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05.05.1995

Auch wenn das Geld dafuer erst Anfang 1996 fliesst Die Group Bull denkt bereits wieder an "externes Wachstum"

Von CW-Korrespondent Lorenz Winter

Anfang September 1995 tauschen die neuen Teilhaber des Pariser Computerfabrikanten Groupe Bull ihre Bezugsrechte gegen Aktien des Konzerns ein. Dessen Stammkapital verdoppelt sich dadurch etwa, entsprechend halbiert sich der Anteil des Staates. Mehrheitlich in Privatbesitz kommt das Unternehmen aber fruehestens im naechsten Jahr.

Die kurz vor Ostern hastig eingelaeutete erste Privatisierungsrunde fuer Bull (siehe CW Nr. 8 vom 24. Februar 1995, Seite 94) dient offenbar vor allem dem Zweck, das Projekt noch vor der Regierungsumbildung im Mai oder Juni dieses Jahres in Gang zu setzen. In dieser Phase fliessen dem Unternehmen von NEC, Motorola, IPC, Dai Nippon Printing und IBM nicht ganz 600 Millionen Franc an Eigenmitteln zu. Seitens der Mitarbeiter kommen nochmals maximal 85 Millionen Franc dazu. Hingegen wird die Aufstokkung der Quote von France Telecom (siehe Grafik) lediglich auf einen schon frueher geleisteten sogenannten Aktionaersvorschuss angerechnet, bringt Bull bar also nichts. Umgekehrt will NEC seinem langjaehrigen Partner zusaetzlich mit einem Kredit von etwa 450 Millionen Franc beispringen, der zwar Cash-wirksam ist, aber nichts mit der kuenftigen Kapitalquote der Japaner zu tun hat.

Die Summe der Eigenmittelzufluesse waehrend der ersten Privatisierungsphase verdoppelt das bisherige Stammkapital des Konzerns von rund 633 Millionen Franc in etwa und senkt die Staatsquote bei Bull von fast 80 auf 40 Prozent. Einschliesslich des Anteils von France Telecom haelt die oeffentliche Hand jedoch zumindest bis Ende 1995 weiterhin 57 Prozent. Erst danach wuerden Privatinteressen das Unternehmen zu mehr als 51 Prozent beherrschen, erlaeuterte Vorstandvorsitzender Jean-Marie Descarpentries in einem Interview mit der Wirtschaftszeitung "Les Echos". Dabei unterstellt der Bull-Chef insbesondere, dass Motorola seine Option auf weitere sieben Prozent am Kapital des Konzerns Anfang 1996 tatsaechlich ausueben wird. Der oeffentliche Anteil wuerde dann auf 30 bis 32 Prozent zurueckgehen, fuegte der Bull-Chef hinzu, liess jedoch offen, ob France Telecom dabei eingerechnet sei.

In der dritten und letzten Phase, fuer die noch kein Termin bekannt ist, wuerde das Bull-Kapital laut Descarpentries fuer das Boersenpublikum, fuer Anleger aus dem Banken- und Versicherungsmilieu und vor allem fuer weitere Industriepartner geoeffnet, bis der Staatsanteil auf acht bis zehn Prozent geschmolzen sei. Eines stehe dabei fuer ihn heute schon fest, betonte der Vorstandsvorsitzende: Die spaeteren Partner und Investoren wuerden Bull-Aktien "nicht zu den gleichen Konditionen wie die jetzt gewonnenen Teilhaber erwerben koennen". In der ersten Phase duerften die Aktien mit etwa elf Franc bewertet worden sein, als Mindestpreis hatte die aufsichtfuehrende Kommission neun Franc genannt.

Angriffslustig wie stets, behauptete Descarpentries in dem Interview ferner, sobald die Nettoverschuldung des Konzerns durch den jetzigen Zufluss an neuen Eigenmitteln von derzeit 2,9 auf 1,5 Milliarden Franc abgebaut worden sei, koenne man sich sogar wieder "externes Wachstum" leisten. In der Praxis duerfte das freilich eher auf die gemeinsame Ausgruendung bestimmter Taetigkeitsfelder mit den alten und neuen Partnern hinauslaufen. Waehrend der Konzern heute fast saemtliche Aktivitaeten zu 100 Prozent beherrscht, koennte er laut Descarpetries durch Aufnahme von Minderheitsinteressen in die ausgegliederten Bereiche deren Gewicht am Weltmarkt verdoppeln, "ohne dass unsere Aktionaere das auch nur einen Centime kostet".

Den Geschaeftsverlauf des ersten Quartals 1995/96 nannte der Bull- Chef rueckblickend "schwierig". Er halte aber an dem Ziel eines ausgeglichenen Ergebnisses nach Steuern und Konsolidierungsaufwand bis Ende 1995 "unveraendert fest". Sprecher des Konzerns erklaerten den Umsatzrueckgang des ersten Quartals um 10,5 Prozent auf 5,5 Milliarden Franc spaeter mit der derzeitigen Dollar-Schwaeche. Auch wenn dieses Argument zutrifft, steht der Minderverkauf von Bull doch deutlich im Gegensatz zu den Mehreinnahmen seiner wichtigsten Wettbewerber im gleichen Zeitraum.