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17.02.1984

Auf der Suche nach dem roten Faden im Software-Labyrinth

"Normung tut not - Perfectionismus macht tot". Mit diesen Schlagwort faßt Jürgen Schlagert vom BIK, Frankfurt, die Diskussion um fehlende Normen im Softwarehandling zusammen. Nach Ansicht von Reinhart Pöhlmann, VAW Flußspat-Chemie GmbH, Stulln, müssen die verantwortlichen Normungsgremien und -fachausschüsse vor allem kurzfristig dafür sorgen, daß das unsinnige Sprachengewirr in der Softwarelandschaft abgeschafft wird. Den Einsatz von Tools nimmt in diesem Zusammenhang Franz Grote von der Kirchlichen Gemeinschaftsstelle für elektronische Datenverarbeitung, Frankfurt unter die Lupe. Das Fazit zieht Jürgen Schlagert: Die Datenverarbeiter können nicht auf den hundertprozentigen Erfolg warten, denn wenn sie sechzig Prozent erreicht haben, müssen sie wieder bei Null anfangen, weil neue Technologien die bisherigen Ergebnisse bereits wieder überholt haben. kul

Franz Grote, Kirchliche Gemeinschaftsstelle für elektronische Datenverarbeitung, Frankfurt

Programmgeneratoren, Dateimanager, automatische Dokumentation, Textverarbeitungssysteme und Planungssysteme: Sie funktionieren alle hervorragend solange die Anforderungen des möglichen Anwenders nicht festgeschrieben sind und als Maßstab für die kritische Wertung der geprüften Produkte verwendet werden.

Service-Rechenzentren sind im Regelfall durch die Vielfalt der Wünsche ihrer Mandanten im stärksten Druck, komfortable Software-Produkte zur Verbesserung der Produktion im individuellen Bereich einzusetzen. Allerdings sind aus den Produktionsüberlegungen heraus auch die Anforderungen an die am Markt angebotenen Systeme sehr hoch. Der Einzelanwender als EDV-Betreiber kann sich da noch eher mit Restriktionen oder Leistungsschwächen abfinden. Der zuständige EDV-Leiter muß dabei aber den Mut aufbringen, sich der Kritik der Fachabteilungen auszusetzen.

Weil eben in den meisten Fällen kritisch geprüft wird, ist der Einsatz der nur als "Tools" benannten Software-Produkte relativ begrenzt. Geht es doch im Einzelfall nicht darum, eine gesamte Organisationsstruktur einem vorhandenen Tool anzupassen (auch wenn dieses Werkzeug für "alle" etwas bietet), sondern um die jeweils kurzfristige Realisierung spezieller Benutzerwünsche. Das Risiko liegt darin, daß mit dem Einsatz des Tools die Benutzer beginnen, die Möglichkeiten dieses Werkzeuges einzuschätzen, meist zu überschätzen. Schon beginnt der vorher bestehende Druck auf die EDV von neuem.

Personal Computer zur Lösung der individuellen Wünsche, Dialog-Systeme mit entsprechend mächtiger Software alles dies sind eigentlich nur Maßnahmen, die den Schwarzen Peter eindeutig dem Anwender (der Fachabteilung) belassen. Sie ersetzen im Regelfall nur den jeweils als zu hoch eingeschätzten Aufwand für die klassische Vorgehensweise mit Analyse-Phase, Konzeption, Auswahl und Einführung.

Diese Vorgehensweise soll die Ermittlung von Standards für das Unternehmen erreichen. Dabei wird nicht verkannt, daß die Anwendung dieser klassischen Methoden im Einzelfall fast immer unwirtschaftlich ist. Der Grund dafür liegt in der festzustellenden Relation Aufwand/Nutzen. Hier wären Normen angebracht, sind doch viele Anwendungsgebiete vom Anforderungsprofil mit denen anderer Unternehmen vergleichbar. Diese Normen müßten sich auf die Anforderungsseite beziehen und sind schon von daher als unrealistisch einzustufen. Wer will sich schon in Normen pressen lassen?

In der Praxis wird an dieser Stelle wieder die "Wirtschaftlichkeit" der Tools hervorgehoben. Natürlich ist es einfacher und kostengünstiger, auf kurzfristige sporadische Anforderungen eine schnelle Lösung zu bieten, solange diese Anforderungen sporadisch erfolgen und solange nicht andere Fachabteilungen (Benutzer) feststellen, daß das Tool ihre Wünsche nicht ausreichend erfüllt. Hier beginnen die Probleme kürzester Zeit ist nämlich das nächste Tool installiert. Es wird erkennbar, daß der Bedarf an Normierungen in der EDV-Abteilung liegt.

Dem EDV-Leiter bleibt heute keine andere Möglichkeit, als entweder Kompromisse im System zu schaffen, weil die einzusetzenden Tools als zusätzliche Bausteine das System belasten oder Kompromisse mit den Benutzern herbeizuführen, um die Vielfalt der auf dem System installierten Bausteine im Griff zu behalten.

Eine solche Vorgehensweise scheint auch für absehbare Zeit der "Norm"-alzustand zu bleiben. Jede Form von Standards kann die Leistungsfähigkeit der Produkte eigentlich nur behindern. Die Idealform des Standard stellen komplexe Software-Pakete dar, die mögliche Integrationsprobleme vermeiden helfen können. Nur tritt hier im Spitzenbedarf immer wieder der gleiche negative Effekt ein.

Wozu also Normen? Die Diskussion des Für und Wider zeigt eigentlich schon die Widersprüche, die sich durch die Forderungen nach Normierungen ergeben. Unbestritten ist wohl, daß jeder EDV-Verantwortliche Bauchschmerzen bei dem Gedanken bekommt, mehrer jeweils eigenständige Tools in "sein" System zu integrieren. Hier ist der eigentliche Ansatz für Normen zu sehen. Im Interesse einer besseren Verständigung mit den Anbietern ist eine klare Begriffsbestimmung zu schaffen. Auf der Basis einheitlicher Begriffe muß dann eine rechtliche Handhabe für die Wertung von angebotenen Produkten entstehen. Die Literatur und auch die jeweiligen Schulungsmaßnahmen müssen sich an einheitlichen Begriffen orientieren.

Sicher ist, daß dies nur magere Ergebnisse sind. Sie sind aber aus der sicht der Praktikabilität das derzeit einzig Sinnvolle. Natürlich endet damit keine Entwicklung. Vielmehr müßen solche Standardisierungsmaßnahmen als erste Schritte einer Verbesserung der jeweiligen Situation angesehen werden.

Ein Vorschlag für den Anfang: Die Klärung der Begriffsverwirrung bei Programmgeneratoren, Maskengeneratoren, File-Managern und Plannungsystemen, die alle eine Vielzahl von überlappenden Funktionen bieten.

Jürgen Schlagert, Leiter Stabsstelle Software-Standards und Qualitätssicherung, Betriebswirtschaftliches Institut der Deutschen Kreditgenossenschaften BIK GmbH, Frankfurt/Main

Normung tut Not. Dieser Aufruf ist schon so alt wie die elektronische Datenverarbeitung jung ist. In vielen Bereichen sind schon erfolge erzielt worden, die aber zum großen Teil an der Ignoranz und an dem mangelnden Willen der Verantwortlichen scheitern. Obwohl ein normiertes Vorgehen in der Entwicklung von Informationssystemen unbestritten zu sien scheint, scheiert der Einsatz in den meisten Fällen aus doch sehr vordergründigen Argumenten, beispielsweise "das machen wir schon immer so" oder "das ist bei uns nur bedingt einsatzbar".

Hier fehlt es, trotzt Kostendruck und dem viel zitierten Anwendungsrückstau, an der letzten Konsequenz des Managements, diese Normungen einzuführen und durchzusetzen. Die Unternehmengsberatungen schüren diese Unsicherheit durch immer neue "Erfindungen" im methodischen Bereich, so das dem verunsicherten Anwender zusätzliche Argumente gegen eine Normierung geliefert werden.

Einerseits weiß der EDV-Manager ganz genau, daß ohne eine methodisch normierte Vorgehensweise in kurzer zeit der Überblick verlorengeht und aus anspruchsvollen Konzepten nur noch Flickwerk wird. Auf der anderen Seite wird er durch den Markt Täglich neu verunsichert, weil jede Methode die absolute Erlösung aus der Misere verspricht. Hier muß sich das Management selbst entscheiden, ob sich das Warten auf die 100prozentige Methode lohnt. Nur die wird es nie geben. Deshalb sollte darauf hingearbeitet werden, die Normung da vorzunehmen, wo sie sinnvoll und in der täglichen Praxis einsetzbar ist.

Eine Aufteilung in Kategorien ist die beste Möglichkeit, einen für das Unternehmen praktikablen Anfang zu machen. Die möglichen Kategorien sind:

- Normierte und überprüfbare Vorgehensweise in der Strukturierung von Daten und Funktionen und die Beziehungen dieser Ergebnisse untereinander. Hierdurch entsteht ein einfacher entwurf, der in seinen Einzelschritten dokumentiert und nachvollziehbar ist.

- Umsetzung des fachlichen Entwurfs in die EDV-technische Lösung und Entwurf der Programme mit den Regeln der strukturierten und normierten Programmierung. Hier gibt es durchaus Software-Produkte am Markt, die diese Vorgehensweise unterstützen und sich auch nach den vom DIN-Ausschuß geprägten Begriffen orientieren.

- diese Vorgehensweisen müssen durch ein Phasenkonzept unterstützt werden, das eine Überwachung der einzelnen Projektschritte möglich und die definierten Ergebnisse kontrollierbar macht.

Den Hauptansatzpunkt für eine Normung sehe ich momentan in der Beschreibung der Fachlichen Datenelemente und deren Erzeugungsprozeß. Hier kann auf der niedrigsten Ebene, dem Datenelement, beschrieben werden, welchem Erzeugungsprozeß das Datenelement unterliegt, welche Beziehungen das Datenelement zu anderen Datenelementen hat und welche Datenelemente benötigt werden, um das Element zu erzeugen.

Namenskonventionen und die Darstellung des Entstehens sind hier eindeutig "normierbar" und können zusätzlich, und das ist der wesentliche Vorteil, durch die Speicherung in einem Data-Dictionary-System maschinell dokumentiert und aktualisiert werden.

Eine Normung für Vorgehensweisen bei Systementwicklung wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Der Hersteller ist zu sehr auf Hardware fixiert. Die Unternehmensberatungen verkaufen ihre eigenen Patentrezepte jährlich in einem neuen Kleid und sind eventuell an einer Normung überhaupt nicht interessiert-es sei denn, ihre Normung wird zur Norm-.

Deshalb müssen überregionale Gremien zumindest eine "Leitlinie" erarbeiten, die als Diskussionsgrundlage für das einzelne Unternehmen dienen kann. Eine solche Leitlinie muß aber den gesamten Erstellungsprozeß eines Informationssystem erfassen und darf sich nicht auf einzelne Teile beschränken. Diese Orientierungshilfe würde meiner meinung nach manchem Anwender dienen, als der Wunsch zur totalen Normierung bis ins letzte Detail.

Auch hier gilt: Wir können nicht auf 100 Prozent warten, denn wenn wir 60 Prozent erreicht haben, fangen wir wieder bei Null an, weil neue Technologien uns wieder überholt haben.

Normung tut not - Perfektionismus macht tot. Dies gilt auch für die Datenverarbeitung. Der normierte Baukasten mit Duden wird noch lange Zeit ein Wunschdenken bleiben.

Reinhard Pölmann, DV-/Org.-Leiter, VAW Flußspatchemie GmbH, Stulln

Die Computer sind in der Wirtschaft der Bundesrepublik auf dem Vormarsch. Inzwischen arbeitet bereits jeder sechste Bundesbürger an seinem Arbeitsplatz überwiegend mit einer computersteuerten Maschine oder Anlage. Dies berichtete der nordheim-westfällische Arbeits- und Sozialminister Farthmann anläßlich der Eröffnung der Ausstellung "Der gläserne Computer". Jedoch hat die Zufriedenheit der Anwender mit Standard-Software nachgetlassen. Dies hat eine Umfrage der amerikanischen Datapro Research Corporation bei US-Usern ergeben.

Die Standard-Software ist dennoch notwendig und wird noch vermehrt an Bedeutung zunehmen, um wirtschaftliche Datenverarbeitung betreiben zu können. Auch ist der Backlog anders nicht mehr zu verringern. Aber die derzeitige Situation am Software Markt und das erdrückende Angebot an Methoden und Werkzeugen ist fast unüberschaubar. Denn fehlende Normen für Softwarepodukte und -begriffe führen zunehmend zur Verunsicherung der Benutzer bei der Auswahl von geeigneten Programmpaketen. Dies fürt nicht selten zu Fehlentscheidungen, die immer häufiger in Rechtsstreitigkeiten münden. Um diese Probleme zu minimieren, muß die Software immer stärker - vom DV-Manager - unter die Lupe genommen werden.

Das DV-Management muß sich einen babylonischen Sprachgewirr im Programmiergewerbe sowie mit einer sich rasch wechselnden Technologie ausenandersetzen. Es ist deshalb nicht verwunderlich, daß die DV-Angestellten bei der Fluktuationshäufigkeit einen fuhrenden Platz einnehmen. Schon aus all diesen Gründen liegt es auf der Hand, daß eine grundlegende Voraussetzung zur Erreichung von qualitativ hochwertiger Software die Entwicklung von "Normen" notwendig macht.

Natürlich sind Vereinbarungen über Normen (DIN) jeglicher Art nie leicht zu erzielen. Doch die verantwortlichen Normungsgremien und sonstigen Fachausschüsse müssen kurzfristig sorgen, daß das unsinnige Sprachengewirr in der Softwarenlandschaft abgeschaft wird.

Im Prinzip herrsche völlige Freiheit bei der Vergabe von Begriffen. Hat man Fremdsoftware im Einsatz, ist man fast gezwungen, für weitere EDV-Proiekte ebenfalls von dem gleichen Softwarehaus die Programme zu benutzen, damit in etwa eine einheitliche Programm- und Dialog-Struktur beibehalten wird. Zu einer Fremdsoftware gehören auch sämtliche aussagefähigen Dokumente. Selbst die DV-Hersteller weichen bei den Programmiersprachen vom Standard ab, auch hier sollte auf dem Sektor Software-Engineering eine Normung oder zumindest eine einheitliche Begriffssammlung vollzogen werden.

Die Supertools und Sprachen der vierten Generation haben ein neue Ära im Softwarebusiness eingeleitet. Es ist schon jetzt unbestriffen, daß die neuen integrierten Generatoren zum Teil Vorteile für die Software bieten: einheitlich aufgebaut, strukturiert, transparent, zuverlässig, Entlastung von Routinearbeiten, um nur einige zu nennen. Dadurch werden die Programme auch leichter und der Wartungsaufwand kann gesenkt werden. Dennoch sind die modernen Programmtechnologien durch die noch fehlenden Normen gefährdet.