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IPOs: Update.com AG

Auf der Suche nach einer Nische im Wachstumsmarkt CRM

14.04.2000
FRANKFURT/M. - Als "spannende Herausforderung" bezeichnete Gabriele Rittinghaus 1999 ihren Wechsel von der Chefetage bei CA Deutschland zum Softwarehaus Update.com. Erklärtes Ziel der neuen Vorstandsvorsitzenden war es, den Wiener CRM-Spezialisten fit für die Börse zu machen. Knapp ein Jahr später ist diese Aufgabe zwar bewältigt, doch von Entspannung dürfte noch keine Rede sein.Von Riem Sarsam*

Der Zeitpunkt für das IPO am 11. April war denkbar ungünstig, denn das Wachstumssegment Neuer Markt wurde im Vorfeld des Termins arg gebeutelt. Trotzdem hielten die Österreicher an ihrem Vorhaben fest, trugen der schlechten Stimmung an der Börse allerdings mit einem Abschlag bei der Preisspanne des Bookbuildings Rechnung.

Überhaupt scheinen sich die Verantwortlichen von Update. com wenig aus der Ruhe bringen zu lassen. Mit nur einem Produkt, dem "Marketing Manager", schreibt das österreichische Unternehmen nach zwölfjährigem Bestehen noch immer rote Zahlen. Dennoch beweist es genügend Selbstvertrauen, sich als führenden europäischen Anbieter von Customer-Relationship-Management-(CRM-)Software zu bezeichnen. Ein Blick auf die Geschäftszahlen relativiert diese Aussage dann doch ein bisschen und spiegelt die derzeitige Marktposition des Unternehmens wider. In ihrer Bilanz 1999 verzeichnet die Company einen Umsatz von 18,3 Millionen Euro sowie einen Verlust vor Steuern und Zinsen von 7,2 Millionen Euro. Begründet werden die Verluste mit dem hohen Investitionsaufwand für die Weiterentwicklung des Produkts zu einer Web- und WAP-fähigen Lösung. Zum Vergleich: Der schärfste Konkurrent, die kalifornische Siebel Systems Inc., setzte allein im vierten Quartal 1999 mit rund 268 Millionen Dollar ein Vielfaches um.

Wie überhaupt das Wettbewerbsumfeld im Wachstumsmarkt CRM schwieriger zu werden scheint. Immer mehr Softwareanbieter erkennen das Prinzip "Kunde gleich König" und forcieren eigene Lösungen für das Kunden-Management. So wird in Branchenkreisen beispielweise darüber spekuliert, dass der niederländische ERP-Spezialist Baan mit dem Gedanken spielt, die Aktivitäten seiner CRM-Töchter Aurum, Beologic und Matrix zu bündeln und als eigenständiges Unternehmen an die Börse zu bringen.

Doch die Konkurrenz wird weitgehend als technologisch unterlegen abgetan. Oder als schwerfällig. So zumindest wertet Rittinghaus das momentane Marktumfeld. Beispiel SAP: Ende 1997 übernahmen die Walldorfer den CRM-Anbieter Kiefer & Veittinger, um den eigenen Front-Office-Bereich auszubauen. Dass bis heute keine Neuigkeiten aus diesem Geschäftsfeld zu hören sind, interpretiert die Update.com-Vorstandschefin als "offensichtliches Misslingen des Versuchs, in den Markt für CRM-Lösungen einzusteigen".

Die Wiener hingegen sehen sich mit derzeit 400 Kunden und über 35000 Endanwendern im operativen CRM-Markt gut positioniert. Seit 1994 richtet das Unternehmen seine Aktivitäten auch international aus und ist mittlerweile in neun Ländern in Europa, Asien und Australien vertreten. Den größten Umsatzanteil allerdings erzielt man in Deutschland, wo unter anderem Kunden wie Allianz, Mannesmann oder Siemens bedient werden. Dabei zeichnet Update.com in erster Linie für die Entwicklung und den Vertrieb seiner Software verantwortlich, implementiert wird das System in den meisten Fällen von namhaften Partnern aus der Beraterszene wie KPMG, PCW oder Plaut. Diese indirekte Vertriebsstrategie soll auch in Zukunft weitergeführt werden.

Zum Produkt: Der "Marketing Manager" ist eine modular aufgebaute E-CRM-Software, die Update.com so weit wie möglich für bestimmte Branchenprozesse vorkonfiguriert, so dass die Anpassung an die jeweilige ERP-Umgebung des Kunden möglichst schnell erfolgen kann. Besagter Branchenschwerpunkt liegt dabei in den vertikalen Märkten für Investitions- und Konsumgüter, Finanzdienstleistungen, Pharma, Telekommunikation und Medien.

In den Vordergrund seiner Vertriebs- und Marketing-Strategie stellt das Unternehmen die Nutzung neuer Vertriebsformen wie Internet, WAP und Spracherkennung. Das Release 4.5 des Front-Office-Systems wurde beispielsweise um ein Modul namens "Portal" erweitert, das unter anderem die Analyse von Homepage-Besuchern und damit eine Personalisierung des Angebots erlaubt. Die Komponente namens "WAP" liefert eine Schnittstelle von der Unternehmensdatenbank zum WAP-Handy. Neben der Web- und WAP-Fähigkeit, so Rittinghaus, stehe nun vor allem die Entwicklung eines ausgereiften Spracherkennungs-Systems an. Hier arbeitet man zum Beispiel mit dem belgischen Spracherkennungsspezialisten Lernout & Hauspie zusammen.

Wie Finanzvorstand Michael Foy auf der Pressekonferenz zum Börsengang in Frankfurt am Main erläuterte, soll der Umsatz bereits in zwei Jahren um 78 Prozent auf über 100 Millionen Euro klettern. Nach einer schwarzen Null im nächsten Jahr dürfte der Gewinn dann im Geschäftsjahr 2002 mit 13 Millionen Euro erstmals im positiven Bereich liegen. Gestützt werden die äußerst optimistischen Prognosen von Marktanalysten wie Meta Group oder Forrester Research, die dem CRM-Markt ein rasantes Wachstum vorhersagen. Die Meta Group schätzt beispielsweise den weltweiten Anstieg des CRM-Marktes von derzeit gut vier Milliarden auf bis zu knapp zwölf Milliarden Euro im Jahr 2002. Um mithalten zu können beziehungsweise stärker als der Markt zu wachsen, will Update.com den Erlös aus dem Börsengang sowohl in technologische als auch in geografisch motivierte Akquisitionen fließen lassen. "Wir wollen uns dabei aber nicht verzetteln", rechtfertigt Rittinghaus die mehr auf den europäischen Raum und damit in Sachen Global Player vergleichsweise bescheiden ausgerichteten Expansionspläne.

* Riem Sarsam ist freie Journalistin in München.

Abb.: Da sich Update.com noch in der Investitionsphase sieht, wird der Break-even erst für 2002 angepeilt. Quelle: Update.com