Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

12.10.1984 - 

Nur acht Jahre vom Tischrechner zum heutigen Arbeitsplatzcomputer:

Auf den Spuren der "kleinen" IBM

Die Geschichte der elektronischen Datenverarbeitung ist kurz - noch kürzer ist jedoch die Geschichte der Kleincomputer, die heute in der IBM-Welt als "Personal Computer" (PC) bezeichnet werden, Kleinrechner sind jedoch nicht mit dem Begriff des PC geboren worden, sie gab es früher schon und hießen bei Big Blue zuerst Tischrechner, dann Bürocomputer - schließlich Personal Computer. Sie haben alle die Charakteristik von kleinen intelligenten Einplatzsystemen.

Wann war denn nun der erste PC auf dem deutschen Markt (hier soll nur die IBM-Welt betrachtet werden)? Der erste IBM PC war der Tischcomputer IBM 5100 aus dem Jahre 1976: Es waren also nur knapp acht Jahre vom Tischrechner IBM 5100 zum damaligen Kaufpreis von 100000 Mark, bis zum heutigen IBM-PC zum Kaufpreis von 8000 Mark.

Wie ist es mit der Software für den PC-Bereich? Was ist hier in den letzten Jahren geschehen? Der Fortschritt in der Software-Entwicklung wurde durch so "angenehme" Umstände begleitet wie etwa die Tatsache, daß in dieser Zeit unterschiedliche Betriebssysteme und Rechnertypen Berücksichtigung finden mußten. Das heißt: entwickeln, testen, vermarkten, wieder neu entwickeln. Dabei muß man sich selbstverständlich noch Gedanken über fortschrittliche Softwarestrukturen und Entwicklungsmethoden machen.

Wie verlief nun die Entwicklung der PC (der Kleinrechner) im einzelnen und in welche Fußstapfen der IBM mußten die Softwarehäuser treten? Dazu sind chronologisch die einzelnen Hardwarekomponenten und der Preis für eine jeweils typische Konfiguration aufgeführt. Die Jahreszahlen und Preise beziehen sich auf den deutschen Markt.

Betriebssystem im ROM

In den Vereinigten Staaten war natürlich alles etwas früher da; durchschnittlich um ein Jahr - heute beträgt der Zeitunterschied vielleicht noch einige Wochen. Weiter wird dargestellt, welche Betriebssysteme und welche Programmiersprachen typisch für die jeweilige Zeit waren, in welcher Art die Anwendungsprogramme programmiert wurden und wie sie aussahen. Um ein Gefühl für die Entwicklung der Softwarepreise zu bekommen, wird jeweils beispielhaft der Preis für eine maximale ausgestattete Finanzbuchhaltung angegeben:

1976 - 5100, der erste IBM-Tischcomputer, vier unterschiedliche Hauptspeichergrößen: 16, 32, 48 oder 64 KB. Als externer Datenträger eine Magnetbandkassette, 1/4 Zoll breit (Speicherkapazität rund 200 KB). Der Bildschirm ist integriert und mit 16 Zeilen und 64 Spalten ausgestattet (Kosten: 100 000 Mark).

Die IBM setzt ein eigenes neues Betriebssystem ein. Dieses ist in ROM (Read Only Memory) gespeichert, ebenso die Programmiersprachen APL oder Basic, die jeweils interpretativ ausgeführt werden. IBM ist der Ansicht, daß APL die dominierende Programmiersprache der Kleinrechner wird, und zwar aufgrund der Einfachheit und der Mächtigkeit. Die Anwendungsprogramme wurden linear programmiert.

Über Strukturen hat man sich kaum Gedanken gemacht, vor allen Dingen, wenn unter APL programmiert wurde. Die ersten Programme waren natürlich in APL, weil die IBM ja hier entsprechende Weichen gesetzt hatte. Der Bildschirm war klein die Informationen "rutschten" über den Bildschirm. Dies hat sich inzwischen durch "Scrollen" in Verbindung mit der Windowtechnik geändert. Der Preis für eine Finanzbuchhaltung beträgt rund 11 000 Mark.

1979 - Das Nachfolgesystem der IBM 5100 ist die IBM 5110 (Kaufpreis 80 000 Mark). Hauptneuerung: zwei Diskettenlaufwerke, jeweils 1,2 MB Speicherkapazität. Es steht somit halbdirekte Zugriff zur Verfügung.

Betriebssystem und Programmiersprachen bleiben erhalten, es kommen für den Bereich der Dateiverwaltung erhebliche neue Funktionen hinzu. Die Anwendungsprogramme müssen neu organisiert werden. Nun ist es möglich, auf bestimmte Informationen direkt zuzugreifen. Es entstehen die ersten Konzepte für die Programm- und Dateimanagement. Die Finanzbuchhaltung kostet nur noch 9000 Mark.

1981 - Die Zeit der Integration beginnt. Die IBM kündigt den Tischcomputer IBM 5120 an. Das Gerät kostet nur noch 50 000 Mark. Die einzelnen Komponenten des System 5110 werden in einer Einheit integriert. Der Bildschirm wird vergrößert. Bildschirm, Tastatur, Disketteneinheit und Zentraleinheit stehen integriert auf dem Tisch.

Das Betriebssystem und die Programmiersprachen werden von der IBM 5110 voll übernommen, jedoch werden die ersten Schwerpunkte in Richtung Basic gesetzt, nicht, weil die IBM es möchte, sondern weil der Markt es will.

Endgültig von APL getrennt

Aufgrund des größeren Bildschirmes werden bei den Anwendungsprogrammen Bildschirmmanagement und Menüführung realisiert. Die Kosten für eine Finanzbuchhaltung ändern sich nicht wesentlich und pendeln sich bei rund 7000 Mark ein.

1982 - Jetzt gibt es schon für 30 000 Mark einen IBM-Computer. Er heißt nicht mehr Tischcomputer, sondern Bürocomputer (IBM /23). Dem Benutzer stehen bis zu 128 KB RAM (Random Access Memory) zur Verfügung.

Das Betriebssystem ist im ROM untergebracht. Das Gerät wurde speziell für den deutschen Markt gestaltet. Die Tastatur ist beweglich ebenso der Bildschirm. Die Farbe des Bildschirms ist Grün. Inzwischen muß man also die Arbeitsplatzergonomie beachten.

Als externe Datenspeicher dienen Diskettenstationen, maximal vier mit jeweils 1,1 MB Speicherkapazität. Die IBM trennt sich endgültig von APL. Das neue Betriebssystem der IBM /23 berücksichtigt nur Basic. Dieses Basic hat natürlich kaum Ähnlichkeiten mit dem Basic der IBM 5120.

Alle Anwendungsprogramme müssen neu erstellt werden, auch um die vielen Neuigkeiten des Betriebssystems ausnützen zu können. Mit dem Betriebssystem werden umfangreiche Dienstprogramme zur Verfügung gestellt. Bildschirme werden logisch und benutzerfreundlich aufgebaut. Die Steuerung der Programme erfolgt mit Hilfe von Menüs und Befehlstasten. Die ersten Hilfebilder werden in die Anwendungsprogramme integriert. Die Anwendungsprogramme sind aufgrund der verbesserten Hardware und des neuen Betriebssystems funktionsreicher, qualitativer und einfacher zu bedienen. Die Finanzbuchhaltung kostet rund 6000 Mark.

1983 - Der erste IBM PC wird in Deutschland angekündigt, und zwar gleich über eine neue Tochter, die IBM Produktvertriebs GmbH. Der IBM PC kostet 14 000 Mark.

Das Gerät kann maximal 640-KB-Zentralspeicher und zwei Diskettenlaufwerke zu je 360 KB verwalten.

Im Sommer desselben Jahres wird der IBM PC/XT angekündigt. Dieses Gerät ist mit einer integrierten 10-MB-Festplatte ausgestattet. Das Gerät kostet rund 19 000 Mark.

Mit Beginn der IBM PC-Ära stirbt der Bürocomputer der /23 und auch das Betriebssystem der /23.

Für den IBM PC wird als Betriebssystem PC DOS ausgewählt und forciert. Dieses Betriebssystem ist nicht mehr von der IBM, sondern von Microsoft. Die Hauptprogrammiersprache ist Basic. Es stehen jedoch andere Programmiersprachen, wie Cobol, Fortran, Pascal und APL zur Verfügung.

Die Anwendungsprogramme werden nicht mehr interpretativ ausgeführt, sondern es können Kompilate erstellt werden. Dies hat einen wesentlichen Einfluß auf die Verarbeitungsgeschwindigkeit, aber auch auf die Kosten der Programmerstellung. Der Trend zur mächtigen Standardsoftware zeichnet sich ab.

Die Bildschirme werden inzwischen kunstvoll gestaltet. Die Menü- und Funktionstastentechnik wird ausgefeilt. Der Benutzer erhält bei jeder Eingabe durch Betätigen entsprechender Hilfetasten Hilfebildschirme angezeigt. Eine Finanzbuchhaltung kostet aufgrund der Stückkostendegression nur noch 2500 Mark.

1984 - Das Jahr der IBM PC-Announcements: IBM 3270 PC und ähnliche Modelle, IBM PC/XT /370, IBM PC Portable und die jüngsten Ankündigungen: IBM PC AT, IBM PC Cluster und IBM PC Netzwerk.

Die Preise fallen weiter. Der neue IBM PC AT 02 mit 512-KB-Zentralspeicher, 20-MB-Festplatte, 1,2-MB-Diskettenlaufwerk kostet 18000 Mark. Das Gerät kann mit maximal 3-MB-Zentralspeicher und 40-MB-Festplatte ausgestattet werden.

Von der internen Verarbeitungsgeschwindigkeit ist dieses Gerät rund viermal so schnell wie der IBM PC/XT. Alles, was IBM PC heißt, kann im Netzwerk zusammengeschlossen werden. Funktionen wie Datei/Drucker-Server werden mit dem neuen DOS 3. 1 betriebssystemmäßig zur Verfügung gestellt. Von mehreren PC-Arbeitsplätzen kann auf eine gemeinsame Datei zugegriffen werden.

Weiterhin wird als Betriebssystem Xenix zur Verfügung gestellt. Dieses Betriebssystem erlaubt Mehrplatzbetrieb im Multitasking-Modus. Es können drei Bildschirme verwaltet werden. Als Anwendungsprogramme (Programme, die bisher unter PC DOS liefen, laufen unter DOS 3.0) können übernommen werden. Man erkennt jedoch seine eigenen Programme nicht mehr wieder: Gab es auf dem IBM PC/XT beim Menüwechsel hier und da noch Performance-Probleme - auf dem IBM PC AT existieren diese nicht mehr.

Die Anwendungsprogramme müssen auf Mehrplatzbetrieb umgestellt werden, entweder im Netzwerk oder unter Xenix. Es ist schon verlockend sämtliche Software von PC DOS auf Xenix umzustellen, und zwar auf die Programmiersprache C. Oder gibt es bald ein IBM-eigenes Betriebssystem ähnlich dem der /23 oder /36, auf dem IBM PC AT oder einem weiteren Folgeprodukt? Übrigens: Die Finanzbuchhaltung kostet heute nur noch 1500 Mark und ein weiterer Preisverfall zeichnet sich ab.

* Wladimir Safoschnik ist Geschäftsführer der AFS GmbH, Düsseldorf und autorisierter IBM-PC-Vertragshändler.