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Voice over IP/IP-Telefonie und der Schritt von der Theorie in die Praxis


26.04.2002 - 

Auf die Anwenderakzeptanz kommt es an

Bei aller Begeisterung für innovative Funktionen vergessen die Hersteller von VoIP-Lösungen gerne die Endanwender, die mit der Technik letztlich telefonieren müssen. Die Wünsche der Benutzer sollten berücksichtigt und die Migration möglichst sanft gestaltet werden. Von Mirko Oesterhaus*

Auch wenn Kritiker nicht müde werden, das Gegenteil zu behaupten - die Sprachqualität ist längst kein Argument mehr gegen den Einsatz einer IP-Telefonie-Lösung im Unternehmen. Zahlreiche Tests in unabhängigen Labors bescheinigen, dass hier gute bis sehr gute Resultate möglich sind. Dennoch blieb der große Run, den Marktforscher und Analysten noch bis vor kurzem vorhersahen, bis dato aus.

Ratlosigkeit herrscht auf Seiten der IP-Telefonie-Hersteller. Haben sie doch ganz klar ihre Hausaufgaben gemacht und mit Sprachkompression und Echounterdrückung dafür gesorgt, dass auch IP-Telefonanlagen im täglichen Business den guten Ton angeben.

Was bremst VoIP?In den buntesten Farben beschreiben Marketingabteilungen und die Presse die Vorteile der IP-Telefonie. Dennoch scheitert die IP-Telefonie in der Praxis insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen auf ganz anderer Ebene: Die Gewohnheiten der Teilnehmer und der Preis der Lösung geben den Ton an.

Eine funktionierende Lösung ist eben nicht gleichzeitig auch eine praxis- beziehungsweise markttaugliche Lösung. Ausschlaggebend für die Akzeptanz der Teilnehmer ist das Endgerät. Je nachdem, welche Bedeutung das Telefon für den jeweiligen Arbeitsplatz hat beziehungsweise welche Anforderungen an das Handling bestehen, konnte der Anwender bislang aus einer Vielzahl an Endgeräten das für ihn optimale wählen.

An Arbeitsplätzen mit hohen Anforderungen an Funktionalität und Bedienkomfort kommen zumeist zur Anlage zugehörige Systemapparate zum Einsatz. Ergänzend dazu werden gerade in kleinen und mittleren Unternehmen an Standardarbeitsplätzen häufig auch die wesentlich preiswerteren analogen Endgeräte eingesetzt. Dies geschieht zum Teil aus Kostengründen, zum Teil aber auch aus Gründen der Praktikabilität.

IP-System - oder Softphone?Bei den IP-Telefonie-Lösungen der klassischen TK-Anlagen-Hersteller sowie den Herstellern von Netzwerkkomponenten stehen die IP-Systemapparate im Vordergrund. Die Tischgeräte sind im Prinzip nichts anderes als kleine PCs, die von Design, Handling und Funktionen mit klassischen ISDN-Systemapparaten vergleichbar sind. Sie bieten maximalen Komfort, allerdings auch zu maximalem Preis: Angefangen bei etwa 300 Euro reicht das Preisspektrum bis weit über 1000 Euro. Die IP-Systemapparate werden an eine Telefonanlage angeschlossen, die nach wie vor auf einer proprietären Baugruppe ausgeliefert wird.

Speziell was die Anfangsinvestitionen betrifft, liegen diese IP-Telefonanlagen meist deutlich über dem Preis für eine klassische TK-Anlage. Hinzu kommt, dass häufig der Anschluss von analogen Telefonen nicht vorgesehen ist. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen, die aus Kostengründen auf den Einsatz von ISDN-Systemapparaten zugunsten von analogen Endgeräten verzichtet haben, scheidet diese Lösung daher aus.

Eine Alternative hierzu bilden die so genannten Softphones. Dabei handelt es sich um Client-Applikationen, die einen Standard-Arbeitsplatzrechner in einen Systemapparat verwandeln. Über die Soundkarte des PCs wird ein Headset oder Handset an den Rechner angeschlossen. Die Bedienung erfolgt über Maus oder Tastatur. Die Software selber ist, wenn auch nicht immer kostenlos, so doch zumindest erheblich preiswerter als die IP-Systemapparate.

Hersteller rein softwarebasierender Telefonanlagen legen ihr Hauptaugenmerk auf den Verkauf von Server-Lizenzen. Der Server-Komponente der Softwarelösung dienen preiswerte Standard-PCs mit ISDN-Karte als Hardwareplattform. Jeder dieser Softwarehersteller hat ein Softphone für den Client im Angebot. Ausgestattet mit einer reinen Softwarelösung auf Client- sowie Server-Seite liegt das Anwenderunternehmen bei den Anfangsinvestitionen natürlich weit unter denen einer klassischen Telefonanlage. Diese Begeisterung vermag der Anwender meist nicht zu teilen: Er hält von der Idee, ausschließlich mit dem PC zu telefonieren, in der Regel weniger als die kostenbewusste Geschäftsführung. Daher bieten mittlerweile die meisten Hersteller softwarebasierter Telefonanlagen auch einen eigenen IP-Systemapparat.

Bei der Migration auf eine IP-Telefonie-Lösung haben Unternehmen die Wahl. Auf der einen Seite steht die preiswerte Variante des Softphones mit dem Risiko, dass die neue Technologie keine durchgehende Akzeptanz im Unternehmen erfährt, somit das Scheitern droht. Auf der anderen Seite ist der Komfort-Systemapparat, der die preisliche Einstiegsschwelle so weit nach oben legt, dass IP-Telefonie nur noch für die wenigsten Unternehmen wirtschaftlich sinnvoll erscheint. Eine Mischkalkulation erscheint ebenfalls schwierig, da nur wenige Mitarbeiter den Sofortumstieg auf das preiswerte Softphone wagen wollen.

Ein Großteil der Anwender ließe sich mit Sicherheit von den Vorteilen der PC-Telefonie überzeugen, wenn der Wechsel nicht von einem Augenblick zum nächsten vollzogen werden müsste. Gerade in den hektischen Situationen des Arbeitsalltags möchte man nicht auch noch beim Telefonieren vor eine neue technische Herausforderung gestellt werden.

Der Weg zum ErfolgEs müssen also Wege gefunden werden, die es ermöglichen, den Anwender - und nicht wie von vielen Herstellern angepriesen, die Technik - sanft zu migrieren. Einen Lösungsansatz verspricht die Möglichkeit, analoge Endgeräte über einen Adapter an die IP-Telefonanlage anzuschließen und damit das Spektrum an Endgerätealternativen wieder auf den Stand vor IP-Telefonie zu bringen. Die bisher am Markt verfügbaren Analogadapter ermöglichten aber lediglich den Anschluss eines Endgerätes pro Adapter. Dabei kostet allein der Adapter mehr als 400 Euro, mit der Folge, dass diese lediglich beim Anschluss analoger Faxgeräte Anwendung finden.

Eine Alternative könnten softwarebasierende Adapter bieten, die auf einen Server aufgespielt werden und es den Unternehmen ermöglichen, bis zu 128 Endgeräte anzuschließen. Parallel zum analogen Endgerät lassen sich dann an jedem Arbeitsplatz ohne wirtschaftliches Risiko kostenlose Softphones installieren. Unabhängig davon, ob der Anwender dann einen IP-Systemapparat oder ein analoges Endgerät einsetzt, verschmelzen Tischtelefon und Softphone über die CTI-Funktionen zu einer Einheit. Mittelfristig können die analogen Tischtelefone damit vollständig entfernt oder zugunsten einer hundertprozentig konvergenten Lösung gegen entsprechende IP-Varianten ausgetauscht werden. (ave)

*Mirko Oesterhaus ist Leiter Marketing bei The Box Communications GmbH in Petersberg.