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07.09.2001 - 

Enterprise Application Integration/Ein Kostenvergleich zwischen EAI und herkömmlicher Integration

Auf der Suche nach dem Return-on-Investment

07.09.2001
Anbieter von Lösungen für die Enterprise Application Integration (EAI) werben gerne mit den enormen Kosteneinsparungen, die für Kunden möglich werden. Doch wie lässt sich der Return-on-Investment (RoI) von EAI-Projekten kalkulieren? Von Thomas Renk*

EAI-Plattformen für die Koppelung von Anwendungen werden meist als "Integration Broker" bezeichnet. Dieser bietet beispielsweise eine Messaging-Middleware für den Datentransfer zwischen Programmen sowie vor allem intelligente Komponenten, die das Content-basierende Routing von Nachrichten, die Datentransformation und das Geschäftsprozess-Management (Business Process Management, BMP) übernehmen. Solche Systeme sollen nach Berechnungen der Gartner Group den Zeit- und Kostenaufwand für die Entwicklung von Schnittstellen zur Integration von Anwendungen um bis zu 43 Prozent vermindern helfen. Ebenso wird eine Senkung der laufenden Kosten versprochen.

Verunsicherte AnwenderUnternehmen sehen im Einsatz solcher Lösungen dennoch zunächst einmal ein hohes Risiko. So gesellt sich zur Unsicherheit über die finanzielle Stärke eines EAI-Anbieters auch der Zweifel, ob sich die hohen Investitionen wirklich amortisieren lassen. Angesichts von Kosten in sechs- oder gar siebenstelliger Höhe setzen daher manche Unternehmen auf Eigenentwicklungen etwa auf der Basis eines Applikations-Servers und Messaging-Middleware. Entwicklerteams müssen dann jedoch zunächst eine geeignete Methodologie finden und auf dieser Basis einen Integrationsrahmen bauen, der sie adäquat abbilden kann. Ebenso müssen sie sich bei der Schnittstellenentwicklung mit diversen Programmiersprachen auseinander setzen. Integration Broker bieten hingegen grafische Tools zur Generierung von Schnittstellen und stellen per se bereits einen Rahmen für einen konsistenten Entwicklungsprozess zur Verfügung.

Unternehmen sollten aber in jedem Fall vorab prüfen, wie sich die Integrationskosten im Detail darstellen - und zwar mit und ohne Integration Broker. Der erste Posten einer solchen Kalkulation sind die Fixkosten, die mit der Anschaffung eines Brokers verbunden sind. Dazu zählen die Lizenzen für das Produkt, aber auch für Software, die in diesem Zusammenhang etwa als Messaging-Middleware oder für die Administration und das Management von Anwendungen zusätzlich benötigt wird. Hierzu gehören auch Anschaffungskosten für Hardware sowie die Schulungskosten für Entwickler und Administratoren, die mit dem Integration Broker arbeiten sollen.

Unter Umständen können weitere Fixkosten durch Updates für einzelne Anwendungspakete enstehen, weil niedrigere Programmversionen eine Integration nicht oder nur unzureichend unterstützen. Hinzu kommen als variable Kosten solche für die Entwicklung von Schnittstellen für die einzeln zu integrierenden Applikationen. Diese zu kalkulieren ist ungleich schwieriger, da sie je nach Anwendung und abhängig von der Systemumgebung enorm schwanken. Annähernd lassen sie sich aber durch die Definition unterschiedlich komplexer Schnittstellentypen erfassen (siehe Kasten "Kostenrechnung", Seite 62).

Integration Broker versprechen, auch die Zahl der erforderlichen Schnittstellen insgesamt zu vermindern. Ohne eine solche Middleware werden Interfaces in der Regel auf einer Point-to-point-Basis implementiert. Das bedeutet, dass eine Anwendung für den Datenaustausch mit jeder anderen Applikation je zwei Schnittstellen benötigt - je eine zum Senden und zum Empfangen.

Nach einer Erhebung der Meta Group setzen die weltweit 2000 größten Unternehmen durchschnittlich 49 unternehmensweite Applikationen für ihre Geschäftsprozesse ein. Wollte man diese sämtlich point-to-point integrieren, käme man auf die - in der Praxis sicher unrealistische - stolze Zahl von 2352 Schnittstellen.

Weniger SchnittstellenIm zweiten Fall tauschen Applikationen Daten nicht direkt, sondern ausschließlich über den Integration Broker aus, so dass sie nur je eine Schnittstelle von und zu diesem benötigen. Im genannten Beispiel wären also maximal 98 Programmschnittstellen erforderlich. Diese müssen nicht alle im Unternehmen entwickelt werden, da die Hersteller von EAI-Lösungen für viele gängige Applikationen bereits Standard-Adapter liefern.

Zu unterscheiden sind dabei zunächst statische Adapter, die der Benutzer bei der Implementierung programmiert. Bei Release-Wechseln von Applikationen muss dann allerdings der entsprechende Adapter erneut angepasst, im schlimmsten Fall sogar komplett neu programmiert werden. Das erhöht den Wartungsaufwand unangemessen, da die Applikation, die Adapter und oft die gesamte Integration heruntergefahren werden müssen, um Änderungen zu aktivieren.

Austauschbare Adapter bevorzugenAndere Hersteller setzen daher auf dynamische Standard-Adapter, welche die genannten Probleme und den damit verbundenen Zeit- und Kostenaufwand vermeiden helfen. Unternehmen sollten bei der Wahl ihrer Integrationsplattform deshalb darauf achten, dass der EAI-Hersteller die Aufwärtskompatibilität seiner Adapter garantieren kann. Das bedeutet, dass die Implementierung, also der Geschäftsprozess, unverändert bleibt, wenn für ein neues Programm-Release ein Adapter-Upgrade installiert wird. Unter Kostengesichtspunkten nicht minder wichtig ist, dass neue Versionen der Integrationsplattform selbst oder auch des Messaging Brokers mit Standard- und eigenentwickelten Adaptern älterer Versionen kompatibel sind.

Nicht ganz außer Acht lassen sollte der Anwender in Zusammenhang mit Integrationsprojekten die Opportunitätskosten. Bei ihnen handelt es sich - vereinfacht gesagt - um Kosten für nicht genutzte geschäftliche Vorteile, etwa Kosteneinsparungen. Da sich mit Hilfe von Integration Brokern EAI-Projekte schneller realisieren lassen sollen, können Unternehmen umso schneller auch von den damit verbundenen Kostenvorteilen profitieren. Allerdings sind solche Rechnungen ein wenig fiktiv: Ein durch den Verzicht auf solche Tools erst später abgeschlossenes Integrationsprojekt verursacht keine realen Verluste, sondern bedeutet nur, dass mögliche Einsparungen nicht realisiert wurden.

Man sollte sich grundsätzlich davor hüten, die durch EAI-Projekte versprochenen Kostenvorteile allzu blauäugig zu betrachten. Manches erweist sich bei genauerem Hinsehen als Milchmädchenrechnung. Das gilt etwa für die versprochene Zeitersparnis für die Mitarbeiter durch die Automatisierung von Geschäftsprozessen. Diese ist kein Wert an sich, sondern zahlt sich für das Unternehmen nur dann aus, wenn die Mitarbeiter die eingesparte Zeit produktiv für andere Aufgaben nutzen können. Selbst in einem solchen Fall aber schlägt sich die gewonnene Zeit nicht zwingend in den im gleichen Maße höheren Umsätzen nieder.

*Thomas Renk ist SAP Alliance Director EMEA bei Webmethods in Frankfurt.

KostenrechnungEin genaueres Bild von den geschätzen, variablen Kosten für die Entwicklung von Schnittstellen mit und ohne EAI-Software soll folgender Vergleich geben: Die Komplexität einer Schnittstelle zeichnet sich durch a) die Zahl von Datenfeldern, die zwischen Quell- und Zielanwendung ausgetauscht werden müssen, b) die Anzahl der Zielanwendungen sowie c) die Komplexität der Nachrichtenstruktur aus. Eine einfache Schnittstelle wäre gekennzeichnet durch eine flache Nachrichtenstruktur und weniger als 50 Datenfelder. Ihre Aufgabe bestünde darin, lediglich zwei Applikationen zu integrieren. Ein mittleres Interface müsste bereits mehr als 50 Felder verarbeiten oder Nachrichten von einem hierarchischen Format in das andere übersetzen. Komplexe Schnittstellen müssten mit einer Vielzahl von Anwendungen zurecht kommen, mehr als 50 Datenfelder verarbeiten und hierarchische Nachrichtenformate transformieren.

Für eine Kostenschätzung kann nun berechnet werden, wie hoch je Anwendungsschnittstelle der zu erwartende Zeitaufwand für Analyse und Design, Entwicklung, Testläufe und Fehlerbeseitigung, Implementierung und schließlich laufende Wartung ist. Auf der Basis der Entwicklung mehrerer exemplarischer Schnittstellen in vier Unternehmen hat das Marktforschungsunternehmen Gartner dabei ermittelt, dass eine einfache Schnittstelle im Schnitt 381 Stunden erfordert, eine mittlere 508 Stunden und eine komplexe 1285 Stunden.

Demgegenüber reduziert sich der Zeitaufwand beim Einsatz eines Integration Brokers nach den Ergebnissen dieses Feldversuchs auf 241, 325 beziehungsweise 730 Stunden. Als Durchschnitt errechnete Gartner eine Zeitersparnis von 25 Prozent bei einfachen, 32 Prozent bei mittleren und 43 Prozent bei komplexen Schnittstellen. Multipliziert mit den Personalkosten für die Entwickler je Stunde ergibt das die Entwicklungskosten je Schnittstelle.

Die Kostenersparnis kann durchaus noch höher sein, wenn man folgenden Aspekt berücksichtigt: Solche EAI-Tools könnten den Bedarf im Unternehmen an hoch qualifizierten und teuren Programmierern reduzieren, da die Schnittstellenentwicklung mittels Integration Broker keine Kenntnisse in höheren Programmiersprachen erfordern. Die Personalkosten je Stunde Entwicklungszeit können deshalb niedriger kalkuliert werden als ohne Integration Broker.