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05.05.2000 - 

Geo-Daten anstelle von Wandkarten und Klebepunkten

Auf dem Postweg zu einem neuen Filialnetz

MÜNCHEN (uo) - Die Deutsche Post verfügt mit 14000 Standorten über eines der größten Filialnetze Europas. Für die Standortplanung und das Controlling der Filialbezirke setzen die Postler ein eigens entwickeltes geografisches Informationssystem (GIS) ein. Wandkarten, Klebepunkte und Infoblätter sind jetzt schon passé, künftig tut''s der Klick im Intranet.

18 Monate hat es gedauert, bis die Client-Server-Lösung "GIS Postfilialen" im Juli 1999 einsatzfähig war. Das Projekt begann, "als wir uns gefragt haben: Was wissen wir über unser Filialnetz?" ruft sich Axel Stirl, Manager Vertriebssysteme bei der Deutschen Post, ins Gedächtnis. "Unsere Informationen prickelten nicht wirklich; es fehlte der räumliche Bezug unserer betriebswirtschaftlichen Daten." Rund 80 Prozent der betrieblichen Informationen lassen sich laut Stirl durch einen Raumbezug höher qualifizieren, zum Beispiel bei der Frage nach dem Grund für den fehlenden Umsatz einer Filiale. Daten aus ihrem Mikroumfeld, beispielsweise zur Verkehrslage, benachbarten Geschäften und den Einkommensverhältnissen der Bevölkerung, können das Warum klären.

Die Wirtschaftlichkeit des Filialnetzes rangiert jedoch hinter den gesetzlichen Anforderungen, auch hier beweist das Geo-System Gestaltungsqualitäten. Die Postuniversaldienstleistungsverordnung schreibt etwa vor, dass das Vertriebsnetz aus mindestens 12000 Standorten bestehen muss. Weiterhin dürfen die Bürger in zusammenhängend bebauten Gebieten nicht mehr als 2000 Meter bis zu einem stationären Vertriebspunkt gehen müssen. Außerdem verlangt der Infrastrukturauftrag in jeder Gemeinde mit mehr als 4000 Einwohnern eine Poststelle. So deckt eine Filiale zunächst die postalische Grundversorgung ab. Das können laut Stirl auch die Niederlassungen, die sich sich in Einzelhandelsgeschäften befinden.

Neben den eigentlichen Postdienstleistungen bieten die Filialen auch Schreibwaren, Telekommunikationsprodukte und Services der Postbank an.

Die Planung mit dem Geoinformationssystem soll sowohl die Grundversorgung sichern als auch die Wirtschaftlichkeit der Standorte erhöhen. So ist die Anwendung mehr als ein reines Kartensystem. Ihre Grundlage bildet jedoch die Kartenkomponente der Mapinfo Corp. aus Troy, New York. Sie wurde mit Stadtplänen der Marke "Falk" von Mairs Geographischem Verlag, Ostfildern, gefüttert. Zusätzlich verfügt das System über die Funktionskarten der niederländischen Tele Atlas BV, Den Bosch.

In die Karten eingetragen sind sämtliche Postfilialen. Die Mitarbeiter der Standortplanung und Netzsteuerung können Kartenausschnitte bis zu einem Quadratkilometer unter die Lupe nehmen. Um beispielsweise die Entfernung festzustellen, die ein Fußgänger zurücklegen muss, um vom Wohnhaus zur Postfiliale zu gelangen, können sie durch die digitalen Straßen und Wege navigieren. So lässt sich feststellen, ob die Distanz von 2000 Metern überschritten wird. Dieses Routing entspricht den Navigationshilfen, die Autofahrer durch fremde Städte führen.

Mit Hilfe der Karten lässt sich auch eine Über- oder Unterversorgung mit Vertriebspunkten feststellen. Zusätzlich kann der Filialnetzplaner Einzugsgebiete definieren und eventuelle Überschneidungen erkennen.

Um den Nutzen der räumlichen Informationen zu erhöhen, fließen in das Informationssystem auch soziodemografische Daten von der Microm International GmbH, Walldorf, und von der Pan-Adress Direktmarketing GmbH, Planegg, ein. Dazu kommen Informationen über die Mitbewerber, wie sie zum Beispiel die Baufeld & Partner Gruppe, Langenfeld, liefert. Die Postplaner erhalten damit etwa Auskunft über die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte, die sich im Umkreis einer Postfiliale befinden, was diese auf wie viel Verkaufsfläche anbieten, ob sie Konkurrenzprodukte offerieren oder eventuell eine Postagentur aufnehmen können. Sollte Letzteres der Fall sein, kann der Postsachbearbeiter per Mausklick in einen Word-Standardbrief wechseln, um dem Geschäft sogleich ein Angebot zu unterbreiten.

Doch nicht nur Fremddaten gelangen in das GIS-System. Es wird auch mit Kennzahlen aus dem hauseigenen Data Warehouse gespeist. Letztlich soll die GIS-Anwendung nur noch eine unter vielen Data-Warehouse-Funktionen der Post sein.

Zur Zeit ist die zur Applikation gehörige Oracle-Datenbank mit rund 12 GB gefüllt. Standortplaner an rund 40 NT-Clients in der Bonner Zentrale und in 25 Niederlassungen greifen darauf zu. Sie nutzen dabei zwei NT-Server im Rechenzentrum Augsburg, die auf Compaq-Proliant-Rechnern installiert sind. Die Filialstrategen können sowohl den Ist-Zustand der Filialen analysieren als auch Planszenarien durchspielen. Das Kartenmaterial selbst aber liegt als Map-Info-Dateien auf den Client-Festplatten. Der Grund: Die Bandbreite des Postnetzes ist zu schmal, um 6 GB große Datenpakete hin- und herzuschicken.

Mit der Aufbereitung aller Daten und der Programmierung des eigentlichen Handlings, das aus einem Visual-Basic-Programm besteht, beauftragte die Post die IVU Traffic Technologies AG, Berlin. Post-Manager Stirl erläutert, warum ihm keine Standardanwendung genügte: "Software von der Stange deckt die Anforderungen nur zu 60 Prozent ab. Vor allem bleibt die Bedienbarkeit auf der Strecke. Hätten wir Abstriche bei der Benutzerfreundlichkeit gemacht, wäre das ganze Projekt gescheitert."

In erster Linie musste die Komplexität einer Datenbank und die Verknüpfung mit den Karten für die User unsichtbar werden. Die Anwender sehen zum Beispiel eine Art Taschenrechner, mit dem sich sämtliche GIS-Funktionen kombinieren lassen. SQL-Know-how ist damit unnötig. Sie können Ausschnitte heranzoomen und bekommen die Informationen zu einer Filiale, wenn sie den Standort in der Karte anklicken. Zudem lassen sich die Karten auf einer Bildschirmseite in verschiedenen Größen und Rastern aufrufen. Die Informationen sind beliebig detaillierbar: bis zur Anzahl der Postfächer und der Frequentierung von Schaltern. Die Daten werden vom System als Diagramme aufbereitet und können in Standardbriefe oder Excel-Tabellen exportiert werden.

Zur Pflege der Filialdaten in der GIS-Anwendung sind die 246 für den Vertrieb zuständigen Filialbezirksleiter verpflichtet. Sie übernahmen bereits die Verknüpfung der Filialdaten mit geografischen Koordinaten bei der Einrichtung des Systems. Dabei standen ihnen Karten in fünf Zoomstufen zur Verfügung. Via Browser konnten sie die Filialen auf dem Server mit Ortsdaten versehen. Heute erfolgt monatlich ein Update.

Im Gegenzug sollen die Filialbezirksleiter künftig direkt von dem Geo-System profitieren. Laut Stirl sind immerhin 70 Prozent von dessen Informationen vertriebsrelevant. Mit Hilfe von Benutzerprofilen und dem Intranet werden die Vertriebskräfte ab Ende dieses Jahres die für sie interessanten Daten nutzen können, kündigt der Manager an.

Das Intranet-fähige Programm beruht auf einer Java-HTML-Entwicklung, die die IVU vornimmt. Dazu werden Teile der Client-Server-Lösung konvertiert und andere Bestandteile neu erarbeitet. Doch Stirl denkt bereits über weitere Schritte nach: "Man könnte Daten für die Postkunden ins Internet stellen und beispielsweise Abfragen nach Filialen und Öffnungszeiten ermöglichen oder GIS-Funktionen zur Qualifizierung von Mailing-Adressen nutzen."