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Führungs-Exodus bei Sun: Fünf Topmanager gehen


10.05.2002 - 

Auch Ed Zander verlässt das Unternehmen

MÜNCHEN (CW) - Edward Zander, bislang President und Chief Operating Officer (COO) von Sun Microsystems, verlässt das Unternehmen zum 1. Juli 2002. Ohne Presseerklärung und lautlos hat zudem Stephen DeWitt der Firma den Rücken gekehrt. Mit diesen beiden Abgängen haben innerhalb kürzester Zeit bereits fünf Manager der obersten Führungsriege Sun den Dienst versagt.

Die Demission Zanders kommt nicht ganz überraschend: Er selbst sagte, er habe gewartet, bis der Umsatz von Sun sich wieder zu erholen beginne. Er verlasse das Unternehmen ferner, weil klar sei, dass Scott McNealy, Suns Chairman und Chief Executive Officer (CEO), in absehbarer Zeit nicht von seinen Ämtern zurücktreten werde. Von Sun-Managern wurde die Aussage kolportiert, Zander habe in den vergangenen Jahren immer wieder angedeutet, das Unternehmen verlassen zu wollen.

Zander wird noch bis Ende des Jahres im Unternehmen bleiben, um eine möglichst reibungslose Übergabe sicherzustellen, teilte Sun mit. Der Manager war seit 15 Jahren Mitarbeiter bei Sun. Er kam von Apollo Computers, einem Workstation-Unternehmen, das Sun 1987 gekauft hatte. Seine Position als President wird am 1. Juli 2002 Scott McNealy übernehmen.

Der COO ist der vierte Topmanager von Sun, der innerhalb der vergangenen drei Wochen ankündigte, dem Unternehmen den Rücken zu kehren. Ebenfalls zum 1. Juli 2002, dem Beginn des neuen Geschäftsjahres von Sun, verlassen Michael Lehman, John Shoemaker und Larry Hambly den Konzern. Lehman fungiert als oberster Finanzverantwortlicher (Chief Financial Officer). Shoemaker zeichnet noch als Executive Vice President für Suns Computer Systems Business verantwortlich. Hambly steht an der Spitze der Enterprise-Services-Geschäftseinheit.

Michael Lehmans designierter Nachfolger ist Steve McGowan. Er leitete bisher als Vice President für Finanzen, Planung und Administration den Bereich Global Sales Operations bei Sun Microsystems. Hambly wird von Patricia Sueltz ersetzt. Sueltz war bislang Vice President der Software Systems Group und leitete in dieser Funktion den Bereich Softwarestrategie und -Solutions. Sie gehört seit 1999 zum Management-Team. Davor war sie bei IBM für die Java-Entwicklung und -Vermarktung sowie für strategische Allianzen verantwortlich.

Mit Vice President Stephen DeWitt verlässt zudem ein fünfter Topmann das Unternehmen, bestätigte Sun. DeWitt war unter anderem für Suns strategische Operationen bezüglich Linux verantwortlich. Er war im September 2000 zur McNealy-Company gestoßen, als Sun Cobalt kaufte. DeWitt war CEO dieser Firma und hatte sich Hoffnungen auf einen aussichtsreichen Karriereweg bei Sun gemacht.

Vor allem der Abgang von Zander ließ den Aktienkurs von Sun abstürzen. Der Wert des Papiers sank um 14,8 Prozent beziehungsweise 1,21 Dollar auf 6,97 Dollar. Zander hatte in der Vergangenheit insbesondere dafür gesorgt, Sun als ernsthaften Wettbewerber zu IBM auf dem Feld der Hochleistungsrechner zu positionieren. Diese Maschinen steuern ganze Netze und Firmen-Datenzentren. Laura Conigliaro, Analystin bei Goldman Sachs, bezweifelte, dass Sun den Verlust von Zanders Kompetenz, seines Marktverständnisses sowie seiner Intelligenz werde verschmerzen können.

Ein Analyst von Sanford C.Bernstein & Company kommentierte den Abgang von Lehman, Shoemaker und Zander mit den Worten: "Innerhalb von zwei Wochen sind die drei Topmanager unterhalb von Scott McNealy gegangen. Da müssen natürlich Fragen und Zweifel auftauchen bei den Investoren und Kunden."

McNealy verkauft den Aderlass an Führungskräften dagegen als Strategie. Der Sun-Chef brauche für eine Neuausrichtung des Unternehmens die Mithilfe von neuen Topleuten, heißt es in der Branche. Nachdem das Unternehmen insbesondere in wichtigen Marktsegmenten wie Telekommunika-tion und Internet-Handel erhebliche Einbrüche erleben musste, hat McNealy offensichtlich gehandelt. Er soll in den vergangenen Wochen alle Manager der obersten Führungsriege angesprochen haben, um sie darauf zu verpflichten, dem Unternehmen in den kommenden fünf Jahren die Treue zu halten. Wer dies nicht könne, solle lieber gehen.

McNealys Aufgabe wird es sein, Microsofts .NET- und IBMs Web-Services-Strategie mit einem eigenen Konzept zu kontern. Außerdem wird er die Hardwarelastigkeit seines Unternehmens - rund 70 Prozent der Umsätze entfallen auf den Verkauf von Rechnern - nolens volens abmildern müssen. Gleichzeitig sollte er die zuletzt erheblich eingebrochenen Verkaufszahlen bei Servern wieder anheben.

Um diese Neuausrichtung einzuleiten, hat Sun bereits seine "N1"-Strategie bekannt gegeben. Gedacht ist N1 als Konzept aus Hard- und Software. Mit ihm sollen sämtliche Computing-Ressourcen eines Unternehmens vom Tischrechner bis hin zum Unternehmens-Server wie ein einziger großer Computer funktionieren. Offiziell wird die N1-Strategie im Herbst 2002 vorgestellt. Allerdings sollen erste Konzeptteile bereits am 22. Mai 2002 mit Ankündigungen zum "Solaris"-Betriebssystem präsentiert werden. (jm)

Neue GeschäftseinheitSun Microsystems gründet mit Wirkung zum 1. Juli 2002 zwei neue Geschäfts-Organisationen. Jonathan Schwartz wird zukünftig eine Softwaredivision als Executive Vice President leiten. Die neue Organisation vereint sämtliche bereits bestehenden Software-Geschäftsbereiche und -Produktmarken von der Betriebssystem-Umgebung Solaris über die Java-Plattform bis hin zu "Sun One".

Der Bereich Marketing und Geschäftsentwicklung wird von Mark Tolliver in seiner Verantwortung als Executive Vice President, Marketing und Business Development sowie Chief Strategy Officer geführt.