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18.10.2002 - 

EDS-Ausblick stellt bisherige Prognosen in Frage

Auch Outsourcing ist nicht krisenfest

MÜNCHEN (sp) - Die unerwartete Gewinnwarnung von Electronic Data Systems (EDS) hat gezeigt, dass jetzt auch das Geschäft mit Outsourcing-Services von der Krise im IT-Markt betroffen ist. Allerdings hat EDS nicht nur mit konjunkturellen, sondern auch mit hausgemachten Problemen zu kämpfen.

Der Grund für die drastisch nach unten korrigierten Prognosen liegt dem Unternehmen aus dem texanischen Plano zufolge in der Investitionszurückhaltung bestehender Kunden im Projektgeschäft. "Wir haben damit gerechnet, dass die IT-Ausgaben zurückgehen, aber nicht damit, dass sie völlig versiegen", erklärte Firmenchef Richard Brown. Besonders in Westeuropa liefern die EDS-Töchter schlechte Zahlen ab. Damit steht der US-Dienstleister nicht allein: Laut IDC wird der westeuropäische IT-Services-Markt in diesem Jahr nicht wie bislang angenommen um 9,5 Prozent, sondern nur um 7,5 Prozent zulegen. Die Investment-Banker von Credit Suisse First Boston rechnen sogar nur mit drei Prozent Wachstum.

Krise trifft auch das Outsourcing-Geschäft

Der Auftragsrückgang bei EDS gilt für viele Analysten als Zeichen dafür, dass der Abwärtstrend inzwischen auch den letzten Hoffungsträger der Branche, das Outsourcing-Segment, erfasst hat. Während das Geschäft mit Systemintegration und Beratung schon seit Monaten unter dem allgemeinen Investitionsstau leidet, galt die Auslagerung von Rechenzentren, Kommunikationssystemen und Netzwerken bislang als krisensicher. Angesichts der Möglichkeit, dadurch die IT-Kosten zu senken, konnte die Branche bislang sogar vom Konjunkturrückgang profitieren.

Doch die Gewinnwarnung des Branchenriesen EDS, der mehr als die Hälfte seiner Gesamteinnahmen im Outsourcing-Geschäft erzielt, hat Zweifel geweckt. Dem Konzern machen die Umsatzeinbußen, die ihm durch finanziell angeschlagene Großkunden - etwa den unter Gläubigerschutz stehenden TK-Ausrüster Worldcom - entstanden sind, zu schaffen. "Wenn der Kunde pleite ist, geht der Outsourcer natürlich mit den Bach runter", bringt es Rüdiger Spies, Vice President bei der Metagroup, auf den Punkt.

Zurückhaltung in Westeuropa

Zudem legen immer mehr Kunden ihre Entscheidungen über große Outsourcing-Verträge auf Eis. In den USA und Großbritannien scheint der Markt weitgehend gesättigt. Und auf dem Kontinent haben sich die Unternehmen bislang ohnehin zurückgehalten. Laut Eberhard Schott, Partner bei der Unternehmensberatung Eracom, mangelt es in Westeuropa am Vertrauen in IT-Dienstleister. Die Krise hat diese skeptische Haltung in seinen Augen sogar noch verstärkt. Er beobachte seit der ersten großen Outsourcing-Welle in den 90er Jahren eine Rückbesinnung zu bewährten Herangehensweisen: "Ich habe das Gefühl, dass die vertikale Integration - also ein völlig entgegengesetzter Trend zum Outsourcing - eine Art Renaissance erlebt."

Dabei wächst die Skepsis, ob sich mit Outsourcing tatsächlich immer Einsparungen erzielen lassen. "Ich glaube, viele Firmen, die Bereiche ausgelagert haben, sind frustriert über das, was am Ende dabei herausgekommen ist", so Sebastian Asendorf, Senior Manager bei Helbling Management Consulting. Eine professionell verwaltete IT im eigenen Haus könne sogar billiger sein als ein Outsourcing-Deal.

Bei den IT-Dienstleistern habe sich in den vergangenen Jahren ein Speckgürtel in Form von teurem Personal und ineffizienten Management-Strukturen gebildet - Kosten, die an die Kunden weitergegeben würden. Die von den Anbietern einkalkulierten Gewinnmargen und Risikozuschläge seien nicht zu unterschätzen. Nach Ansicht von Schott lässt sich eine nachweisbare Kostenersparnis durch Outsourcing im Bereich von weitgehend standardisierten Umgebungen - etwa bei der Verwaltung der PC-Landschaft - feststellen. In komplexeren und individuelleren Projekten sei dies jedoch viel schwerer zu realisieren. Dann liege der Nutzen hauptsächlich in einer verbesserten Servicequalität.

Inzwischen gibt auch das EDS-Management zu, den Markt überschätzt zu haben. "Wir hatten eine schnellere Entwicklung erwartet", heißt es bei EDS Deutschland. Zwar rechne der Konzern nach wie vor damit, dass die Nachfrage anziehen wird. "Aber gegen die momentane Krise ist auch dieser Markt nicht immun."

Als Reaktion auf den Umsatzrückgang will EDS seine Strategien überdenken. So wird unter anderem erwogen, sich nicht mehr so stark auf große Abschlüsse mit jahrelangen Laufzeiten zu konzentrieren. Eine kluge Überlegung, meint Berater Schott: Seiner Ansicht nach kann die Komplexität eines Milliardenprojekts dem Anbieter unter Umständen mehr schaden als nützen. "Alle kämpfen bis auf''s Letzte, und der Dienstleister muss ständig Zugeständnisse machen, die sich für ihn erst nach Jahren rechnen", so der Experte.

Megadeals erhalten das Vertrauen

Unter US-amerikanischen Analysten überwiegt dagegen die Meinung, dass EDS vor allem umfangreiche Aufträge wie das wieder in der Schwebe befindliche Acht-Milliarden-Dollar-Projekt für Procter & Gamble an Land ziehen muss, um seine Position zu verbessern - speziell gegenüber dem Marktführer IBM, der darauf hofft, von den schlechten Nachrichten seines Erzrivalen profitieren zu können. Dabei gehe es auch um das Vertrauen potenzieller Kunden. So hätten einige Firmen angekündigt, geplante Verträge mit EDS nur zu unterzeichnen, wenn der Konzern das Procter-&-Gamble-Projekt erhalte (siehe Bericht auf Seite 38).

Berater Schott bezeichnet solche Argumente als "typisch für Analysten und typisch amerikanisch". Seiner Ansicht nach könnte EDS einen Verlust des Procter-&-Gamble-Deals durchaus verkraften. Schließlich stecke der Konzern nicht in einer fundamentalen Krise. "EDS verdient nach wie vor Geld und hat gute Kunden", fasst der Experte zusammen. Auch Spies sieht unter dem Strich keine Gefahr für die Company: "Der Absturz der Aktie war eine Überreaktion seitens der Investoren. Die finanzielle Situation von EDS ist stabil."

EDS-eigene Probleme

Neben dem konjunkturellen Abwärtstrend leidet EDS auch unter hausgemachten Problemen. So ist das schwache Europa-Geschäft nach Ansicht des Metagroup-Experten Rüdiger Spies auch darauf zurückzuführen, dass der IT-Dienstleister mit seiner Struktur eher auf große Abschlüsse ausgelegt sei, die hier weit seltener vorkämen als in den USA. Außerdem habe sich die Company in Europa noch keinen Namen gemacht: "Das Vertrauen in EDS ist vor allem wegen der fehlenden Marketing-Aktivitäten relativ mager", so der Experte. "EDS investiert fast nur in Branding - und das auch nur da, wo das Geld verdient wird: in den USA."

Darüber hinaus plagen den IT-Dienstleister interne Probleme: Laut Spies ist dem Konzern die lückenlose Integration seiner Geschäftsbereiche - von der Beratung über das Projektgeschäft bis hin zum Outsourcing - nicht gelungen. In Deutschland behinderten zudem historisch bedingte Aspekte das Geschäft: Als ehemaliges Rechenzentrum von Opel generiere EDS rund 30 Prozent seiner hiesigen Umsätze aus dem Geschäft mit dem angeschlagenen Autobauer. Zudem habe der Betriebsrat einen großen Einfluss, was sich auf die Mentalität der Mitarbeiter auswirke. Zwischen der Beratungstochter AT Kearney und den anderen EDS-Aktivitäten liegen laut Spies Welten. Auch die Übernahme des Hamburger IT-Dienstleisters Systematics sei nicht gerade erfolgreich verlaufen: "Die Integration hat das Unternehmen sehr viel Kraft gekostet und wird es noch eine ganze Weile belasten."

Abb.1: EDS erwartet drastischen Gewinneinbruch

Im dritten Quartal erwartet EDS statt 374 Millionen Dollar nur noch einen Nettogewinn von 58 bis 74 Millionen Dollar und einen Umsatzrückgang um zwei bis fünf Prozent. Auch für die nachfolgenden Quartale sei mit keiner nenneswerten Besserung zu rechnen. Quelle: EDS

Abb.2: Outsourcing in Deutschland

Der deutsche Outsourcing-Markt ist stärker als der gesamte IT-Services-Markt gewachsen. Der erwartete Boom ist allerdings ausgeblieben. Quelle: Gartner Dataquest