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25.11.1998 - 

Euro-Umstellung/Trotz offenkundiger Vorteile kein Run auf die Einheitswährung

Auch US-Konzerne plagen sich mit dem Euro-Zeitalter

Von Andrea Goder* Am Euro führt kein Weg vorbei. Auch die in Deutschland und Europa operierenden US-Konzerne müssen sich DV-technisch rüsten und ihre Systeme auf die neue Währung umstellen.

Für die europäischen Tochterunternehmen von US-Playern heißt es in den nächsten Jahren Abschied von den vielen europäischen Landeswährungen zu nehmen. Sicherlich ein Vorteil, der allerdings voraussetzt, auch die IT-Systeme umzustellen.

Geradezu als Euro-Musterschüler bei der IT-Umstellung kann dabei United Parcel Service UPS bezeichnet werden. Der weltweit größte Kurier-, Expreß- und Paketdienstleister sieht sich bereits seit mehreren Monaten für die neue Einheitswährung bestens gerüstet - und das nicht nur in Deutschland.

Wichtig war laut Christian Messerschmidt, Euro-Projektleiter bei UPS, die Koordination der verschiedenen Systeme. Neben der rein DV-technischen Umstellung waren beispielsweise die Call-Center und das Finanzwesen in den Umstellungsprozeß zu integrieren.

Für die schon relativ frühzeitigen Umstellungsvorbereitungen gibt es noch einen weiteren Grund. "Da wir fast ausschließlich IT- Eigenentwicklungen einsetzen, mußten wir alle Programmierarbeiten selbst leisten. Es gab keine Zusammenarbeit mit den Herstellern", umreißt Messerschmidt das Aufgabenvolumen.

Bis zu 60 Programmierer arbeiteten im März und April 1998 an der Euro-Kompatibilität der Enterprise-Systeme. In den folgenden Monaten konnte das Unternehmen seinen Kunden in Europa über Fortschritte im Umstellungsprozeß berichten. Informationen zur Euro-Umstellung hält UPS auch unter www.ups.com bereit. Der US-Paketdienstleister, der im vergangenen Jahr weltweit 22,5 Milliarden Dollar Umsatz erwirtschaftete, ließ sich die Umstellung der Systeme laut Messerschmidt europaweit rund zehn Millionen Dollar kosten.

Und so sieht das künftige Angebot für die mehr als 200000 Kunden in den Staaten von Euroland aus: Ab Januar 1999 bietet der US-Paketdienstleister eine Rechnungsstellung auch in Euro an. Unabhängig davon können Kunden bis zur endgültigen Einführung des Euro im Jahr 2001 weiterhin in ihrer jeweiligen nationalen Währung bezahlen. Auch Schecks und Kreditkarten können ab nächstem Jahr in Euro abgerechnet werden.

Das US-Distributionsunternehmen mußte vor allem bei der Zustellung der Sendungen seine Flexibilität unter Beweis stellen. "Hier lag für uns eine besondere Schwierigkeit, da wir elektronische Zustellsysteme einsetzen", erinnert sich Messerschmidt.

Doch das Euro-Projektteam bekam auch die Umstellung der tragbaren Rechner, sogenannter Diads, auf denen Kunden digital unterschreiben, rechtzeitig in den Griff. Mit Beginn der europäischen Währungsunion sind die Paketzusteller in der Lage, bei Nachnahmesendungen Rechnungen in Mark und in Euro auszudrucken.

Noch lange nicht vor dem Abschluß stehen dagegen die Euro-Umstellungsarbeiten bei der Esso AG in Hamburg. In dem zentral gelenkten Projekt gewährleistet die Exxon-Tochter ihren Agenturpartnern in Deutschland eine "gewisse Mindestfunktionalität", so Carsten Wandke, Projekt-Manager für die Euro-Umstellung bei Esso.

Dazu gehört, daß Kunden ab 1999 an den rund 1500 deutschen Tankstellen bargeldlos in Euro bezahlen können. Wie auf europäischer Ebene von den Verbraucherverbänden wiederholt gefordert, weist Esso den Gesamtbetrag auf Tankstellenquittungen und sonstigen Dokumenten zusätzlich in der neuen Währung aus. So erscheint auf Rechnungen, die auf Tankkreditkarten basieren, der Betrag in Euro.

Im nächsten Jahr steht der deutschen Tochter des weltweit größten Mineralölkonzerns mit der Einführung von SAP R/3 dann ein größeres IT-Projekt ins Haus. Erst im Laufe dieser Systemumstellung werden den Tankstellenpartnern sukzessive weitere Euro-Funktionalitäten angeboten, so Wandke weiter.

Wie bei anderen US-Konzernen erforderte die Euro-Umstellung auch bei Esso eine weitsichtige Planung: "Der Hauptaufwand besteht in der hausinternen Koordination des Projekts", macht Wandke deutlich.

Der Euro-Verantwortliche kritisiert vor allem die relativ späte Bekanntgabe wichtiger Euro-relevanter Bestimmungen, beispielsweise zu den Themen Rundung und Umrechnung (Triangulation). Auch die Ankündigung des Gesetzgebers, daß die doppelte Preisauszeichnung doch nicht ab 1999 verpflichtend ist, ließ nach Wandkes Meinung lange auf sich warten.

Bei der Euro-Umstellung hat die US-Muttergesellschaft Exxon von Anfang an eine koordinierende Funktion zwischen der deutschen AG und den europäischen Schwestergesellschaften wahrgenommen. Dies sollte auch gewährleisten, da§ Esso seinen Kunden in den einzelnen europäischen Ländern eine in etwa ähnliche Euro-Funktionalität bereitstellt.

Auch bei der Coca-Cola GmbH in Essen sind die Umstellungs- arbeiten für den Euro angelaufen. In Deutschland wurde für das Währungsprojekt ein Lenkungsausschuß eingerichtet, dessen zwölf Mitglieder aus allen Bereichen der hiesigen Organisation stammen.

"Wir sind weitestgehend Euro-fähig", faßt Axel Bachmann den Status quo zusammen. Als Vertreter der insgesamt neun Konzessionäre oder Franchise-Nehmer koordiniert er neben einem Vertreter der Coca-Cola GmbH und einem Key-Account-Manager das Projekt.

Bei der deutschen Coca-Cola-Tochter ist das Euro-Projekt derzeit eines von vielen DV-Themen: "Es ist nicht so, daß wir den Euro-Prozeß aktiv nach vorne treiben", stellt Bachmann klar. "Unsere Produkte werden in erster Linie gegen Bargeld verkauft." Was wohl heißen soll, daß die Umstellungsarbeiten nicht dem Euro-Fahrplan vorauseilen.

Auf Wunsch können Coca-Cola-Kunden ab dem 1. Januar 1999 Rechnungen auch in Euro erhalten. Die Entscheidung, wann Mitarbeiter ihre Gehälter in der neuen Währung ausgezahlt bekommen, wird in den einzelnen europäischen Staaten allerdings jeweils von den nationalen Niederlassungen getroffen. In Deutschland, wo der US-Getränkeriese 14000 Be- schäftigte hat, wird das nicht vor 2002 sein, wie von der Pressestelle zu erfahren war.

Eigenen Aussagen zufolge konnte die deutsche Coca-Cola-Dependance, mit 6,7 Milliarden Mark Umsatz 1997 auf Platz drei der Nahrungs- und Genußmittelbranche in Deutschland, ihre Umstellungskosten bislang niedrig halten. Der Grund: "Wir passen nur unser Rechnungs- und Buchhaltungssystem an." In den meisten Anwendungsgebieten setzt der Konzern selbstentwickelte Software ein.

Nicht nur das Beispiel Coca-Cola legt den Schluß nahe, daß die reinen Produkthersteller dem Thema Euro-Umstellung eine geringere Bedeutung beimessen als Serviceanbieter. In Sachen Euro lautet jedenfalls bei einer Reihe von US-Konzernen die Devise: Die Schotten dicht! Gut möglich, daß der wahre Grund häufig der ist, daß den Projektverantwortlichen die Zeit davonläuft.

Philip Morris, in Deutschland mit 12,3 Milliarden Mark Umsatz 1997 auf Platz eins in der Sparte Nahrungs- und Genußmittel, hält sich in Sachen Euro-Umstellung bedeckt. "Wir sind mitten in der Implementierungsphase", gibt sich Karel Schweiss, Tax Manager und Manager Special Projects bei Philip Morris, München, nicht gerade auskunftsfreudig.

"Der Euro ist für uns ein Thema, was den Aufwand, nicht was das Timing angeht." Kunden und Lieferanten würden natürlich informiert. Laut Schweiss wird der US-Konzern in Deutschland "extern rechtzeitig Euro-fähig" sein.

Auch der amerikanische Chemieriese Procter & Gamble, der mit über 53 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr 1997 weltweit auf Platz zwei rangiert, läßt sich nicht in die Euro-Karten blicken. In einem (immer noch) aktuellen Statement vom August dieses Jahres begrüßte der US-Konzern zwar die Einführung einer gemeinsamen europäischen Währung. Gleichzeitig heißt es in der Erklärung, daß die geschäftlichen Fragen, mit denen Procter & Gamble konfrontiert werde, vielfältig seien. Im Mittelpunkt stehen dabei Themen wie diese: "Wie können wir eine schnelle und effiziente Anpassung unserer EDV-Systeme gewährleisten? Wann und wie werden unsere Kunden und Zulieferer auf die neue Währung umstellen?"

Einen Vorteil bei der DV-Umstellung sieht Procter & Gamble darin, daß sich durch vereinfachte Systeme und Prozesse Kosten reduzieren lassen. Die für die Währungsumstellung gebildete Projektgruppe arbeitet bislang hinter verschlossenen Türen. "Noch reden wir nicht über die Ergebnisse", verlautete es diesbezüglich aus dem Unternehmen.

Noch restriktiver ist die Informationspolitik des Sportartikelherstellers Nike Deutschland. Die offizielle Sprachregelung ist folgende: "Nach einer Richtlinie des europäischen Hauptquartiers geben wir in den Bereichen, die nicht den Sportbereich betreffen, keine Stellungnahme zum Thema Euro-Umstellung ab."

Geduld verlangt auch die US-Fluggesellschaft Delta Airlines ihren Kunden ab. Das Euro-Umstellungsprojekt werde zentral von London aus gesteuert. Einen Ansprechpartner gebe es in Deutschland zur Zeit nicht, wurde auf Anfrage mitgeteilt.

Ein Brite

Neben US-Konzernen zwingt Europas neue Währung auch die traditionell Euroskeptischen Briten zum Handeln. Daß sich aber auch englische Serviceanbieter nicht so leicht aus dem Rennen werfen lassen, zeigt das Beispiel eines Tochterunternehmens der Avis Autovermietung GmbH & Co. KG mit Sitz im hessischen Oberursel.

"Avis fährt von Beginn an mit dem Euro", ist der jüngsten Pressemitteilung vom November 1998 zu entnehmen. Konkret bedeutet das für den Kunden, ab Januar Rechnungen auch in Euro ausgestellt zu bekommen. Ein weiterer Service, den die Reservierungszentrale des Autovermieters mit Beginn des nächsten Jahrs bietet, sind Tarifauskünfte in Euro. Ermöglicht wurden diese Angebote durch eine Euro-Projektgruppe, die in Bracknell bei London, dem Sitz der Zentrale von Avis Europe, arbeitet. Bereits seit Mitte 1996 laufen von hier aus die Vorbereitungen für die neue Währung.

Daß England nicht von Beginn an den Euro einführt, werde bei der europäischen Muttergesellschaft bedauert, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Ein klares Statement des britischen Autovermieters, der schon seit längerem zu den Vorreitern und Verfechtern einer gemeinsamen europäischen Währung gehört.

Schon seit Anfang der 90er Jahre sammelte Avis Europe mit dem Einsatz des ECU in Unternehmen wichtige Erfahrungen. Diese 1979 eingeführte europäische Rechnungseinheit entspricht etwa dem Wert des künftigen Euro. Um ihre Ergebnisse länderübergreifend transparent zu machen, erstellt Avis Europe schon seit 1991 die Bilanzen sowohl in ECU als auch in Pfund Sterling.

Angeklickt

Noch gilt es, die IT-Systeme auf Vordermann zu bringen. Daß aber eine gemeinsame europäische Währung das aufwendige nationale Umrechnungsprozedere vereinfacht und ab 2001 ganz überflüssig macht, ist insbesondere für die in Europa agierenden amerikanischen Unternehmen von Vorteil. Doch bislang haben erst wenige US-Player ihre Euro-Umstellungsprojekte abgeschlossen. Das Gros der Firmen steckt mitten in der Implementierungsphase.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.