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Kombination aus DB, Grafikprogramm und User-Interface stark erweitert


14.09.1990 - 

Auch ohne Farbe bringt Neues Hypercard 2.0 genug Neues

*Martin Christian Hirsch ist Mitarbeiter der in München erscheinenden Zeitschrift "Macwelt".

Farbe "kann" Hypercard zwar immer noch nicht, doch erweitern die neuen Merkmale dieser Kombination aus Datenbank, Grafikprogramm und neuer Benutzeroberfläche den Funktionsumfang von Version 2.0 erheblich: Größere Karten, das gleichzeitige Öffnen mehrerer Stacks und vor allem bessere Druck- und Reportfunktionen. Die Formate Kursiv, Fett oder Unterstreichen sind jetzt möglich.

Die sicherlich größte Einschränkung Hypercards war bisher die begrenzte Kartengröße. Bei komplexeren Applikationeu wurde es oft zu eng, die Karte platzte vor lauter Buttons und Feldern aus allen Nähten.

Besonders beim Wechsel vom kleinen 9-Zoll-Monitor zu einer 21-Zoll-Bildröhre störte es den Mac-Anwender, wenn , er die Kartengröße nicht dem Bildschirm anpassen konnte. Hypercard 2.0 unterstützt Kartengrößen zwischen 64 x 64 Pixeln bis hin zu 1260 x 1260 Pixeln. Aus Gründen der Rechengeschwindigkeit kann die Breite nicht stufenlos, sondern nur in 32er Schritten verändert werden aber das dürfte nur die wenigsten stören. Jeder Stack wird in einem Fenster geöffnet, dessen Größe man über eine Sizebox ändern kann. Diese Box erscheint allerdings erst, nachdem Sie Befehl Shift-E gedrückt haben.

Vergeblich sucht man die Rollbalken an den Fenstergrenzen. Statt dieser erhält man ein sogenanntes "Scroll Window", das vom gleichen Typus ist wie die Toolpalette. Dieses Scroll-Window zeigt die Karte in verkleinerter Form und einen Rahmen, der den aktuellen Fensterausschnitt zeigt. Sie verändern den aktuellen Fensterausschnitt durch Verschieben oder Größenänderung der Rahmen. Im Hintergrund zeigt Hypercard in Echtzeit den neuesten Stand.

Auf dem Bildschirm können nun mehrere Hypercard-Fenster gleichzeitig geöffnet sein, aber immer nur eines pro Stack. Man kann also mit mehreren Stacks gleichzeitig arbeiten, aber leider nie zwei Karten eines Stacks zur selben Zeit sehen. Zwischen den Fenstern wechselt man per Anklicken der Fenster, per Menü ("Next Window" im "Go"-Menü) oder per Tastatur-Shortcut.

Die nächste wichtige Änderung betrifft die Texteingabe. Endlich läßt sich Text innerhalb eines Feldes, Buttons und so weiter in unterschiedlichster Weise formatieren. Satz, Größe und Stil des Zeichensatzes sind frei wähl- und kombinierbar. Das Ändern der Textattribute erfolgt entweder per Tastatur-Shortcut oder über den neuen Menüpunkt "Text Style..." im "Edit"-Menü. Apple hat beim Erscheinen von Hypercard immer wieder gesagt, daß auf die Formatvielfalt deshalb verzichtet wurde, weil die Verarbeitungsgeschwindigkeit akzeptabel bleiben soll. Und in der Tat ist das Geschwindigkeitsverhalten von Hypercardclones wie Plus und Supercard viel ungünstiger.

Die Hypercardclones sind viel schneller

Betrachtet man sich die Formatierungsmöglichkeiten für Text, so fällt ein ungewöhnliches Attribut auf: "Group". Damit lassen sich innerhalb eines Textes Wörter und Buchstaben zu Gruppen zusammenschließen. Um zu verstehen, welchen Sinn das hat, muß man folgendes wissen: Hypercard 2.0 besitzt einige neue Funktionen, die unter "Hot-Text" zusammengefaßt sind. Klickt der Anwender auf ein "locked"-Textfeld, dann liefert die Funktion "Click-Text" das Wort, das angeklickt wurde, "Click-Line" die Zeile und "Click-Chunk" die Nummer der Buchstaben. Haben sie mehrere Wörter gruppiert, dann liefert "Click-Text" nicht das Wort, auf das geklickt wurde, sondern die gesamte Wortgruppe.

Das Einsatzgebiet dieser drei neuen Funktionen in Kombination mit "grouped"-Text ist gewaltig. Keine wirklichen Hypertext-Applikationen kommen ohne sie aus und auf dem Weg zu den, von Apple-Chef John Sculley in letzter Zeit so sehr bemühten "lnteraktiven Medien" sind sie ebenfalls unerläßlich.

Eine Art Revolution hat sich innerhalb von Hypercard bezüglich der Datenausgabe vollzogen. Zunächst sind da die "Templates" zu nennen. Während man sich bisher mit einer Ausgabemaske (Report-Template) pro Stack zufrieden geben, beziehungsweise rumärgern mußte, kann man nun jede Menge Masken definieren: Adreßaufkleber, Briefköpfe, tabellarische Übersichten, Zusammenfassungen und so weiter. In der "Print Report..."-Dialogbox wird einfach angegeben, was mit welchem Template gedruckt werden soll - fertig. Derartige Templates lassen sich per Cut/ Copy/Paste auch beliebig zwischen Stacks austauschen.

Endlich gibt es auch die Option per Hypertalk oder Menü einzelne Felder (inclusive Formatierung) und Kartenbereiche selektiv auszudrucken. Dazu gibt man in einem Hypertalk-Aufruf lediglich linke obere und rechte untere Ecke des auszudruckenden Abschnitts an. Ein sauberer Pixelausdruck ist die Folge. Für alle, die Grafiken in Hypercard erstellen, ist dies, neben der Möglichkeit bestimmte Scriptbereiche auszudrucken, eine wirklich hilfreiche Funktion.

Die Dialogboxen zum Drukken von Stacks, Reports und Feldern wurden komplett neu gestaltet. Es handelt sich nun um verschiebbare Fenster, die auch Menüzugriff erlauben und über eine Menge neuer Funktionen verfügen.

Navigator-Palette einstweilen rudimentär

Das Erstellen eigener Icons haben die Programmierer bei Hypercard 2.0 vereinfacht. Der Icon-Editor wurde komplett überarbeitet und hat ab jetzt eine eigene Menüleiste. Über diese lassen sich Icons aus anderen Files laden, Masken löschen, investieren und "angrauen". Sie können Bildteile an horizontalen und vertikalen Achsen spiegeln, Schattierungen anbringen, Rahmungen vornehmen, Rotieren und einiges mehr. Besonders interessant ist die Pickup-Funktion. Ruft man sie auf, erhält man einen 32x32-Pixel-Rechteck als Cursor, mit dem man nun auf den Bildschirmabschnitt zielt, den man gerne als Icon hätte. Mausklick genügt - fertig ist das Icon. Neben der oben erwähnten Scroll-Palette findet sich noch eine neue Palette namens "Navigator".

Macintosh-Enthusiast horcht jetzt wahrscheinlich auf und denkt an Sculley´s PC-Zukunftsvision "Knowledge Navigator" und in der Tat ist die Namensgleichheit sicherlich kein Zufall. Einstweilen ist die Navigator-Palette sehr rudimentär und entspricht den ersten zehn Einträgen des "Go"-Menüs. Der Navigator erspart also den Weg zum Menü, wenn man sich durch die Karten hangelt.

Interessant ist, daß der Navigator als XCMD ausgelegt ist. Man kann also jederzeit seine eigene Palette, seinen eigenen Navigator einklinken - hier sind in näherer Zukunft sicherlich interessante Entwicklungen zu erwarten!

Erweiterte XCMDs sorgen für Flexibilität

Das XCMD-Interface von Hypercard wurde komplett überarbeitet, in erster Linie die Kommunikation zwischen "XCMD-Fenster" und Hypertalk. Besonders interessant dürfte "Pictures" sein. Mit ihm lassen sich Farb- und Graustufenbilder öffnen und Mausklicks, die der Anwender auf einem solchen Bild tätigt, verwalten. Es ist ab jetzt also möglich, über Hypercard eine Farbbilddatei zu verwalten und mit den Farbbildern zu arbeiten.

Das verbesserte XCMD-Interface wird für die Zukunft von Hypercard von entscheidender Bedeutung sein. Diese "Software-Slots" erlauben ein Höchstmaß an Flexibilität bei der Einbindung externer Programme in Hypercard - der neue Scripteditor und Debugger sind zwei Beispiele für die Nützlichkeit dieser "Schnittstelle".

Was wäre Hypercard ohne Hypertalk - und natürlich hat sich auch hier vieles verändert. Eine Unmenge neuer Funktionen unterstützt alle neuen Hypercard-Möglichkeiten, von großen Karten, gleichzeitig geöffneten Stacks, Hot-Text, Schriftformaten innerhalb eines Feldes und so weiter. Doch damit nicht genug. Endlich lassen sich mit Hypertalk eigene Menüs definieren und verwalten, was die Übersichtlichkeit von Hypercard-Applikationen beträchtlich erhöht. Doch nicht nur der Funktionsumfang ist gewachsen.

Das Programmieren geht auch aus zwei anderen Gründen noch einfacher als bisher: Es gibt nämlich ab sofort in Hypercard einen besseren Editor und einen hilfreichen Debugger. Der Editor wurde um Funktionen wie horizontales Scrollen, Suchen und Ersetzen, Zeilen selektieren durch Dreifachklick und größere Zeilenbreiten erweitert. Auch können nun mehrere Scripts gleichzeitig geöffnet sein. Durch Option-Mausklick läßt sich ein "Checkpoint" setzen. Dieser entspricht den "Breakpoints" anderer Programmierumgebungen und wurde nur aus Rücksicht auf die Programmierlaien anders genannt. Kommt das Programm an einem solchen Checkpoint an, hält es, zeigt die aktuelle Zeile und nun bleibt die Programmkontrolle dem Anwender überlassen. Er kann zeilenweise weiter machen, sich Variablen mit dem "Variable Watched (eigenes Fenster) oder Hyperscript-Messages im "Message Watcher" (ebenfalls eigenes Fenster) anschauen.

Man sieht also wirklich Hypertalk beim Arbeiten zu und sieht sofort, wenn was falsch läuft. Editor und Debugger sind als XCMDs installiert, lassen sich also jederzeit durch Produkte von Drittherstellern ersetzen - auch hier wird sich in nächster Zeit einiges tun.

Und noch etwas ist neu an Hypertalk: Endlich gibt es einen eigenen Compiler. Ruft man ein Script zum ersten Mal auf, wird es compiliert, mit einem Handler versehen und ins RAM gelegt. Dort steht es dann ab sofort in fertig compilierter Form zur Verfügung. Nach Programmschluß wird der Speicher einfach gelöscht.

Zeichentools, Sound und vieles andere mehr

Aus der Fülle weiterer neuer Funktionen seien im folgenden nur noch ein paar wichtige angedeutet. Es gibt neue Zeichenwerkzeuge zum Rotieren, Abschrägen und perspektivischen Verzerren von Zeichnungen. jede Karte kann mit einem "marked" versehen und dann sehr schnell selektiert werden - da freut sich der Datenbankspezialist. Felder von Hintergrund und Karte lassen sich über "don´t search" von den Suchbefehlen ausnehmen das Suchen wird in Zukunft also noch schneller gehn. Frage- und Antwort-Boxen dürfen nun Strings mit einer Länge von 240 Zeichen haben - somit bricht das Ende der verstümmelten Hypercard-Kommunikation an. Das Filemanagement von Hypercard unterstützt ab sofort mehr als 30 aktuelle Directories und MFS-Formate. Für Leute, die von visuellen Effekten nicht genug haben "können, gibt es zwei neue Überblendeffekte, Stretch und Shrink, die Namen sprechen hoffentlich für sich. Und auch die Soundfetischisten dürfen sich freuen: Ab sofort unterstützt Hypercard SND1- und SND2-Formate.

Bei derart vielen Neuerungen bleibt natürlich nur noch eine Frage: Wie steht es mit der Kompatibilität mit bisherigen Stacks? - Denn Hypercard 2.0 hat ein völlig neues Datenformat. Alte Stacks lassen sich als "read only" laden, müssen aber erst im neuen Format erneut auf Platte geschrieben werden, wenn man an dem Stack irgend- etwas verändern will. Derartige Formatüberführungen sind irreversibel - legen Sie sich also bitte eine Sicherungskopie Ihres Stacks an. Die Überarbeitung der XCMDs und das veränderte Datenformat geht leider soweit, daß, laut Apple, jene XCMDs Schwierigkeiten bekommen werden, die auf Low-level-Ebene mit dem Speicher kommunizieren.