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30.07.1999 - 

Fachliteratur/Standpunkte prominenter Vertreter

Auch in der Freeware-Szene streiten sich Realos und Fundis

Von Inge Steutzger* Der im letzten Jahr entstandene Rummel um Freeware vermittelt den Eindruck, daß es sich dabei um ein relativ junges Phänomen handle und daß sich dahinter ein einheitliches Konzept verberge. Der Sammelband "Open Sources" gibt einen ausgezeichneten Überblick über die gar nicht so kurze Geschichte freier Software und die stark voneinander abweichenden Auffassungen ihrer prominentesten Verfechter.

Die Liste der Autoren liest sich wie ein "Who is who" der Freeware-Szene. Entsprechend spiegeln ihre Aufsätze die volle Bandbreite der Debatte um quelloffene Software wieder. Das Spektrum reicht von der kompromißlosen Ablehnung proprietärer Software bis hin zur bloßen Betrachtung freier Software als alternatives Geschäftsmodell.

Als prominenter Vertreter des ersten Standpunkts beschreibt der GNU-Gründer Richard Stallman seine Bemühungen um die Entwicklung eines freien Unix-Systems. Er begann damit bereits 1984 nach der Kündigung seiner Tätigkeit beim Massachusetts Institute of Technology (MIT). Unter dem Dach der Free Software Foundation gedieh dieses Projekt bis zu einem beinahe vollständigen Betriebssystem. Das ehrgeizige Vorhaben zur Programmierung eines Microkernel unter dem Codenamen "Hurd" konnte aber nicht vollendet werden.

In der Zwischenzeit sprang der finnische Student Linus Torvalds mit einem traditionellen, monolithischen Betriebssystem-Kern ein. Für die Architektur seines Kernels wurde Torvalds schon früh vom Betriebssystem-Guru Andrew Tanenbaum attackiert. In seinem Aufsatz rechtfertigt der Linux-Gründer sein Vorgehen und übt scharfe Kritik an Konzepten wie Mach. Die teilweise polemische Auseinandersetzung fand im Usenet statt, ausgewählte Beiträge dieser hitzigen Diskussion sind im Anhang des Buches abgedruckt.

Obwohl er für seine Software die als geschäftsfeindlich geltende GPL wählte, gilt Torvalds im Vergleich zu Stallman als Pragmatiker. Sein Interesse konzentriert sich in erster Linie auf technische Aspekte, während Stallman immer wieder auf dem sozialen Aspekt freier Software beharrt. Ihm geht es beim Begriff Freeware nicht hauptsächlich um die kostenlose Verfügbarkeit, sondern den ungehinderten Zugang zum Quellcode und die uneingeschränkte Möglichkeit zu dessen Weitergabe - "frei" also nicht im Sinne von "Freibier", sondern von "Freiheit".

Deshalb lehnt er die Marketing-Kampagne unter dem Etikett "Open Source" ab, weil sie nur die technische Überlegenheit des offenen Entwicklungsprozesses propagiere. Als Hauptvertreter dieser Richtung sind Bruce Perens von der Linux-Distribution "Debian", Verleger Tim O''Reilly und Eric Raymond vertreten. Letzterer wurde über seinen programmatischen Aufsatz "The Cathedral and the Bazaar" bekannt.

Als Antipoden zum Purismus von Richard Stallman treten Brian Behlendorf vom Entwicklerteam des Web-Servers "Apache", Michael Tiemann von Cygnos Solutions und Bob Young von Red Hat in Erscheinung. Als erfolgreichen Geschäftsleuten der Open-Source-Szene geht es ihnen vor allem darum, zu belegen, daß sich freie Software sehr wohl für die kommerzielle Verwertung eignet. Jeder von ihnen folgt einem etwas anderen Geschäftsmodell und versucht zu differenzieren, in welchen Bereichen sich Freeware besonders gut für gewinnorientierte Aktivitäten eignet.Chris DiBona, Sam Ockman, Mark Stone: Open Sources. Voices from the Open Source Revolution. Sebastopol: O''Reilly 1999. 272 Seiten, 46,21 Mark.

*Inge Steutzger arbeitet als freie Autorin in München.