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17.02.1995

Auch SAP hat ein Recht auf Kritik

Dieter Eckbauer

Die deutsche Softwarebranche setzt auf ihren Hoffnungstraeger SAP. Dietmar Hopps und Hasso Plattners einfache, aber geniale Idee, Standard-Anwendungssoftware scheibchenweise zu verpacken (Module), so dass der eigentliche Integrationseffekt erst mit zunehmendem Moduleinsatz eintritt, ist fuer viele Softwaremarketiers zum Mass aller Dinge geworden. Man beneidet die Salamitaktiker Hopp und Plattner um ihre Geschaeftsidee, die ihnen langfristiges Gewinnwachstum garantiert - muessig zu fragen, wer das bezahlen muss. Durch SAP, jubelt Informatikprofessor und SAP- Aufsichtsratsmitglied August-Wilhelm Scheer, habe die deutsche Betriebswirtschaft international wieder an Bedeutung gewonnen.

So wurden die SAP-Produkte R/2 und R/3 zu Paradebeispielen fuer "angewandte" Wirtschaftsinformatik. Ein Magnet fuer Karriereplaner ist die Walldorfer Softwaregoldschmiede obendrein. Am Lack des bundesdeutschen DV-Vorzeigeunternehmens zu kratzen waere in den Augen vieler Nestbeschmutzung. Oeffentliche Kritik hat es denn bisher auch kaum gegeben. Welche Interessen kann also ein Mann wie Karl Schmitz geltend machen, wenn er ein Haar in der SAP-Suppe gefunden haben will? Der Berater weist auf enorme Wartungsprobleme hin, die R/2- und R/3-Anwender zu gewaertigen haetten (Seite 1: Komplexitaet von R/3 ist verhaengnisvoll fuer SAP" und Seite 56: "Warum die Zukunft von SAP schon aufgehoert hat"). Das kann man nicht einfach vom Tisch wischen. Schon einmal haben die Anwender ihr blaues Wunder erlebt, als sie einem Branchenprimus zu lange vertrauten.

SAP-Chef Hopp liefert selbst das Argument, sich eingehend mit den SAP-Perspektiven zu beschaeftigen, wenn er auf Nixdorf und auf die Krise der IBM verweist (Seite 60). Hopps Weggefaehrte Hasso Plattner ist bekannt dafuer, dass er in geschaeftlichen Dingen wie in seinem Hobbysport, dem Segeln, verfaehrt: ehrgeizig bis zum Aeussersten, aber fair - ein Feuerkopf, der die Herausforderung auch in der Auseinandersetzung mit seinen Kritikern sucht. Das Fehlen von Kritik kann nicht als Beweis dafuer gelten, dass SAP frei von Sorgen ist. Im Gegenteil: Es waere boeswillig, SAPs unbestreitbaren Erfolg nicht in Zweifel zu ziehen, sprachlose Anbetung das Schlimmste, was Plattner passieren koennte.

Die SAP hat ein Recht auf konstruktive, faire Kritik - und wenn sie sich allein auf das kluge Verkaeufermotto "Nur zufriedene Anwender sind gute Kunden" stuetzen wuerde. Es geht jedoch um mehr. In der SAP-Anwendungssoftware tickt eine Zeitbombe. Noch kann sie entschaerft werden. Es waere blauaeugig, sich dabei auf das Topmanagement zu verlassen, obwohl das Thema Standardsoftware in den meisten Unternehmen laengst zur Chefsache geworden ist - als solche ebendort schlecht aufgehoben, wie sich an dem Phaenomen SAP zeigen laesst. Dass einer Standardsoftware betriebsbedingte Veraenderungen nicht gut bekommen, muesste doch gerade diejenigen beunruhigen, die bestimmen, wie etwas im Unternehmen ablaeuft. Nichts davon ist zu spueren. Also sind wieder einmal die DV- Spezialisten gefordert.