuerden".

Geklaert scheint mittlerweile das Ausmass der Personaleinsparung im Werk Montpellier, das die Grosssysteme fuer den EG-Markt liefert. Nachdem sich die Belegschaft 1991 um 800 auf 2350 Mitarbeiter verringert hatte und Ende vergangenen Jahres eine weitere Kuerzung um 200 Arbeitplaetze angekuendigt worden war, ist nun eine "sanftere Loesung" in Sicht. Die neuen Plaene sehen die Fruehpensionierung fuer rund 100 Mitarbeiter vor, die restlichen 100 Angestellten sollen kuenftig in Teilzeit beschaeftigt werden. Bestritten wurde vom IBM- Management auch, dass die Produktion im Zuge der von der Armonker Mutter beabsichtigten Sparmassnahmen von Montpellier in die USA zurueckverlegt werden soll. Dies hatten Betriebsrat und Gewerkschaften seit einiger Zeit befuerchtet.

Engagement im Servicebereich

Mit der ausgeduennten und verjuengten IBM-France-Mannschaft will Andreuzza kuenftig vor allem die Geschaeftsbereiche Service, Facilities Management sowie Beratung forcieren. In einigen Jahren sollen Software und Service rund 35 Prozent vom Umsatz ausmachen. Wie ernst es den Unternehmen mit diesem Ziel ist, unterstrichen zwei Akquisitionen zum Jahreswechsel 1992/93. Fuer 150 Millionen Franc uebernahm IBM France von der auf Facilities Management spezialisierten Gruppe Axone, an der man bereits 50 Prozent Anteile hielt, die restlichen Anteile von der Sema Group und der Paribas-Bank (jeweils 25 Prozent). Der Erwerb muss noch genehmigt werden. Ausserdem schluckte Big Blues Frankreich-Dependance das Beraterhaus AD Consultants.

Ist die Axone-Uebernahme erst amtlich, kommt die neue Filiale der IBM France durch die Eingliederung der eigenen Ressourcen in Sachen Facilities Management auf einen Personalbestand von 1000 Mitarbeitern sowie einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Franc.

Mit den Serviceaktivitaeten zielt Andreuzza vor allem auf die produzierende Industrie - beispielsweise Prozesssteuerung in Fabriken -, aber auch auf die Telekommunikation, eventuell im Buendnis mit France Telecom. Der Carrier, so erklaerte der IBM- France-Chef kuerzlich, brauche einen starken Technologiepartner, wenn er sich neue Maerkte erschliessen wolle. Gleichzeitig empfahl er sein Haus denn auch gleich als "gute Adresse". Fuer IBM France wiederum sei das Telecom-Geschaeft interessant, weil dort noch viele Kunden "ausserordentlich fluessig" seien.