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29.03.1991 - 

Softwarepaket-Bildungen könnten Vereinfachung bringen

Auch in den neunziger Jahren noch gute Chancen für BS2000

29.03.1991

Will man sich als Anwender zum Thema Zukunftsaussichten von BS2000 äußern, so begegnet man zwangsläufig der Frage, ob zentrale Großrechner überhaupt eine Zukunft haben, zumal es sich bei BS2000 um ein proprietäres Betriebssystem handelt. Dennoch ist Joachim Zeiler davon überzeugt, daß das Siemens-Betriebssystem auch in den neunziger Jahren seine Aufgaben als Universalrechner-System erfüllen kann.

Trotz aller gegenläufigen Trendmeldungen, die die Zukunft der Datenverarbeitung im PC sehen, kommen auf den Großrechner zwar "harte Zeiten" zu, aber schon aus Gründen der Datenintegrität wird er als zentraler Datenverwalter auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Um diese Aufgabe bewältigen zu können, muß die Großrechnerwelt jedoch ein sehr viel größeres Maß an Offenheit mitbringen als heute, damit sich die Systeme auch als Rechen- und Datenserver in verteilten DV-Landschaften einsetzen lassen.

Beobachtet man die Entwicklungstendenzen auf dem PC-Markt, insbesondere bei PC-Netzen, so wird deutlich, daß leistungsfähige Server und Diskless-PCs - grob gesagt - den "räumlich verteilten Time-sharing-Systemen der 70er Jahre" sehr ähnlich sind. Vermehrt werden auch leistungsstarke Unix-Rechner als Server in LANs betrieben. Aus Gründen der Datenintegrität erfordern diese aufkommenden Client-Server-Konzepte allerdings bei verteilter Datenhaltung dringend die Implementierung des 2-Phase-Commit für die Transaktionsverarbeitung.

Eine Alternative zwischen dezentraler und zentraler DV gibt es nicht, vielmehr stellt integrierte, verteilte Informationsverarbeitung mit zentralem DV-Management den einzig gangbaren Weg dar. Nur so kann der Untergang im Datensumpf verhindert werden. Um Informationsmüll und damit Desinformation sowie steigende Kosten zu vermeiden, sind unternehmensweite Systeme notwendig, die das globale Daten- und Informations-Management unterstützen beziehungsweise Leistungen und Funktionen hierfür anbieten.

Zusammen mit Transdata kann BS2000 diese Aufgaben und Funktionen erfüllen und hat somit gute Chancen, auch in den 90er Jahren ein System der ersten Wahl zu sein. Für BS2000 spricht auch, daß es sich kontinuierlich vom ursprünglich reinen Time-sharing- zum Universalsystem entwickelt hat, ohne dabei seine Leistungsfähigkeit auf den angestammten Gebieten einzubüßen. Anwender, die sich früh für dieses System entschieden hatten, konnten funktional wie leistungsmäßig wachsen, ohne große Systemwechsel vornehmen zu müssen.

Beispielhaft für dieses evolutionäre Vorgehen ist das Datenbank-System "Sesam". Die seit Mitte der siebziger Jahre verfügbare auf das Siemens-Betriebssystem zugeschnittene Datenbank wurde durch den Transaktions- monitor UTM zu einem DB/DC- System erweitert und schon Anfang der achtziger Jahre um Funktionen der "verteilten DB-Systeme" ergänzt. Mit "Sesam-DCN" konnte der Anwender mit Datenbanken auf verschiedenen Rechnern nicht nur im RZ, sondern auch über größere Entfernungen arbeiten, ohne Programme oder Anwendungen andern zu müssen. Mit Einführung der "verteilten Transaktionsverarbeitung" in UTM und der Implementierung des 2-Phase-Commit schon vor Jahren war eine verteilte Verarbeitung in homogenen Systemen für BS2000-Anwender kein Problem mehr.

Durch die Portierung von UTM auf Sinix-Rechner ist seit einem Jahr auch eine verteilte Verarbeitung zwischen vernetzten BS2000- und Sinix-Rechnern möglich. Weitere Chancen ergeben sich durch die mit Transdata geschaffene Offenheit des Siemens-Systems. So ist es bereits seit Jahren kein Problem mehr, von einem BS2000 Terminal aus CICS-Anwendungen auf IBM-Systemen zu nutzen, wenn eine Verbindung über Transit/Transdata existiert.

Der nicht nur zwischen Siemens-Nixdorf-Systemen schon seit langem über standardisierte Filetransfer-Systeme praktizierte Datenaustausch via Kommunikationsleitungen unterstreicht die Offenheit des Systems und seine Integrierbarkeit in heterogene Systemumgebungen. Die in der Entwicklung befindliche Anwendungs-Koppelung wird die Einbindung des BS2000 in

Multivendor-Landschaften noch weiter verbessern. Außerdem erhöhen sich mit der Freigabe der LAN-Koppelungen auf ISO-Protokoll-Basis, der angekündigten Realisierung der SQL-Schnittstelle für alle DB-Systeme im BS2000 sowie der Architekturen für Client-Server-Konzepte seine künftigen Chancen weiter.

Im jahrelangen Zusammenwirken mit Anwendern sind Werkzeuge für einen weitgehend automatisierten RZ-Betrieb geschaffen worden. Zusammen mit den seit geraumer Zeit angebotenen Geräten für zeit- und ereignisgesteuerte Einbeziehungsweise Ausschaltung der Rechner ist ein kostengünstiger RZ-Betrieb möglich. BS2000 verursacht auch künftig keinen Umstellungsaufwand oder gar Betriebssystem-Wechsel - auch dann nicht, wenn der Anwender neben reinen zentralen TP-Anwendungen auf verteilte Anwendungen oder gar Client-Server-Strukturen umsteigen will. Er kann Anwendungen auch dann problemlos von der Zentrale in eine Niederlassung verlagern oder verteilen, wenn dort eine andere CPU Dienst tut.

Da in den verschiedenen von Siemens angebotenen CPU-Klassen das gleiche Betriebssystem gefahren wird, kann bei Vernetzung mit Transdata und bei Nutzung der Ferneinschalttechniken eine kostengünstige Systemadministration von der Zentrale aus erfolgen. Der Produktionsablauf läßt sich sofort und schnell vom Zentral-RZ auf die Niederlassung übertragen Mit der Einführung des Fujitsu Hardware-Software- Interface (HSI) wurde sichergestellt, daß alle Hardwarekomponenten des Großrechnermarktes an der Kanalschnittstelle des Marktführers bedient werden. Der Anwender hat also die Auswahl unter den verschiedenen Hardware-Entwicklungen.

Für BS2000 als zentrales DV-System spricht auch der im Vergleich zu anderen Großrechnersystemen geringe Personalbedarf in der Systemverwaltung. Dies dokumentiert am augenfälligsten der Umfang der notwendigen Systemliteratur. Der Systemverwalter kann die benötigte Literatur in einem großen Aktenschrank unterbringen. Die Systemadministratoren, die Konkurrenzsysteme betreuen, können von dieser Übersichtlichkeit nur träumen. Ein großer Teil der geschilderten Chancen und Qualitäten des Siemens-Betriebssystems wurde durch jahrelanges Drängen und Mitwirken der Anwenderorganisationen erreicht.

Aus Anwendersicht kritischer zu betrachten ist jedoch die kaufmännisch-strategische Unterstützung dieser Möglichkeiten. So beklagen die Anwendervereine seit langem die ungenügende Präsenz von BS2000 und anderer SNI-Produkten im Wissenschaftsbereich sowie an Universitäten und Fachhochschulen. Dort werden die Meinungsmacher der Zukunft herangebildet.

Die Einbindung des Hochschulbereiches in den "Vertrieb öffentlicher Bereich" und die "Profit-Center"-Betrachtung der einzelnen Vertriebsdivisionen wirken sich hier negativ aus. Der Hochschulbereich kann nie "profitabel" sein, er wirkt sich aber langfristig nutzbringend, weil meinungsbildend für alle Vertriebszweige aus. Der Wissenschaftsvertrieb müßte daher als eine vertriebliche Querschnittsaufgabe betrachtet werden und dem kurzfristigen "Return-of-investment" Denken entzogen sein. Ein weiterer Mangel ist das "Siemens-typische", zur Perfektion getriebene Unbundling der Software. Die funktional richtige Zerlegung des Systems in Module findet sofort ihre Ergänzung in Positionen der Preisliste. Es gibt kaum Paketbildungen.

So einfach die technische Auslagerung einer Anwendung vom Zentralrechner in eine Niederlassung ist, so aufwendig ist die kaufmännische Systemgestaltung. Der Softwarekatalog für den produktiven Ablauf einer DB/DC-Anwendung, die von einem Host-System auf zum Beispiel eine C40 verlagert wird, umfaßt über 20 System- oder systemnahe Produkte.

Allein der Aufwand für die Konsistenzprüfung der Versionen der einzelnen Produkte durch den Systemdienst des Lieferanten müßte eigentlich Kaufleuten zu denken geben. Hier können Softwarepaket-Bildungen wesentliche Vereinfachungen bringen. Es ist unverständlich, warum man für ein Betriebssystem, dessen Anspruch - auch aus der Historie heraus - Dialog ist, die Timesharing-Komponente separat bestellen und vergüten muß. Das gleiche gilt für die Zugriffsmethode DCAM, die Datei-Katalog-Zugriffsbeschleunigung (SCA) und den Performance-Control-Baustein der Systemsteuerung (PCS).

Bei vielen neuen durchaus nutzbringenden systemnahen Modulen wird eine Preiskalkulation durchgeführt, die der "Self-fullfilling Prophecy" entspricht. Der Markt für die Produkte wird zu konservativ eingeschätzt, die resultierende Preisgestaltung a la Profit-Center ist entsprechend hoch und damit der Vertriebserfolg nur bei den Großanwendern - die meist ohne das Produkt nicht auskommen gesichert. Somit bestätigt sich die konservative Markteinschätzung.