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22.09.1995

Auf der Suche nach der Killerapplikation

22.09.1995

Diplomingenieur Klemens Gaida, Berater der Eutelis Consult Beratungsgesellschaft fuer Telekommunikation und Mehrwertdienste mbH mit Sitz in Ratingen bei Duesseldorf.

T-Online hat sie schon, die anderen Onliner suchen noch und hoffen. Die Rede ist von den sogenannten Killerapplikationen, jenen PC-Online-Anwendungen, die massiven Verkehr auf den Plattformen der Online-Diensteanbieter erzeugen sollen. Bei der zur Zeit herrschenden Euphorie werden nach Senkung der Telekommunikationskosten starke Wachstumsraten sowohl im Bereich Consumer Services als auch im Bereich Professional Services vorhergesagt. Aber bei Compuserve, Microsoft Network, Europe Online (Burda und Springer Verlag) und America Online (Bertelsmann und AOL) gibt es bisher keine Anwendungen, die die Wirtschaftlichkeit des Kritische-Masse-Systems Online-Dienst sicherstellen koennen.

Nur T-Online (vormals Btx beziehungsweise Datex-J) hat nach gut zehn Jahren mit der Spartenanwendung Home Banking zumindest ein Standbein aufgebaut (85 Prozent Nutzungsanteil in Datex-J). Aber auch das ist nicht allein aus eigener Kraft geschehen, sondern verdankt den Erfolg den Bemuehungen des Bankengewerbes, ihre Gewinnmaximierung mit elektronischen Arbeitsablaeufen beziehungsweise mit dem Instrument Btx weiter voranzutreiben. Die Wirtschaftlichkeit von T-Online hinsichtlich Break-even-Point und Return-on-Investment duerfte allerdings aufgrund der langen Vorlaufzeit seit 1983 sehr schlecht aussehen.

Die Markteintrittsstrategie, zunaechst als PC-Online-Alleskoenner aufzutreten und spaeter gefundene Killerapplikationen verstaerkt zu foerdern, bedarf vor allem eines grossen finanziellen Durchhaltevermoegens der Online-Dienstleister.

Diese Voraussetzung erfuellen die Anteilseigner der neuen Dienste. Als Allrounder suchen sie nach der Killerapplikation, die ueber die Nutzerzahlen hinaus auch die Nutzung des Dienstes stimuliert. Denn wird eine solche Anwendung von einem Online-Dienst alleine entdeckt, besteht fuer diese Spartenanwendung ein Quasi-Monopol.

Die neuen Online-Dienste versuchen beim Wettrennen guenstige Startpositionen einzunehmen, indem sie bereits in der Anfangsphase inhaltliche Schwerpunkte setzen, die das Herauskristallisieren von Killerapplikationen erleichtern sollen. Begleitet wird dieses Bestreben durch das massive Werben um Inhalteanbieter, die sich natuerlich nicht auf einen einzigen Online-Dienst festlegen lassen.

Compuserve hat erkannt, dass die Professional Services von den meisten Online-Diensten stiefmuetterlich behandelt werden. Europe Online und America Online bewegen sich eher in Richtung Boulevard- Dienst und hoffen, im Bereich Consumer Services die Masse der durchschnittlichen Privathaushalte zu erreichen. Microsoft Networks schliesslich hat den Focus auf die innovative PC-Elite gerichtet. Auf der einen Seite sollen die bisherigen PC-Besitzer umfassend bedient werden, auf der anderen Seite wird versucht, die heranwachsende Generation der Sega- & Nintendo-Kids online mit neuen, netzbasierten Anwendungen - Games und Edutainment - zu versorgen. Alle Online-Dienste stellen natuerlich auch einen Internet-Uebergang zur Verfuegung, um zumindest die Auffahrt zum Information Highway anbieten zu koennen.

Alles in allem bewegen sich die Onliner also auf unbekanntem Terrain - wobei die Ankuendigung von Millioneninvestitionen eher wie das Pfeifen im Walde klingt. Aber wie koennen diese Risikoinvestitionen vermieden werden?

Ein Weg mit geringen Anlaufkosten koennte der Aufbau eines Sparten- Online-Dienstes mit einer ausgefeilten Nischenanwendung und konzentriertem Marketing sein. Der Sparten-Online-Dienst besteht also im besten Fall von Beginn an nur aus seiner Killerapplikation. Doch welche Nischenanwendung koennte sich als ein solcher Goldesel erweisen? Es muss darum gehen, taeglich wiederkehrende Arbeits- oder Verbrauchsablaeufe im Berufs- oder Privatleben zu identifizieren und ueber die Abbildung dieser Ablaeufe auf PC- und Telekommunikations-Infrastrukturen direkt bei der Bedarfsentstehung der Nutzer anzusetzen. Ansaetze sind zum Beispiel das bereits erwaehnte Home Banking, Electronic Newspapers/Magazines, Chat Lines/ Foren, Teleshopping, etc.

Nach Millioneninvestitionen, die die Online-Euphorie erst richtig angeheizt haben, folgt moeglicherweise aber auch die Ernuechterung, in deren Folge sich einige Online-Dienstleister verbuenden muessen, wenn sie nicht zum reinen Internet-Zubringer verkuemmern wollen.