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22.09.1978

Auch User-Groups können nur das Machbare durchsetzen

Mit den Adabas-User-Group-Mitgliedern Lutz Heymer und Peter Faulde sprach Dieter Eckbauer

þChairman wird immer der Beste. Heißt das in bezug auf eine User-Group, daß er - aufgrund persönlicher Erfahrungen - die Schwächen der Hersteller-Produkte am besten kennen sollte?

Heymer: Eine direkte Koppelung zwischen den Erfahrungen und Problemen in der eigenen Firma und der Chairman-Funktion in einer Benutzergruppe, an der mehrere Firmen beteiligt sind, sehe ich nicht.

þUser-Groups werden oft als Pressure-Groups bezeichnet - sind sie im Zweifelsfalle für oder gegen den Hersteller?

Heymer: Wenn ich den "Zweifelsfall" so interpretiere, entweder eigene Vorstellungen aufzugeben und dem Hersteller nicht weh zu tun oder eigene Wünsche durchzusetzen und damit dem Hersteller weh zu tun - dann kann es nur eine Antwort geben: Selbstverständlich ist man nach wie vor auf der Benutzerseite, und als Benutzer hat man ein berechtigtes Interesse, die Erfordernisse der Firma, bei der man angestellt ist, und die sich dort ergebenden Probleme zu lösen.

þKann denn eine User-Group überhaupt die vom Hersteller festgeschriebenen Produkt-Standards im nachhinein ändern ?

Heymer: Es kann nicht die Absicht eines Benutzers sein, Standards zu andern. Er kann allenfalls Verbesserungen am System fordern, wenn er festgestellt hat, daß er bestimmte Fähigkeiten des Systems braucht, um in seiner Anwendung weiterzukommen. Wenn er hier - ohne Vorschläge zu machen, die im Endeffekt auf Änderungen von Standards hinauslaufen - eine berechtigte Chance sieht, und der Hersteller diese Verbesserungen auch realisieren kann, dann ist das ein berechtigtes Anliegen des Benutzers, darauf hinzuwirken, daß das auch tatsächlich gemacht wird.

þWo sehen Sie die Grenze des Machbaren?

Heymer: Ich meine, utopische und nicht sinnvolle Dinge zu verlangen, würde den Benutzer im Endeffekt selbst kompromittieren oder fachlich disqualifizieren.

Faulde: Dafür ist eigentlich so eine Benutzergruppe sinnvoll, daß man miteinander spricht, um herauszubekommen, welches sind denn eigentlich Wünsche, die nicht nur einer alleine hat, sondern die bei mehreren Leuten durch deren Anwendungen entstanden sind.

þAber Standardpakete werden doch angeschafft, weil sie Standard sind und damit vorgeblich problemlos - ist da nicht jede Änderung im nachhinein ein Widerspruch?

Heymer: Ich glaube, daß das nicht immer nur ein im-Nachhinein-Ändern ist, sondern daß man rechtzeitig die Chance hat, Einfluß zu nehmen auf die zukünftige Weiterentwicklung, die von seiten des Herstellers ja an solchen Softwarepaketen vorangetrieben wird.

þSehen Sie nicht die Gefahr, daß der Hersteller eine User-Group deshalb hofiert, weil er in ihr ein Instrument zur Marktbeobachtung sieht?

Heymer: Das ist zu einem gewissen Teil eine berechtigte Frage. Auf der anderen Seite muß man sehen, welche Interessen größeres Gewicht haben. Wenn die Interessen der Benutzer richtig vorgetragen werden und dann auch in dem einen oder anderen Punkt Erfolg haben, kann es dem Benutzer egal sein, ob dieser Vorstoß gleichzeitig einen Rückkoppelungseffekt für den Hersteller hat.

þDaß der Hersteller dadurch ganz beiläufig erfahrt, wo er noch etwas tun muß, um weitere Zundengruppen zu erschließen, verurteilen Sie nicht?

Heymer: Nein, denn im Prinzip bewegen sich doch die Vorstöße der Benutzer auf einem unteren, fachlich detaillierten Level, während der Hersteller darauf aus ist, zu erfahren, was überhaupt vom Markt verlangt wird. Fragen dieser Art, auf die ein Benutzer eventuell eine Antwort geben konnte, sind in dem Moment, in dem er sich für ein Softwarepaket entschieden hat, bereits passé. Denn er gehört einer bestimmten Branche an und hat sich aufgrund der Charakteristik seiner zu lösenden Probleme für etwas entschieden. Ob das dem Anbieter Chancen für eine Marktanalyse bieten kann möchte ich bezweifeln.

þWenn Sie jetzt die Arbeit, diese User-Group zu organisieren, den Ergebnissen gegenüberstellen: Hat sich der Aufwand eigentlich gelohnt?

Heymer: Diese Frage ist schwer zu beantworten. Denn eine User-Group-Tagung - in diesem großen, offiziellen Rahmen wie hier in München - zu arrangieren, macht selbstverständlich einen enormen organisatorischen Aufwand.

Lassen Sie mich die Schwierigkeit den Erfolg von Benutzertreffen zu quantifizieren, an einem Beispiel verdeutlichen: Wir entscheiden uns heute für ein Management-Informationssystem und hinterher wird gesagt, mein Gott, hätten die mir vorher erklärt, was das Realisieren des Informationssystems kostet dann hätten wir die Finger davon gelassen. So eine Kosten-/Nutzenanalyse ist in diesem Bereich eben schwer zu machen.

þWelche Adabas-Verbesserungen sind denn auf die Arbeit der User-Group zurückzuführen?

Heymer: Wir haben in Richtung Dokumentation einmal einen Vorstoß unternommen, weil wir der Ansicht waren, daß diese Dokumentation nicht in allen Punkten den Benutzervorstellungen entsprach. Was wir jetzt geboten bekommen, läßt erkennen, daß die damals angerissenen Gedanken, wie so eine Dokumentation aussehen könnte, wirklich weitestgehend realisiert wurden. Das ist ein Punkt, wo ich einen Teilerfolg sehe. Auf der anderen Seite muß ich sagen, es bleibt jedem einzelnen überlassen, diese Erfolge an der Zahl der Treffen, die wir hatten, zu messen und zu bewerten, ob das gerechtfertigt war oder nicht - wobei ich nicht berücksichtige, daß jeder einzelne ein Stück Erfahrung mitnimmt.

Faulde: Für uns, und wir sind noch nicht lange dabei, ist eigentlich schon Interessant, daß wir gelernt haben, wie Adabas verwendet werden kann. Es werden Erfahrungen ausgetauscht, und das ist eigentlich doch auch ein Erfolg so einer Gruppe.

þNun haben auch andere Datenbanksysteme ihre Fan-Clubs. Glauben Sie, daß ein User noch Auge und Ohr hat, Vergleiche zu ziehen, wenn er erst einmal einem Fan-Club angehört?

Heymer: Man sollte, ja man muß sogar aufgeschlossen sein. Man darf nach außen hin nicht den Eindruck erwecken, man würde sich - weil man einem solchen User-Club angehört - zu fünfzig oder mehr Prozent mit der Philosophie, der Politik oder den sonstigen Aktivitäten des Herstellers identifizieren.

Inwieweit einer rein technisch fixiert ist, weil er eine Umstellung auf ein anderes System aus Kostengründen nicht durchführen kann, ist eine sekundäre Frage. Das liegt in der Verantwortung des Benutzers, welche Vorkehrungen er für einen Wechsel trifft.

Faulde: Ich glaube, da haben Sie ein grundsätzliches Problem angeschnitten. Ob man blind wird gegenüber anderen, das muß man sich bei jedem Kauf eines Softwarepaketes fragen - ob es nun eine

User-Group gibt oder nicht.

Wenn Sie mal ein Paket zur Prognoserechnung für eine Zeitreihenanalyse oder solche Dinge gekauft haben, dann müssen Sie genauso weiterhin den Markt beachten: Vielleicht gibt es da neue Dinge? Was entwickelt sich? Man ist ja mit der Software nicht an jeden Herrn Klein gebunden.

Heymer: Ich glaube, man sollte noch einen Punkt berücksichtigen: Blindheit hat natürlich negativen Anstrich. Das heißt ja, ich habe die berühmten Scheuklappen an, bin auf ein Produkt fixiert und überhaupt nicht mehr flexibel. Auf der anderen Seite glaube ich, daß fälschlicherweise als Blindheit interpretiert wird, was lediglich ein gewisses Maß an Überzeugung des einzelnen Mitarbeiters darstellt, der ein solches Softwarepaket betreut. Ein gewisses Maß an Identifizierung mit dem System muß schon da sein, denn ich kann ja nur dann etwas wirklich sinnvoll und gut tun, wenn ich überzeugt bin, daß es auch das richtige Instrumentarium ist. Das schließt aber nicht aus, daß ich nach außen hin offen bleibe. Dieser Markt ist ja noch in der Entwicklung. Und es kann durchaus sein, daß das eine oder andere System im Laufe der Zeit plötzlich besser wird. Ob das dann dazu führt, daß ich einen Austausch vornehme, das ist dann eine ganz andere Geschichte. Aber offen bleiben muß ich.

þSie beobachten zwar den Markt, aber Sie räumen ein, daß es letztendlich recht schwer ist, von einem eingefahrenen Produkt auf ein anderes zu wechseln. Und insofern kann's Ihnen doch wohl nur recht sein, wenn Sie durch Kollegen-Installationen bestätigt werden. Und da kann ja eine User-Group bei der Meinungsmache nachhelfen.

Heymer: Das ist nicht unbedingt die primäre Zielrichtung. Selbstverständlich ist eine User-Group um so stärker, je mehr Mitglieder sie hat. Es ist auch im Falle eines unabhängigen Softwarehauses für eine Kundengemeinschaft selbstverständlich, ein gewisses Beruhigungspolster zu haben: Hier stehen wirtschaflich soundsoviel Installationen dahinter. Es gab ja eine Zeit - der Markt hat sich etwas beruhigt - in der Softwarehäuser wie die Fliegen gefallen sind. Wenn entsprechend viele Kunden dahinterstehen dann ist das Risiko, daß so etwas (...)siert, zumindest minimiert.

Aber um auf den Teil zurückzukommen, in dem Sie sagten, haben Sie denn überhaupt eine Chance zu wechseln - gerade da sehe ich jetzt eine echte Rückkoppelung zum Sinn einer Benutzergruppe. Wenn ich mich weiterhin am Markt orientiere und gucke, ob ich wechseln muß, weil es etwas Besseres gibt, aber gleichzeitig erkennen muß, daß das für mich mit enormen Kosten und Umstellungsaufwand verbunden sind, dann ist es doch ein legitimes Interesse einer Benutzergruppe, zu versuchen, das gleiche auf dem Weg des geringsten Widerstandes zu erreichen. Das heißt: Versuchen, bei dem Hersteller, auf den ich jetzt "fixiert" bin, das gleiche zu erreichen, was mir das andere System bietet. Und wenn ich das erreicht habe, dann habe ich Kosten und Umstellungsaufwand umgangen - bin aber am gleichen Ziel.