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07.01.1994 - 

Zu Besuch bei Internetworking-Companies an der amerikanischen Ostkueste

Auf der Erfolgssuche im Dickicht zwischen ATM und Fast Ethernet

BOSTON - Internetworking-Komponenten sind nicht nur in, sondern angesichts immer komplexer werdender Netze mehr denn je notwendig. Diese Connectivity-orientierte Binsenweisheit wird schon seit laengerem durch das Wachstum von US-Firmen wie Chipcom, Crosscomm, Proteon und Wellfleet bestaetigt. Waehrend vielerorts immer noch vom kalifornischen Silicon Valley als der amerikanischen High-Tech- Schmiede die Rede ist, hat sich in der sogenannten Boston Area ein "Land der Bridges, Router und Hubs" etabliert, aus dem derzeit so manche Erfolgsstory zu vermelden ist.

Zum Topunternehmen US-amerikanischer Boersianer schlechthin avancierte 1993 beispielsweise der im Bostoner Vorort Billerica ansaessige Router-Hersteller Wellfleet Communications, der in der aktuellen Hitliste des US-Wirtschaftsmagazins "Fortune" gleich zweimal Platz eins als "fastest-growing public company" belegen konnte. In der Tat ist das, was die Mannen um President und CEO Paul Severino in ihren Buechern ausweisen, nur als eindrucksvoll zu bezeichnen: bei weltweit rund 850 Mitarbeitern einen Umsatz von umgerechnet 180 Millionen Dollar im letzten Geschaeftsjahr, 25 Prozent davon ausserhalb Nordamerikas, seit 1990 eine kontinuierliche Quartalsergebnissteigerung in der Groessenordnung von 20 Prozent.

Fuer den Wellfleet-CEO liegt dabei der Schluessel zum Erfolg klar auf der Hand. "Wir haben uns, anders als viele unserer Wettbewerber, von vornherein auf den Bereich der LAN-to-LAN- Verbindung konzentriert", skizziert Severino die eigene Firmenphilosophie. Demzufolge standen bei den Shooting-Stars aus Massachussetts Aspekte wie die Entwicklung sogenannter Multiprotokoll-Router fuer Enterprise-Networking-Umgebungen im Vordergrund und erst in zweiter Linie das traditionelle IBM- Business in puncto Integration von SNA-Daten in heterogene Client- Server-Strukturen.

Wellfleet setzt bei SNA voll auf APPN-Protokolle

Wenn schon SNA, setzt man bei Wellfleet ganz auf APPN. Bereits im August vergangenen Jahres hatte die Severino-Truppe als einer der ersten namhaften Router-Hersteller mit dem Erwerb entsprechender Network-Node-Softwarelizenzen (sowohl vom britischen APPN- Spezialisten Data Connection als auch von Big Blue selbst) fuer Aufsehen gesorgt - war doch Marktfuehrer Cisco Systems mit seiner APPI-Initiative zunaechst angetreten, der Ankuendigung aus Armonk bezueglich einer weitgehend offenen SNA-Umgebung mit einem Konkurrenzprodukt Paroli zu bieten.

Politik ist eine Sache, Business eine andere - scheint man sich in Billerica zu sagen, oder wie Wellfleet-Frontman Severino es europaeischen Fachjournalisten gegenueber zum Ausdruck brachte: "Wir haben beide Entwicklungen intensiv beobachtet"; was bei Wellfleet im uebrigen auch fuer das Thema Fast Ethernet gilt. Jedenfalls ist Ciscos APPI-Entwurf mittlerweile schon laengst mehr oder weniger zu Grabe getragen worden, waehrend Wellfleet durch die Moeglichkeit, mit Multiprotokoll-Routern auf Basis der APPN-Nodes existierende 3270- sowie neue Client-Server-Applikationen zu unterstuetzen, auch bei IBM-Anwendern gut im Geschaeft ist.

In der Zwischenzeit strebt man bei dem 1986 gegruendeten Connectivity-Unternehmen aber auch nach "Hoeherem" - sprich: der klassischen WAN-Welt in Form des Access-Switching-Marktes fuer Carrier und Netzbetreiber. So wurde im Spaetsommer 1993 mit der "BNX"-Familie eine Produktreihe von Konzentratoren beziehungsweise Knotenrechnern angekuendigt, die fast alle wichtigen Fast-Packet- und Cell-Switching-Standards unterstuetzen sollen. Bis jetzt gibt es zwei Modelle: den Backbone-Concentrator-Node-Switch "BCNX" und den Backbone-Link-Node-Switch "BLNX".

Beide mit Frame-Relay-Uebertragungskapazitaeten; noch 1994 wird es nach Angaben von Wellfleet moeglich sein, SMDS-, ATM-, IP- und LAN- Switching auf der BNX-Plattform zu realisieren.

Schneller realisiert als manch andere haben indes die Verantwortlichen der Crosscomm Corporation, Marlborough, dass sich auch im klassischen IBM-SNA-Umfeld ordentlich Geld verdienen laesst. "Der 6611-Router von IBM war bis dato nicht gerade ein Erfolg", bringt Firmengruender und President Tad Witkowics die Erfolgsformel seiner Company auf den Punkt - oder anders formuliert die Tatsache, dass bei den weltweit rund 50 000 SNA-Installationen viele Anwender erst jetzt beginnen, in Richtung Client-Server zu migrieren und nach entsprechenden Internetworking-Komponenten suchen. Ergebnis: Im SNA-Routing-Business belegt Crosscomm mit gut 20 Prozent Marktanteil hinter dem Platzhirschen Cisco Rang zwei.

"90 Prozent des LAN-Verkehrs gehen heute noch in Richtung Mainframe", gibt der Crosscomm-Chef zudem Nachhilfeunterricht in Sachen Downsizing, was sich seiner Ansicht nach auch in der taeglichen Verkaufs- und Beratungspraxis widerspiegelt. Redet man beim Anwender ueber Internetworking-Protokolle, kaemen als erstes, so Witkowics, "Fragen nach Netbios", danach erst IP oder TCP/IP.

Crosscomm setzt verstaerkt auf Kompatibilitaet zu IBM

Bei ihrem Bemuehen, sich in der IBM-Welt weiter einen Namen zu machen, setzen die Crosscomm-Entwickler daher vor allem auf Kompatibilitaet zu Big Blues Systemsoftware und auf eine neue Generation RISC-basierter, fehlertoleranter Router. Die neuen Internetworking-Boxen der "Ilan-XL"-Serie wurden speziell fuer den Aufbau "Non-Stop"-fehlertoleranter SNA-Verbindungen konzipiert und ermoeglichen, wie es bei Crosscomm heisst, im Vergleich zu den auf konventioneller Technik basierenden Geraeten ein "State-of-the-art- Routing" - will heissen: protokollunabhaengiges Routing, Hot- swappable-Router-Einschuebe sowie Multiprozessor-Design. Hinzu kommen die Moeglichkeiten zur Implementierung von Netzwerk- Management-Software sowie die Unterstuetzung von APPN (die entsprechende Lizenz hat man zwischenzeitlich von IBM erworben) und spaeterer Hochgeschwindigkeits-Services wie ATM.

Bei einem geschaetzten Umsatz im laufenden Geschaeftsjahr von knapp 50 Millionen Dollar fuehlt sich die Crosscomm-Company nun jedoch langsam auch stark genug, um, wie Witkowics vorsichtig andeutete, im Marktsegment des TCP/IP- beziehungsweise Novell-Routings die Fuehler auszustrecken - also im Revier von Internetworking-Groessen wie Cisco und Wellfleet zu wildern. In jedem Fall soll aber das Business in Europa intensiviert werden, wo man zwar - verglichen mit den generellen Marktzahlen fuer Routing-Hardware - mehr als doppelt so hohe Zuwaechse verzeichnen konnte, mit lediglich 15 Prozent des gesamten Geschaeftsvolumens aber noch unterrepraesentiert ist.

Schon in etwas anderen Dimensionen - wenngleich auch in enger Partnerschaft mit Big Blue - denkt und plant man beim in Southborough ansaessigen Internetworking-Spezialisten Chipcom, der seine Wurzeln nach Ansicht von President und CEO Rob Held "eindeutig im Backbone-Bereich hat" und dort mit Systemintegratoren wie Digital, IBM und Ascom Timeplex zusammenarbeitet. Die sich in privatem Besitz befindende Company kalkuliert im laufenden Geschaeftsjahr mit einem Umsatz von immerhin rund 140 Millionen Dollar, gut 40 Prozent davon werden in Auslandsmaerkten generiert - Tendenz steigend.

Mit dieser "Papierform" ist das Unternehmen, wie der Chipcom-Chef hinzufuegt, im hart umkaempften Hub-Business neben Herstellern wie Cabletron und Synoptics der momentan einzige Produzent mit Umsatzzuwaechsen. Dennoch geht man auch bei Chipcom davon aus, dass die Luft im Wettbewerb noch rauher wird. Dabei wird sich nach Auffassung der Marketiers der Company das kuenftige Anforderungsprofil von Netzwerken eindeutig an den Belangen eines umfassenden Enterprise Computings orientieren: mit den Essentials Zuverlaessigkeit, Flexibilitaet und Administrierbarkeit.

Technisch umgesetzt bedeutet dies Features wie LAN-Port- beziehungsweise Packet-Switching, System-Management verteilter Umgebungen sowie die Einfuehrung neuer Uebertragungstechniken wie ATM. Auf der Basis dieses Netzwerkprofils hat Chipcom bereits im Herbst vergangenen Jahres Plaene fuer eine neue "Switching-Super- Hub"-Generation veroeffentlicht, die noch in der ersten Jahreshaelfte 1994 vorgestellt werden soll. Die intelligente Switching-Hub-Plattform wird ueber eine Backplane-Kapazitaet von ueber 10 Gbit/s verfuegen und soll neben der Bedienung klassischer LAN-Topologien wie Ethernet, Token Ring und FDDI auch die Migration zu kuenftigen Techniken wie 100-Mbit/s-Ethernet oder Cell Relay ermoeglichen.

Da Anstrengungen dieser Art in der Regel alleine nicht mehr zu bewaeltigen sind, haben die Chipcom-Verantwortlichen die Zusammenarbeit mit dem Branchenriesen IBM noch verstaerkt. So ist die Entwicklung der neuen Hub-Generation das Ergebnis einer seit gut einem Jahr bestehenden Marketing- und Entwicklungskooperation beider Firmen; sie wird ueberlagert von einem ATM- Forschungsprogramm, in das beide Partner bereits 1993 mehr als 100 Millionen Dollar investiert haben.

Beileibe nicht als Newcomer im Internetworking-Business kann man den schon 1972 - urspruenglich als reine Consulting-Company - gegruendeten Token-Ring-Pionier Proteon bezeichnen. Das Unternehmen hat, und auch darin unterscheidet es sich von vielen seiner Mitbewerber, in letzter Zeit nicht gerade durch glaenzende Geschaeftsergebnisse von sich reden gemacht. So sank der Umsatz im Geschaeftsjahr 1992 auf 120 Millionen Dollar mit entsprechender Negativbilanz - aus Gruenden, wie man im Headquarter freimuetig einraeumt, die eindeutig bei der im Vergleich zur Konkurrenz schwachen eigenen Marketing- und Sales-Organisation zu suchen sind.

Demzufolge war in den letzten Monaten betriebsintern Grossreinemachen angesagt, mit dem Ergebnis einer Aufsplittung der Company in zwei Bereiche: eine Internet-Division sowie eine LAN- Division. Unangetastet blieb die relativ grosse Proteon- Entwicklungsabteilung, die beiden Bereichen zuarbeiten soll und in die das verantwortliche Management derzeit einiges an Geld investiert, das sich jedoch schon 1994 in Form dann wieder schwarzer Zahlen amortisieren soll.

Fuer technische Highlights will man dabei vor allem in den Marktsegmenten SNA-Integration und Fast Ethernet sorgen. Unter anderem hat Proteon hierzu den Ausbau seiner vierstufigen SNA- Strategie angekuendigt, in deren Rahmen neben dem SNA-Tunneling und der SDLC-LLC-Datenverkehrskonvertierung IBM-Techniken beziehungsweise Protokolle wie Data Link Switching (DLSw) und LAN Network Manager (LNM) mit entsprechender Router-Software unterstuetzt werden sollen. Gleiches gilt fuer Cell-basierte Uebertragungstechniken wie ATM, fuer die noch heuer ein Interface in die Proteon-CNX-Router-Serie implementiert wird.

Im LAN-Bereich setzen die Proteon-Verantwortlichen - neben ihrem traditionellen Standbein der Adapterkarten - voll und ganz auf das Thema Fast Ethernet, mit einem uneingeschraenkten Bekenntnis zum 100Base-VG-Lager. Allerdings verfolgt die immer noch stark Token- Ring-lastige Company dabei vorwiegend eigene Ziele. So will man neben 100Base-VG als kuenftigem Fast-Ethernet-Standard auch die Entwicklung eines IEEE-802.3-Standards fuer Token-Ring- Konfigurationen mit auf den Weg bringen.

Unabhaengig davon, wie schnell und wie effektiv die Muehlen der Standardisierungsgremien mahlen, hat Proteon in jedem Fall vor, eine komplette 100Base-VG-Produktpalette mit entsprechenden Boards, Routern und Hubs zu entwickeln und bereits Mitte dieses Jahres sowohl erste Fast-Ethernet- als auch Fast-Token-Ring- Komponenten auf den Markt bringen.