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24.06.1994

Auch in Europa ist es Zeit fuer den Information-Highway

Das Tandem Clinton/Gore hat sich in bisher nicht dagewesener Weise zum Promotor einer modernen National Information Infrastructure (NII) gemacht. Sie soll in Zukunft allen Amerikanern den Zugang zu Informationen unabhaengig von Zeitpunkt und Ort ermoeglichen, und dies zu akzeptablen Kosten.

Aehnlich wie die weitverzweigten Transport-, Elektrizitaets- oder Telefonnetze soll die Informations-Infrastruktur als notwendige Basis fuer Wirtschaft, Staat und Gesellschaft des 21. Jahrhunderts aufgebaut werden, mit dem klar definierten Ziel, die globale Wettbewerbsfaehigkeit der Amerikaner zu sichern und Millionen neuer Arbeitsplaetze zu schaffen.

Die NII verbindet Industrie, Verwaltungen, Forschungsinstitute, Schulen, Gesundheitseinrichtungen, andere oeffentliche Informations- und Sozialdienstleistungen und nicht zuletzt auch die Privathaushalte in einem breitbandigen, interaktiven Telekommunikations- und Informationsnetzwerk. Sie wird den schnellen Transport von grossen Datenbestaenden ermoeglichen und die Kommunikation von Text, Daten, Bildern und Sprache so selbstverstaendlich machen wie heutzutage das Telefonieren.

Die weltweite Konkurrenz zwischen Unternehmen und Volkswirtschaften wird mit Inkrafttreten des GATT- Nachfolgeabkommens zur World Trade Organization (WTO) ab 1. Januar 1995 schaerfer. Bei der Optimierung von Produktions- und Distributionsprozessen sind Informations- und Kommunikationstechnologien von entscheidender Bedeutung. Rechnergestuetzte, virtuelle Konstruktion und Fertigung komplexer Produkte spart Kosten im Entwicklungssektor. Durch interaktive Verbindungen mit Zulieferern, Kunden und Behoerden koennen grosse Teile der Geschaeftstaetigkeiten elektronisch abgewickelt werden, von der Suche nach den neuesten Patenten bis zum Zahlungsverkehr.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) werden ausgelagerte Aufgaben von Grossunternehmen leichter und kostenguenstiger uebernehmen koennen. Sie werden flexibler und gewinnen Vorteile fuer die internationale Konkurrenz.

Eine preisguenstige NII wird die Verfuegbarkeit wettbewerbsrelevanter Informationen fuer KMUs wesentlich verbessern. Fuer sie ist der Zugang zu Informations- und Kommunikationsressourcen Voraussetzung fuer die Einfuehrung neuer Technologien und Fertigungsverfahren. Dank der NII werden KMUs in Zukunft grosse Informationsbestaende wie Konstruktionsdaten, Produkt- und Testspezifikationen oder Materiallisten an verteilten Standorten online abrufen koennen.

In den USA investiert die Privatindustrie schon heute etwa 50 Milliarden Dollar jaehrlich in die landesweite Telekommunikations- Infrastruktur. Die oeffentliche Hand setzt 1,2 Milliarden Dollar pro Jahr ein. Die insgesamt aufgebrachten Mittel liegen allerdings weit darueber. Fuer die kommenden zehn Jahre veranschlagen Experten Investitionen in Hoehe von 100 bis 200 Milliarden Dollar. Eigentuemer und Betreiber der NII und der private Sektor mit seinen Netzwerken werden als Triebkraefte der Entwicklung erwartet.

Den Anstoss zur Entwicklung der US-amerikanischen Informations- Infrastruktur gab das Computer Systems Policy Project (CSPP), ein Zusammenschluss fuehrender Unternehmen der amerikanischen Computerindustrie. Die Gruppe ist massgeblich an der Konkretisierung und Realisierung der NII beteiligt. Auf staatlicher Seite wurde ein interministerieller Ausschuss der Bundesregierung gebildet. Alle wichtigen Anwendergruppen sind von Anfang an aktiv an dem Vorhaben beteiligt.

Entsprechende Initiativen gingen auch in Deutschland und Europa von den Herstellern und Anwendern von Informationstechnik aus. Im Herbst 1993 hat der Fachverband Informationstechnik im VDMA und ZVEI ein zukunftsweisendes Memorandum vorgelegt. Der europaeische Verband der informationstechnischen Industrie, Eurobit, hat die Notwendigkeit zum Aufbau einer Europaeischen Informations- Infrastruktur (EII) ebenfalls in einem Memorandum dargestellt. Die EU reagiert bereits. Sie hat eine High Level Group mit Vertretern der Informationstechnik eingesetzt, deren Aufgabe es ist, Massnahmen fuer die Entwicklung von Maerkten, Anwendungen, Technologien und Infrastrukturen sowie die Rahmenbedingungen zur Deregulierung zu erarbeiten. Die Expertengruppe wird fuer den EU- Gipfel im Juni auf Korfu einen entsprechenden Bericht vorlegen.

Die EU und die im EWR mit ihr assoziierten Efta-Staaten repraesentieren heute bereits 34 Prozent des Weltmarktes der Informations- und Kommunikationstechniken, nach den USA (37 Prozent) und deutlich vor Japan (16 Prozent). Spaetestens bis zur Erweiterung der EU in zwei Jahren sollten die Voraussetzungen fuer den zuegigen Aufbau einer modernen Informations-Infrastruktur geschaffen sein.

Guenther Moeller, Geschaeftsfuehrer des Fachverbands Informationstechnik im VDMA und ZVEI und Generalsekretaer von Eurobit