Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

Die CW sprach mit SAVE-Vorstand Joachim Zeller


24.01.1992 - 

Auch SNI-Anwender wünschen offene Client-Server-Systeme

Die Leistungsexplosion bei Workstations und PCs hat die klassischen Großrechner in Bedrängnis Gebracht. Welche Notwendigkeit gibt es, Ihrer Ansicht nach, mittel- bis langfristig noch für die Existenz von Mainframes?

Die Notwendigkeit, zur Lösung komplexer EDV-Probleme heute und in Zukunft Großrechner (Mainframes) einzusetzen, ist unter Fachleuten nicht umstritten. Entgegen der öffentlich immer neu und immer heftiger geführten Diskussion über das "Aussterben" der einen oder anderen Rechnerspezies hat sich in der betrieblichen Praxis eines großen Unternehmens heute das folgende Konzept durchgesetzt:

Auf der höchsten Ebene stehen für übergreifende Anwendungen ein oder mehrere Großrechner zur Verfügung. Ebenso selbstverständlich nutzen die Anwender am Arbeitsplatz, auf der untersten Ebene also, einen PC zur individuellen Aufgabenlösung, schwerpunktmäßig für Textverarbeitung, für Tabellenkalkulation und Busineßgrafik, aber auch als "Verbindung" zu den großen Rechnern. Als Basis einer zunehmenden Dezentralisierung (entsprechend der betrieblichen Organisationsform) haben sich auf der mittleren Ebene Abteilungsrechner zur Lösung betriebs- und abteilungsorientierter Aufgaben etabliert. PC-Netze haben ihre Berechtigung meist nur in speziellen Lösungen für kleinere Gruppen.

Die Euphorie über schnell wachsende Verfügbarkeit von Cornputerleistung hat in vielen von uns das Bild verstärkt, die rasante Entwicklung werde bei rasch voranschreitender Dezentralisierung die obere Leistungsebene in der Rechner-Hierarchie überflüssig machen, doch im Gegenteil wachsen die Anforderungen an die Mainframes. Denn nur wenn die Integration der unterschiedlichen Ebene gelingt, kann die betriebliche Informationsverarbeitung ihren Aufgaben gerecht werden.

Bei einem Mainframe-Betriebssystem stehen die sichere und effektive Beherrschung großer Datenmengen, die integrierende Funktion innerhalb eines Netzwerkes (lokal wie weiterverteilt) von Rechnern unterschiedlicher Hersteller und unterschiedlicher Leistung sowie die absolute Funktions- und Datensicherheit am oberen Ende der qualifizierenden Leistungsmerkmale.

Wie stellt sich diesbezüglich für die SAVE die langfristige BS2000-Strategie der SNI dar? Ist sie überzeugend und ausreichend? Sehen Sie die Wünsche der Anwender genügend berücksichtigt?Ebenso wie bei den Betriebssystemen der unteren Rechnerebenen ist - aus Anwendersicht - die Offenheit des BS2000 für ganz unterschiedliche Anwendungssysteme sowie die Kommunikationsfähigkeit mit marktrelevanten Großrechnern mit anderen Betriebssystemen von entscheidender Bedeutung. Im Mainframe-Bereich heißt das auf der einen Seite Nähe zur 1370-Welt, auf der anderen Seite ist ein intensives Gespräch zwischen System-Anbieter, den Anbietern von Anwendungssoftware und vor allem den Anwendern notwendig. Anwender unterschiedlichster Branchen organisieren sich hierzu, ihrer Interessenlage entsprechend, in Anwendervereinigungen. In dieser Beziehung haben die Anwender mit BS2000 besonders gute Erfahrungen gemacht: Die Zusammenarbeit zwischen Siemens-Nixdorf und der Anwendervereinigung SAVE hat sich sehr positiv ausgewirkt. Vertragliche Vereinbarungen sichern Kontinuität und Schutz der Investitionen.

Die ausgeprägte Offenheit des Betriebssystems BS2000 gegenüber allen wichtigen Anwendungssystemen, die Durchgängigkeit über verschiedene Leistungsstufen, die gute Unterstützung und Verbreitung in Europa sowie die steigende Zahl von Softwarehäusern, die für BS2000-Rechner, entwickeln, sind gerade in diesem Investitionsbereich gewichtige Argumente.

Nicht zuletzt ist, besonders im Mainframe-Bereich, für den Anwender die wirtschaftliche Solidität des Lieferanten ein ganz wesentlicher Faktor, geht es doch um recht erhebliche Investitionen. Besonders unter diesem Gesichtspunkt ist die Zahl der möglichen Partner (Anbieter) gerade in der letzten Zeit sicher nicht gewachsen.

Auch Siemens-Nixdorf muß hier erst wieder an die Siemens. Erfolge der vergangenen Jahre anknüpfen, um zu überzeugen.

Welchen praktischen Stellenwert hat, Ihrer Einschätzung nach, "Downsizing" für die BS2000-Anwender? Wird es diskutiert? Wird es versucht? Ist es ein Trend?

Downsizing ist im BS2000 einerseits möglich durch die beachtliche Leistungsbreite der BS2000-Systeme. Anwendungen der Großsysteme können auf den kleinsten Systemen ablaufen, bei gemeinsamer Datenhaltung auf dem größten System (Sesam-DCN, UTM-D). Im Rahmen der Client-Server-Modelle wird andererseits die Funktion der BS2000-Systeme als Server mit Sinix-Client intensiv diskutiert. Erste Anwendungen (OLTP) werden erprobt. Wie schon gesagt, die großen Mainframes Werden weiterhin vonnöten sein, um auch bei Downsizing das Funktionieren der betrieblichen Informationsverarbeitung zu garantieren.

Die Integration verschiedener Systemwelten erfordert Standards, vor allem bei den Schnittstellen, Wie stellt die SAVE sich ein "offenesBS2000" vor? Was existiert bereits davon? Was fehlt?

SAVE hat in Strategiegesprächen mit SNI die im Konzept SIA (system interface for applications) vorgestellten Schnittstellen diskutiert. Mit SIA werden langfristig garantierte Schnittstellen definiert, die die Investitionen der Kunden sichern, Portabilität und Interoperabilität von Anwendungen sowie die Verteilung von Daten ermöglichen. Dabei richtet sich SNI weitgehend nach international vereinbarten oder De-facto-Standards. Während im Bereich Sinix bereits der SPG3-Standard erreicht wurde, sind im BS2000 noch Weiterentwicklungen notwendig, die es dann ermöglichen das BS2000 als ein "Offenes System für Server-Funktionen" in ein Netz heterogener Clients und Server einzubauen. Diese Entwicklungen möchte SAVE beschleunigen.

Leider sind derzeit die internationalen Standards noch nicht so weit entwickelt, wie es sich die Kunden wünschen, so daß viele Hersteller die Entwicklung noch abwarten. Hier sind noch Lücken zu füllen.

Da die SIA-Schnittstellen sich an internationalen Standards orientieren, sollte SNI seinen zu entwickelnden Anwendungssystemen eine Anwendungsarchitektur geben, die eine Wartung auch auf anderen als SNI-Systemplattfomen wirtschaftlich macht.

Die Freiheit in der Wahl der Systemplattfom ist notwendig, damit wir Anwender am Preisverfall der Hardware partizipieren. Jedoch ist diese Freiheit durch Standards nur beschränkt: Die Abhängigkeit derStandardsoftware-Anwender vom Software-Lieferanten bleibt zwangsläufig leider erhalten. Wir beurteilen Sie das Angebot an BS2000-Software? Ist es quantitativ wie qualitativ ausreichend?

Auf der Seite der Software System-Software wie auch Anwendungs-Software - scheint sich im Vergleich zum Vorjahr in den letzten Monaten ein deutlicher Wandel zum Positiven in der Geschäftspolitik von SNI abzuzeichnen: - SNI geht zunehmend mehr und auch engere Verbindungen zu erfolgreichen Software-Herstellern ein, zum Beispiel Oracle bei Datenbanken oder SAP bei Applikationssoftware, Mentor für spezielle Teile von CAD-Anwendungen etc. - SNI öffnet sich zunehmend für Drittsoftware im RZ-Automatisierungsbereich; es mehren sich die Zeichen, daß dies bezüglich der Software-Produktionsumgebung auch nur noch eine Frage der Zeit ist. - Die Basis für Verteilung von Anwendungen im und mit BS2000 wird langsam, aber spürbar breiter und besser; die Anwender hoffen, daß damit das Interesse von Softwarehäusern steigt, auch dieses Feld mit Drittsoftware zu belegen.

Insgesamt bieten sich dem BS2000-Anwender mehr Auswahlmöglichkeiten als früher, wenngleich es weniger sind als auf dem Markt der Unix-Applikationen. Andererseits wird es noch Jahre brauchen, bis Unix-Systeme eine Last fahren können, wie sie ein System wie das BS2000 bewältigt.

Was wünscht sich die SAVE von der SNI? Wie sähe das BS2000 Ihrer Träume aus? Was könnte oder müßte SNI tun, um das Verhältnis zu seinen Kunden optimal zu gestalten?

SAVE wünscht sich von SNI die schnelle und vollständige Umsetzung der im Systemkonzept Festgelegten Schnittstelle, und Strukturen, um alsbald offene Client-Server-Systeme zu realisieren.

Das Traum-BS2000 realisiert alle noch offenen Change-Requests der SAVE-Arbeitskreise, hat Server-Funktion in komplexen IT-Netzen und alle Netzanschlußmöglichkeiten (TCP/IP, OSI, X-25, ISDN, Token Ring, SNA, FDDI, MAN, WAN) mit entsprechenden Netzadministrations-Funktionen. Es gestattet als VM-System neben dem Ablauf mehrerer BS2000-Systeme auch den Ablauf eines Unix-Systems.

Die im Rahmen der Fusions-Wirren zu kurz gekommenen Beziehungen zu den Anwendern/ Kunden müssen intensiv gepflegt werden. Es genügt nicht, daß das Management Entscheidungen trifft. Die Kunden müssen dies sofort erfahren, und die Entscheidungen weltweit einheitlich umgesetzt werden.

SAVE our SNI

Die SNI-Anwendervereinigung SAVE, 1985 aus dem Zusammenschluß der Vereine SCOUT (Siemens Computer User Team) und WASCO (Wissenschaftlichtechnische Anwender von Siemens-Computern e. V. ) entstanden, zählt derzeit etwa 600 Mitglieder. Sie versteht sich als eine echte Interessenvertretung, die nicht nur den Erfahrungsaustausch der SNI-Kunden organisiert, sondern versucht, in Zusammenarbeit mit weiteren zehn europäischen SNI-Anwendervereinen, aktiv Einfluß auf den Gang der Produktentwicklung bei SNI zu nehmen. Unter anderem wurde eine Vereinbarung getroffen, mit der SNI sich verpflichtet, die Systemschnittstellen konsistent zu halten, beziehungsweise nur langsfristig und in Abstimmung mit der SAVE zu ändern.

*SAVE, Otto-Hahn-Ring, 6 8000 München 82