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09.09.2008

Auch sd&m kommt ums SAP-Geschäft nicht herum

Capgemini führt seine Tochter sd&m mit seiner SAP-Einheit zusammen.

Von Sabine Prehl*

Der IT-Dienstleister Capgemini integriert seine Tochtergesellschaft sd&m: Ab dem 1. Oktober 2008 firmieren die 1700 Mitarbeiter von sd&m und die 250 Beschäftigten des Capgemini-Geschäftsbereichs "Business Solutions" unter der gemeinsamen Marke "Capgemini sd&m". Bislang war das Software- und Beratungshaus als eigenständiges Unternehmen am Markt aufgetreten.

Hintergrund dieser Maßnahme ist eine Neuausrichtung des Serviceportfolios: sd&m soll künftig nicht mehr nur in seinem angestammten Geschäft - der Entwicklung von Individualsoftware plus entsprechender Beratung - aktiv sein, sondern auch SAP-Implementierungen sowie hybride Modelle aus Individual- und Standardsoftware anbieten. Die steigende Nachfrage nach solchen Modellen war der Hauptgrund für die Integration in Capgemini, erläutert Edmund Küpper, Vorstandsvorsitzender von sd&m: "In den mehr als 25 Jahren, die wir mittlerweile im deutschen und Schweizer Markt unterwegs sind, haben wir uns bewusst ein scharfes Profil im Bereich Individualsoftware-Entwicklung, Software-Engineering und der entsprechenden IT-Beratung erarbeitet, auf das wir auch immer sehr stolz waren." Doch die Zeiten hätten sich geändert: "Individuelle Projekte werden heutzutage nicht immer komplett neu entwickelt, sondern zunehmend mit Hilfe von großen Integrationsplattformen wie SAP Netweaver aus Standardmodulen gebaut", so der Firmenchef.

sd&m habe hierfür zwar das erforderliche Software-Engineering- und Architektur-Know-how, aber nicht die passende Einstellung: "SAP war für uns immer ein Feind, der seinen Kunden Standardsoftware ans Herz legt, während wir den Einsatz von Individuallösungen propagierten", erläutert Küpper. "Deshalb war das SAP-Thema auch in der Consulting-Einheit von Capgemini angesiedelt." Mittlerweile sei dieses Feindbild überholt. Allerdings sei es schwierig, ein 25 Jahre gepflegtes Profil über Bord zu werfen. Und da es zudem wenig Sinn habe, mit dem eigenen Mutterkonzern zu konkurrieren, sei es eine logische Konsequenz, die beiden Einheiten zusammenzuführen:

Hinzu kommt, dass sich sd&m stärker für den globalen Wettbewerb rüsten will. "Wir brauchen dringend Offshore-Kapazitäten", so Küpper. Hintergrund sei der anhaltende Fachkräftemangel: "Angesichts unseres hohen Qualitätsanspruchs konnten wir in diesem Jahr nicht so viele Mitarbeiter einstellen, wie wir wollten. Und dieses Problem wird sich in den nächsten Jahren eher noch verschärfen." Auch der Preisdruck werde angesichts der konjunkturellen Abschwächung wieder zunehmen. Daher müsse sd&m Offshore-Komponenten einbinden, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Viele Kunden forderten auch explizit, dass das Unternehmen seine diesbezüglichen Kapazitäten ausbaue, um die dadurch erzielten Preisvorteile weitergeben zu können. Derzeit beschäftigt sd&m in Indien rund 70 und in Polen mehr als 200 Mitarbeiter. Als hundertprozentige Tochter von Capgemini soll sd&m nun verstärkt auf die umfangreichen Offshore- und Nearshore-Ressourcen der Mutter zugreifen.

Überschneidungen zwischen den zusammengelegten Bereichen sd&m und Capgemini Business Solutions gibt es kaum, so dass keine personellen Maßnahmen erforderlich werden. Völlig reibungslos wird die Zusammenführung aber wohl nicht verlaufen, räumt der Firmenchef ein: "Bei sd&m herrscht immer noch eine gewisse Campus-Atmosphäre, das passt nicht so gut zu den Unternehmensberatern von Capgemini." Aber die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, sei groß.

Nicht nur die Zusammenarbeit werde durch den Auftritt mit einer einheitlichen Visitenkarte einfacher. Auch die Kunden könnten davon profitieren, meint der Manager: "Durch den gemeinsamen Namen wird das gesamte Angebot der Capgemini-Gruppe glaubwürdiger." Sorgen, dass die Integration dem Image von sd&m als Entwickler von hochwertiger Individualsoftware schaden könnte, macht sich der Manager nicht. "Die Marke wurde über Jahre hinweg von Menschen geprägt. Und an den Menschen ändert sich ja nichts." Er sei voller Hoffnung, dass das gute Image von sd&m auf die Marke Capgemini übergehen werde: "Capgemini hat ja in Deutschland im technischen Bereich - abgesehen von den SAP-Lösungen - noch gar kein Image, weil hier bislang ausschließlich sd&m tätig war."