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12.01.1990 - 

Stellenwert der reinen DV-Qualifikation geringer

Auch finanzielle Probleme bei der Personalaquisition

DV-Leiter und die sie unterstützenden Personalbeauftragten haben auf der Arbeitskräfteseite oft Probleme, ihre Abteilung leistungsfähig zu erhalten. Zur Erfüllung dieser Aufgabe stehen den Verantwortlichen die erforderlichen Mittel in unterschiedlichem Maße zur Verfügung; sei es, daß die finanziellen Ausstattungen der Arbeitsplätze variieren oder die Verfügbarkeit von eigenen und externen Ausbildungseinrichtungen unterschiedlich ist. Benachteiligt sind oft Non-Profit-Einrichtungen, beispielsweise der Öffentliche Dienst. Ihnen ist meist ein so enger Besoldungsrahmen vorgegeben, daß konkurrenzfähige Gehaltsangebote an Spitzenkräfte ihn sprengen würden. Die COMPUTERWOCHE fragte: Welche spezifische Nachfrage nach DV-Kräften hat sich bei solchen Einrichtungen herausgebildet, wie wird sie befriedigt, und was wünschen sich die Verantwortlichen künftig vom Arbeitsmarkt?

Die Kommunale Datenzentrale in Osnabrück (KDOS) bietet Rechenzentrumsleistungen für die Kommunalverwaltungen in den Landkreisen Grafschaft Bentheim, Emsland und Osnabrück sowie für die Stadt Osnabrück und das dortige Bischöfliche Generalvikariat. Ihr Leiter Friedhelm Groß kann auf zwei Wegen zu neuen Mitarbeitern kommen: Tarifvertraglich vorgeschrieben ist entweder eine kommunale Ausbildung, also die Inspektorenprüfung, oder ein Informatikstudium.

Diese zweite Gruppe fällt für den Rechenzentrumsleiter fast völlig aus der Wertung. Die Personalabteilung der KDOS muß sich bei ihren Gehaltsangeboten auf den Bundesangestelltentarif beschränken und sieht sich auf der Suche nach höherqualifizierten DV-Fachleuten gleich einer zweifachen Konkurrenz gegenüber: Die freie Wirtschaft bietet, so Groß, letzten Endes immer ein höheres Salär; dazu kommt noch, daß im Norden

der Republik, besonders abseits der Metropolen, insgesamt niedrigere Gehälter als in Bayern oder Baden-Württemberg gezahlt werden.

Fertige Spitzenkräfte stehen Groß so kaum zur Verfügung. Er weiß jedoch zu berichten, daß inzwischen eine Anfrage an den Arbeitgeberverband existiert, ob bei der Ausstattung höherrangiger Positionen nicht von den BAT-Vorgaben abgewichen werden könne.

Die KDOS plant, Bürokommunikationsaufgaben künftig dezentral an den Einsatzstellen abzuwickeln und wird für Einrichtung und Support dieser Anwendungen auch Informatiker benötigen. Wenn sich der finanzielle Spielraum der Personalabteilung jedoch nicht entscheidend vergrößern sollte, wird Groß auch weiterhin höhere Qualifikationen selbst bereitstellen müssen, wie es bisher schon geschieht. "Wir stellen das (kommunalpolitische, Red.) Fachwissen in den Vordergrund und setzen die EDV-Ausbildung oben drauf." Auf diese Weise soll auch der kommende Bedarf an DVlern - etwa zehn Stellenbesetzungen stehen an - gedeckt werden.

Die meisten Umschüler aus der Fort- und Weiterbildungsszene in Osnabrück und Umgebung "kann man vergessen", stellt Groß fest. Sie haben in der Regel weder das Verwaltungsgesamtwissen, welches zur Anwendungsbetreuung notwendig wäre, noch ausreichende Kenntnisse für systemnahe Tätigkeiten. Andererseits berichtet Groß von insgesamt guten Erfahrungen mit Teilnehmern an DV-Umschulungen, besonders, wenn es sich um Akademiker mit naturwissenschaftlichem Background, also häufig um Lehrer, handele.

Erst 1984 hat das Bayerische Staatsministerium der Justiz begonnen, eine DV für die Gerichte und Staatsanwaltschaften in Bayern aufzubauen. Die Softwareentwicklung läuft extern über Softwarehäuser; nur wenige Anwendungen werden mit Hilfe von Standardsoftware erstellt. Besondere beamtenrechtliche Voraussetzungen müssen diejenigen erfüllen, die sich bei Regierungsdirektor Franz Göttlinger, Leiter der bayerischen Justiz-DV, bewerben. Kräfte ohne juristische Vorbildung lassen die Einstellungsvorschriften im DV-Bereich nicht zu. Informatiker könnten meist nur in ein Angestelltenverhältnis übernommen werden; die Verbeamtung ist sehr schwierig. Auch Göttlinger hat das Problem, daß höherqualifizierte DV-Fachkräfte angesichts seines öffentlich-rechtlichen Gehaltsportemonnaies abwinken, obwohl durchaus Bedarf besteht.

Dieser Bedarf muß durch Schulungen gedeckt werden, die Göttlingers Abteilung teilweise in Zusammenarbeit mit Siemens abhält (Im Ministeriumsbereich werden hauptsächlich Sinix-Systeme genutzt). Auch ein vorgeschalteter Eignungstest, der zwar keine DV-Vorkenntnisse, dafür aber logische und kombinatorische Fähigkeiten abprüft, wird von Siemens durchgeführt. Bemerkenswert bei den Auswahlkriterien: Zwar müssen die Bewerber die beamtenrechtlichen Voraussetzungen erfüllen, sie dürfen aber, so Göttlinger, "es mit dem Feierabend nicht so beamtenhaft genau nehmen, daß sie um fünf Uhr den Bleistift fallen lassen oder den Rechner abschalten".

Anwenderschulungen, aber auch die Ausbildung der DV-Mitarbeiter in Softwareentwicklung und Betriebssystemen finden im DV-Schulungszentrum an der Bayerischen Justizschule in Pegnitz statt. Hier stehen auch externe Dozenten zur Verfügung.

Insgesamt ist Franz Göttlinger nicht unzufrieden mit seiner Lage; eine Sache wurmt ihn dennoch: die Abhängigkeit von den Softwarehäusern bei Entwicklung und Support der Anwendungen. Er glaubt, mit einer eigenen Entwicklungsabteilung flexibler auf aktuellen Bedarf reagieren zu können, sieht aber auch die Kehrseite: Schon jetzt hat er, wie alle Arbeitgeber, das Problem, beim Weggang erfahrener Mitarbeiter deren Know-how erneut aufbauen zu müssen. Diese Form der Abhängigkeit, davon ist Göttlinger überzeugt, würde sich potenzieren, wenn er eine hausinterne Entwicklungsabteilung betriebe.

Die Kindernothilfe e.V. in Duisburg betreibt unter der Leitung von Detlef Groß zwei CTM-9032-Maschinen mit insgesamt 56 Arbeitsplätzen. Von den Schreibkräften abgesehen, fährt der Dienstleistungsreferent zweigleisig bei der Auswahl seiner DV-Kräfte: Sachbearbeiter sollen Grundkenntnisse der Datenverarbeitung mitbringen, so daß wir nicht bei Adam und Eva in der DV anfangen müssen", formuliert er die Einstellungsvoraussetzungen. Etwa 75 Prozent der Sachbearbeiter-Tätigkeiten sind reine Anwendungen wie Dataclearing, Datensicherung, Erstellung von Drucklisten sowie Monats- und Jahresabschlüsse. Das verbleibende Viertel umfaßt unterstützende Tätigkeiten für die CTM-Anwender, zum Beispiel besondere Listenerstellungen oder das Management temporärer Dateien.

Für die Ausbildung der Sachbearbeiter sorgt Detlef Groß selbst. Er weist sie in die vorhandenen Generatoren des Datenbanksystems ein und versetzt sie in die Lage, seine Vorgaben zu interpretieren und in die CTM-spezifischen Feldstrukturen und Satzaufbauten umzusetzen.

Die zweite Qualifikationsschiene repräsentieren die Programmierer. Von ihnen erwartet Groß die Beherrschung von Assembler und Cobol für die Programmierung auf den CTM-Maschinen, aber auch fundierte PC-Kenntnisse; die Partner, mit denen die Kindernothilfe Daten austauscht (Hilfsorganisationen vor Ort) arbeiten mit PCs. Wenn die Bewerber keine Programmiererfahrung mitbringen, die Verwaltungsstrukturen einer Organisation wie der Kindernothilfe jedoch gut kennen und daher für geeignet befunden werden, übernimmt Groß die Schulung in den Programmiersprachen und am PC. Alle Aufgaben, für die weitergehende Qualifikationen erforderlich sind also die Systembetreuung, erledigt Groß allein oder in Zusammenarbeit mit CTM.

"20 bis 25 Prozent unter den Bezügen der freien Wirtschaft" liegen die Gehälter der DV-Angestellten bei der Kindernothilfe. Die Zahlungen orientieren sich am BAT, sind aber noch etwas magerer. Auf höher- und hochqualifizierte Fachkräfte muß Detlef Groß deshalb, wie sein Kollege gleichen Familiennamens in Osnabrück, verzichten. Unter den gegebenen und einmal akzeptierten Voraussetzungen kommen akademische Informatiker als Kandidaten für Stellenbesetzungen bei der Kindernothilfe nicht in Frage. Überhaupt ist eine, auch informatikfremde, akademische Ausbildung "für uns kein Kriterium der Bewerberauswahl", stellt der Serviceleiter fest.

Bei Stellenbesetzungen im Programmierbereich kommt es vor, daß Groß sich zwischen einem erfahrenen Programmierer ohne Verwaltungskenntnisse und einem programmierunerfahrenen Kenner von Organisationen wie der seinen entscheiden muß. "Dann nehme ich eher jemanden, der sich unter der Organisation Kindernothilfe etwas vorstellen kann und bringe ihm das Programmieren bei, als umgekehrt", lautet die klare Präferenz von Detlef Groß. Er hat hier gleichwohl mit einem ähnlichen Problem wie Justiz-DV-Leiter Franz Göttlinger zu kämpfen: Von zwölf Programmierern, die er selbst ausgebildet hat, erzählt Groß, sind bisher fünf nach zwei bis drei Jahren wieder abgewandert.

Er sieht das als Indiz dafür, daß seine Kritik am Arbeitsmarkt berechtigt ist: Zu wenig fachübergreifendes Wissen, zu wenige DV-Leute mit Verwaltungswissen, überhaupt mit informatikfremden Qualifikationen, stehen ihm zur Verfügung. Wenn er sie dann ausgebildet hat und sie bei der Kindernothilfe verwaltungsspezifische DV-Erfahrung erwerben konnten, sind sie auch für andere Arbeitgeber attraktiv, die darüber hinaus mehr bieten können.

Detlef Groß' Vorstellungen von einem bedarfsgerechteren Arbeitskräfteangebot gehen folglich in diese Richtung: Rein theoretisches Informatikwissen reicht ihm nicht; seiner Ansicht nach wird eine größere Anzahl von DV-Kräften mit Kenntnissen in Betriebswirtschaft, Steuerrecht und Buchführung überhaupt anwendungsspezifischem Wissen, benötigt.

Aus der Reihe der Non-Profit-Organisationen fällt die Badenwerk AG heraus, gleichwohl kann sich auch DV-Leiter Heinz Wörner "nicht mit der Chemie oder den Banken vergleichen", was die Gehaltsangebote an DV-Fachleute betrifft. Die Qualifikation seiner Mitarbeiter steht auf zwei Säulen: Entweder haben sie eine kaufmännische oder technische Ausbildung, die im Hause spezifiziert wird, oder sie sind Absolventen der Berufsakademie des Landes Baden-Württemberg. Die dortige Ausbildung schließt nach zwei Jahren mit der Prüfung zum Wirtschaftsassistenten oder, nach drei Jahren, mit einer Diplomprüfung zum Betriebswirt ab. Beide Abschlüsse gehen in die Fachrichtung Datenverarbeitung.

Vor diesem Hintergrund bleiben in Wörners Verantwortungsbereich nur wenige Stellen für Informatiker oder andere Akademiker übrig. Ein Hochschul- oder FH-Abschluß wird bei der Badenwerk AG nur von den Sachgebietsleitern erwartet. Folglich ist als Einstellungskriterium neben einer der erwähnten Qualifikationen eine "akademische Ausbildung nicht unbedingt Voraussetzung", stellt Wörner fest.

"Wir beschäftigen über 30 Systemprogrammierer, Organisationsprogrammierer und Systemanalytiker", beschreibt Wörner seine Abteilung. Deren Ausbildung erfolgt größtenteils durch die Hersteller der verwendeten Hard- und Software, aber auch in herstellerneutralen Kursen.

Wörner erwartet eine Verlagerung der Tätigkeitsschwerpunkte seiner Abteilung, unter anderem durch Dezentralisierung von Anwendungen wie Bürokommunikation oder CAD. Im Bürobereich, so berichtet er, ist gerade ein Pilotprojekt abgeschlossen worden. Die DVler beim Badenwerk werden sich künftig erweiterten Anforderungen gegenübersehen. Kombinierte Kenntnisse der Datenverarbeitung und der Betriebswirtschaft fordert Wörner nicht nur von den Mitarbeitern einer neuen Gruppe "Anwenderunterstützung" und steht damit in einer Reihe mit seinen Kollegen in Osnabrück, München und Duisburg. Überhaupt hält Wörner eine Entwicklung zur Qualifikation von DV-Kräften über das reine DV-Wissen hinaus für unverzichtbar und unausweichlich: "Wir gehen davon aus, daß bald der reine EDV-Fachmann nicht mehr den Stellenwert wie in der Vergangenheit haben wird. Gefragt sind auch und gerade betriebswirtschaftliche Kenntnisse", fordert er.

Wenn Wörner Einfluß hätte auf die DV-Ausbildung in der Bundesrepublik, würde er zum einen natürlich diesem Trend folgen; weiterhin hält er die Praxisorientierung der Informatikausbildung, besonders an den Universitäten, bisher für vernachlässigt. "Wenn man Bewerber fragt, welche Programmiersprachen sie beherrschen, nennen sie meist Pascal; Cobol-Kenntnisse sind am Markt dagegen kaum zu bekommen." Um solchen Mißständen abzuhelfen fordert Wörner verbesserte Kommunikationswege zwischen den Ausbildungsstätten einerseits und den Unternehmen als künftigen Arbeitgebern andererseits.

Am Arbeitsmarkt sind derzeit, stellt er fest, "die benötigten Qualifikationen zu den gebotenen finanziellen Konditionen kaum zu bekommen." Stellenausschreibungen brächten in der Regel so gut wie nichts, wenn man erfahrene Leute suche; Anfänger gebe es dagegen "wie Sand am Meer". +