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25.03.1994

Auf der CeBIT erstmals vorgestellt Mit Power-Macintosh-Rechnern leitet Apple neue Firmenaera ein

25.03.1994

HANNOVER (jm) - Mit der Vorstellung der Power-Macintosh-Modelle "6100/60", "7100/66" und "8100/80" verabschiedet sich der PC- Pionier von Motorolas CISC-Technologie und setzt auf die Power-PC- Prozessoren von IBM und Motorola.

Apple deutet mit dem Preis von knapp unter 4000 Mark fuer das kleinste Modell 6100/60 darueber hinaus an, dass man es in Cupertino durchaus ernst meint mit dem Angriff auf die PC-Bastion der Intel- Rechnerhersteller. Fuer diesen Preis erhaelt der Kaeufer einen Rechner, der geringfuegig leistungsfaehiger ist als Intels momentan bestes Pferd im Stall, der Pentium-Chip mit 66 Megahertz Taktrate. Intel hat einen hoehergetakteten Nachfolger allerdings schon angekuendigt.

Zudem haelt sich das Geruecht, dass neben Big Blue auch Apple heftig auf Brautschau ist nach einem namhaften PC-Hersteller, der Lizenzrechte fuer IBM- oder Power-Mac-Systeme erwirbt (vgl. CW Nr. 7 vom 18. Februar 1994, Seite 29: "Compaq-CEO Pfeiffer haelt sich die Option auf Power-PC offen").

Quellen, die Apple und Compaq nahestehen, wollen wissen, dass es diesbezueglich intensive Gespraeche zwischen beiden Unternehmen gibt. Ein Compaq-Sprecher aus Houston dementierte die Kontakte, Apple lehnte es ab, zu den Geruechten Stellung zu nehmen.

Auch die Toshiba Corp. wird mit der Power-PC-Architektur in Verbindung gebracht. Topmanager des japanischen Laptop- Spezialisten werden mit der Aussage zitiert, man sondiere die Moeglichkeiten, den Prozessor in einer Server-Linie einzusetzen. Im Power-Boot der IBM Japan Ltd. sitzt bereits die Matsushita Electric Industrial Company : Nach Meldungen des Brancheninformationsdienstes "Unigram X" haben beide Unternehmen bereits ein OEM-Abkommen getroffen, wonach Matsushita Workstations mit dem blauen RISC-Chip unter Panasonics Markennamen vertreiben wird.

Momentan haben die Japaner als OEM noch Sparc-Workstations und - Clones im Angebot. Ausserdem kontrollieren sie, was von der Solbourne Computer Inc. - einem weiteren Sparc-Systemanbieter - noch uebrig ist.

Bei der Powerhouse Systems Inc., einer Neugruendung um Jon Rubenstein, plant man zudem, bis Mitte 1995 nicht nur eine Desktop-Familie mit dem IBM-Motorola-Gemeinschafts-Chip auf den Markt zu bringen. Die Kalifornier tuefteln auch an einem Multiprozessor-Rechner. Rubenstein entwickelte bei der Next Compter Inc. eine - allerdings nie gebaute - Nextstation auf Basis der Power-PC-Architektur.

Die Gretchenfrage jedes Plattformwechsels ist jedoch: Welche Software laeuft auf den Systemen? Laut Aussagen von Apple kuendigten ueber 150 fuehrende Softwarehersteller weltweit Applikationen fuer die Apple-Rechner an. Mehr als 60 Anwendungen sollen innerhalb der naechsten Wochen verfuegbar sein.

Hierzu gehoeren Photoshop, Pagemaker und Freehand, Quark Xpress, Wordperfect 3.0, Lotus CC:Mail, Claris Works, Framemaker 4 und andere. Die neuen Rechner arbeiten mit Mac-OS 7.1.2, einer fuer die Power-PC-Plattform optimierten Version des Apple-Betriebssystems mit Varianten von Quicktime und Quickdraw.

Im Sommer schiebt Apple OS 7.5 nach. Die Power-Macs koennen laut Apple fast alle bisherigen Mac-Anwendungen nutzen. Ausnahme sind hardwarenah geschriebene Utilities und Applikationen. Moeglich wird dies dank eines Emulators, der im ROM-Speicher der Power-Macs abgelegt ist. Er uebersetzt 680X0-Instruktionen in die Power-PC- Befehle.

Allerdings transponiert der Emulator keine Fliesskommabefehle, sondern lediglich die einer 68LC040-CPU, einem 68040-Chip ohne Arithmetikprozessor. Das heisst, dass 680X0-Software, die einer Fliesskommaeinheit bedarf, auf den Power-Macs nicht laeuft.

Peripherieprodukte und Steckkarten von der Motorola-Architektur lassen sich hingegen weiterhin verwenden.

Von Bedeutung duerfte zudem sein, dass die Emulationssoftware "Softwindows" von der Insignia Solutions Ltd. Apples RISC-Rechnern den groessten Teil der Windows-Welt eroeffnet. Die Lizenzvereinbarung mit Microsoft fuer Softwindows erstreckt sich auch auf Windows 4.0. Insignia hat bereits bekanntgegeben, dass man Softwindows auf Chicago anpassen wird.

Die COMPUTERWOCHE-Schwesterpublikation "Macwelt" meint allerdings in ihrer April-Ausgabe, dass die Grundausstattung von 8 MB Arbeitsspeicher fuer die meisten RISC-Applikationen nicht ausreiche. Dies gelte unter anderem fuer Insignias Software. Diese benoetige wenigstens 12 MB Arbeitsspeicher - eine Aussage, die Jake Marlowe, Produkt-Manager von Insignia Solutions Ltd., gegenueber der CW bestaetigte. Apples Power-Macs sind mit unterschiedlichen Erweiterungs- und Videooptionen ausgestattet, was die Preisdifferenzen zwischen den 6500 Mark fuer Modell 7100/66 und rund 12000 Mark fuer das Topsystem 8100/80 erklaert. Das System 6100/60 unterscheidet sich von Modell 7100/66 unter anderem durch die geringfuegig niedrigere Taktfrequenz des Power-PC-Chips (60 gegenueber 66 Megahertz). Ausserdem bietet der kleine Power-Mac- Rechner nur Raum fuer einen Sieben-Zoll-Nubus-Steckplatz. Der Power-Mac 7100 basiert demgegenueber auf dem Design des Quadra-650- Rechners und besitzt drei Nubus-Slots. Das mittlere Apple-System unterstuetzt zudem groessere Bildschirme und eine breitere Farbpalette. Auch beim Power-Macintosh 8100/80 nutzte Apple ein bereits bekanntes Gehaeuse, das der Quadra 800.

Mit 80-Megahertz-CPU ist es das leistungsstaerkste Modell. Die Videobandbreite bei diesem Rechner reicht bis zu einer Unterstuetzung von 16,7 Millionen Farben.

Alle drei Power-Macs liefert Apple standardmaessig mit 8 MB Arbeitsspeicher, integriertem Ethernet- und 16-Bit-Stereoanschluss aus. Geplant ist eine Token-Ring-Karte fuer alle Nubus-Mac-Rechner. Der ebenfalls obligatorische Geoport-Telekom- adapter gestattet, Faxe direkt von den Rechnern aus zu versenden. An Festplatten stehen Variationen von 160 MB bis zu 500 MB zur Verfuegung. Zum Lieferumfang gehoeren ferner CD-Laufwerke sowie Apples AV- Technologie mit Sprach-, Telekommunikations- und Videofunktionen. "Plaintalk", eine Spracherken-nungs- und Text-zu-Sprache-Software, ist separat fuer alle drei Modelle erhaeltlich.

Fuer Anwender bisheriger Macintosh-Systeme offeriert Apple darueber hinaus sowohl Platinen- als auch Prozessor-Upgrade-Moeglichkeiten. Platinenaufruestungen wird es fuer die Modelle Macintosh Quadra 840AV, 800, 660AV, 650 und 610, die Centris-Systeme 660AV, 650 und 610, den Macintosh IIvx und vi sowie fuer das Performa-Modell 600 geben.

Prozessor-Hochruestungen fuer den PDS-Steckplatz (Processor Direct Slot) stehen zur Verfuegung fuer die Quadra-Macs 950, 900, 800, 700, 650 und 610, die Centris-Systeme 650 und 610 sowie die Performa- Modelle 475 und LC 475.

Die Kosten fuer die Platinen-Upgrades liegen voraussichtlich zwischen 2800 und 4000 Mark, fuer die Prozessorkarten hat Apple einen Preis von 1400 Mark im Auge.