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14.08.1998 - 

Satellitennetze/Disaster-Recovery-Pläne und Haftungsverpflichtungen überprüfen

Auch Satelliten sind nicht gegen Ausfall gefeit

Weltumspannend ist das Satellitennetz, das mittlerweile Unternehmen und Privatpersonen ständig neue Formen der Kommunikation offeriert. Nach einer von Frost & Sullivan erhobenen Studie über den Markt für Satellitenkommunikationsanlagen in Europa wurden in stationäre, transportable und mobile Bodenstationen im Jahr 1997 etwa 2,85 Milliarden Dollar investiert. Die Wachstumsraten bewegen sich für die nächsten fünf Jahre zwischen 9,9 und 16,5 Prozent per annum.

Die Satellitenkommunikation gliedert sich in folgende Übertragungsdienste:

Global Voice Communications: Die Schwerpunkte liegen auf der Sprachübertragung und den in der Regel zugeordenten Add-on-Diensten wie Fax, Pagin und Modem-Datenübertragung.

Global Broadband Networking: In diesem Bereich stehen hohe Datenübertragungsraten für unterschiedliche Anwendungszwecke auf dem sogenannten Ka-Band beziehungsweise auch im V-Band innerhalb des 40-Gigahertz-Übertragungsbereichs im Vordergrund. Anwendungen sind die Übertragung von Bild und Sprache für das Fernsehen und breitbandiger Datentransfer innerhalb von Unternehmensnetzen sowie Internet-Provider.

Navigation: Der bekannteste Vertreter dieses Segments ist der Dienst Global Positioning Satellite (GPS). Ursprünglich für die Flottennavigation und -steuerung entworfen, erstrecken sich die Möglichkeiten mittlerweile auch auf nichtprofessionelle Anwendungen. Vor allem die Autoindustrie interessiert sich für GPS, um Fahrzeugführer mit digitalen Stadtplänen ans Ziel zu führen.

Im professionellen Umfeld werden Satellitendienste gern als sicheres Kommunikationsmedium eingesetzt. Wie groß jedoch die Abhängigkeit von einer ausfallsicher funktionierenden Satellitenübertragung und wie anfällig eine Wirtschaft ist, die auf diese Kommunikationsform blind vertraut, lehrt das Beispiel Amerika: Am 19. Mai 1998 legte der Totalausfall des Satelliten "Galaxy IV" einen erheblichen Teil der US-Kommunikation lahm. Zwischen 80 und 90 Prozent der immerhin 40 Millionen Pager-Nutzer erhielten keine Nachrichten mehr. Notfallträger, die den gesamten Einsatzplan über Pager organisierten, mußten auf andere Kommunikationsverfahren ausweichen. Fernsehanstalten und Nachrichtensender wie CBS, Chinese Television Network sowie CNN Airport Network hatten keinen Zugriff auf Informationen vom Reuters News Service. Auch manche Bürger, die mit Kreditkarte bezahlen wollten, bekamen die Abhängigkeit von der Satellitenkommunikation zu spüren. Grund des Ausfalls war ein Hardware-Fehler innerhalb der Computersysteme des Nachrichtensatelliten.

Anwenderunternehmen, die auf die Satellitenkommunikation vertrauen, sollten daraus Konsequenzen ziehen. Von ihren Service-Providern Disaster-Recovery-Pläne zu fordern ist seit dem Galaxy-Ausfall legitim. In der Regel beziehen Provider wiederum Leistungen von Satellitennetzbetreibern.

Besondere Aufmerksamkeit gilt Service Level Agreements, die die notwendige Sicherheit garantieren. Das betrifft insbesondere die Klauseln der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), in denen festgehalten wird, ob ein Ausfall der Übertragung als leicht oder grob fahrlässig zu werten ist und welche Vertragsstrafen greifen. Bei der DeTeMobil als Routing-Organisation von Inmarsat-Diensten sind dies im Standardvertrag beispielsweise bis zu 100000 Mark, wenn Sach- und Vermögensschäden aus leichter Fahrlässigkeit entstanden sind.

Die Anbieter legen allerdings ihr Pläne ungern offen, weil dieses Thema sicherheitsrelevante Aspekte birgt, die weniger für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Dennoch soll hier der Versuch unternommen werden, einen kleinen Einblick zu verschaffen. Ein gewisses Maß an Sicherheit bieten bei vielen Diensten bereits die Ausleuchtzonen und deren Überdeckung, denn häufig überschneiden sich die Versorgungsgebiete der Satelliten weiträumig. Bei einem Ausfall eines einzelnen Trabanten sind jedoch entweder die Antennen der Gateways neu zu positionieren oder einer der verbleibenden Satelliten entsprechend neu auszurichten.

Die Newcomer Iridium, Globalsat und ICO stehen in den Startlöchern und werden mit Satellitentelefonie und Datenübertragungen bis 9,6 kbps auf den Markt kommen. Die Ausfallsicherheit ihrer Systeme wollen sie folgendermaßen garantieren:

Iridium, deren hiesige Niederlassung eine 100prozentige Otelo-Tochter ist, bietet ab Herbst weltweit Satellitentelefonie sowie Pager- und Modemübertragung an. Die bereits vollständig positionierten 66 Satelliten sind auf sechs Erdumlaufbahnen im Low Earth Orbit (LEO) eingeklinkt und über sogenannte Intersatellite Links (ISL, siehe Seite 41) verbunden. Je Bahn hat Iridium einen Ersatzsatellit im Orbit ,geparktÈ, der innerhalb von 48 Stunden einsatzbereit sein soll. Durch entsprechend übergreifende Ausleuchtzonen können jedoch die restlichen Satelliten übergangsweise die volle Kommunikation übernehmen. Die für Iridium-Dienste benötigten Bodenstationen beziehungsweise Gateways (weltweit zwölf Stück) sind in einem Backbone mindestens doppelt ausgeführt und teils auch dreifach vorhanden.

Globalsat will mit seinen Services Mitte 1999 starten. Insgesamt sind 56 Satelliten in acht unterschiedlichen LEO-Umlaufbahnen geplant. Im Endausbau sollen rund hundert regionale Gateways aufgebaut werden. Derzeit sind bereits vier fertiggestellt und weitere 34 im Bau. Auch Globalstar betreibt einen Ersatztsatelliten pro Umlaufbahn, der für Ausfälle bereitsteht. Weitergehende Informationen über Sicherungsmechanismen sind bis dato nicht bekannt.

ICO ist ein Satellitensystem im Medium Earth Orbit (MEO), das bis zum zweiten Quartal 2000 in Betrieb gehen soll. In diesem Satellitensystem kooperieren 57 Investoren aus 51 Ländern, darunter vor allem internationale Telekommunikationsunternehmen wie Inmarsat. Auch hier liegen noch keine Informationen hinsichtlich Disaster-Recovery vor.

Inmarsat betreibt in der dritten Generation vier geostationäre Satelliten zur Ausleuchtung der Erdoberfläche, wobei sich die Ausleuchtzonen weiträumig überschneiden. Bei Ausfall eines Satelliten können die benachbarten Trabanten dessen Aufgaben übernehmen. Bei einem Totalausfall würden die Satelliten der zweiten Generation wieder aktiviert. Fragen nach Details zu Reaktivierungszeiten der Backup-Satelliten sowie zu entsprechenden Service-Level-Vereinbarungen wurden von der Inmarsat-Zentrale leider nicht beantwortet. Auch die DeTeMobil, Inmarsat-Anbieter in Deutschland, offeriert keine spezielle Service Level Agreements.

Eutelsat unterhält derzeit elf Satelliten und wird bis Mitte des Jahres 2000 das Netz um sieben weitere Satelliten erweitern. Laut Anbieter sind Disaster-Recovery-Pläne vorhanden. Über Details und entsprechende Service-Levels liegen mit Hinweis auf Sicherheitsaspekte keine Angaben vor.

Das Angebotspaket von Intelsat umfaßt eine 99,99prozentige Service-Verfügbarkeit, basierend auf derzeit 19 Satelliten, und unterschiedliche Dienste wie Long-Distance-Telefonie sowie Datenübertragungsdienste für Fluggesellschaften, Banken und andere multinationale Unternehmen mit Datenübertragungsraten von maximal 155 Mbit/s. Das Intelsat-Design setzt beim Disaster Recovery auf On-Board-Computer. Ein Control-Center ist rund um die Uhr besetzt. Ein zusätzlicher Bereitschaftsdienst übernimmt den technischen Support für Home-Office-Workstations beziehungsweise mobile Workstations. Die jeweilige Satellitenkapazität wird nicht vollständig ausgelastet, so daß bei einem Ausfall der benachbarte Satellit die Aufgaben übernimmt. Ausfallzeiten erstrecken sich auf wenige Minuten (satellite payload component failure) bis maximal einige Stunden (repointing of antenna and satellite payload reconfiguration).

Unternehmen, die auf die Satellitenkommunikation bauen und vertrauen, sollten ihrem Provider folgende Fragen stellen:

Bietet er entsprechende Fall-Back-Szenarien bei Ausfall von Satellitenübertragungen (gleich welcher Art)?

Schließen die Verträge spezielle Service-Level bezüglich der Verfügbarkeit der Satellitenübertragung ein?

Gab es bereits Ausfälle der Satellitenübertragung? Wenn ja: Innerhalb welcher Zeit wurden die Probleme gelöst?

Die genannten Beispiele zeigen die Bedeutung des Disaster-Recovery. Anwender sollten prüfen, welcher Schaden etwa bei einem einwöchigen Ausfall entsteht und in welcher Relation der Verlust zu den Haftungsbeträgen des Vertragspartners steht.

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Eines der häufigsten Argumente, das Anbieter von Satellitendiensten zur Vermarktung bemühen, ist das der Ausfallsicherheit. Doch ein junges Beispiel aus Amerika läßt aufhorchen. Im Mai beraubte der Totalausfall eines Satelliten rund 80 Prozent der Pager-Nutzer ihrer Kommunikationsmöglichkeit. Grund genug für Anwender, die Disaster-Recovery-Pläne ihrer Service-Provider genau unter die Lupe zu nehmen. Dabei gilt es, sowohl das Boden- als auch das Raumsegment zu betrachten.

Wolfgang Rensky aus Essen ist freier Journalist für Themenschwerpunkte Telekommunikation und Call-Center.