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02.04.1976

Auf DSS 1:1 umgestellt und damit sehr zufrieden

02.04.1976

- Gewisse Zahlen machen die Runde. So ist bekannt, daß Sie bei Dyckerhoff & Widmann die Datenerfassungskosten durch den Einsatz eines Datensammelsystems um 30 Prozent senken konnten. Welchen Anteil haben denn die Datenerfassungskosten, in weicher Größenordnung konnten Sie Einsparungen realisieren?

Die Datenerfassungskosten machen etwa 20 bis 25 Prozent des Gesamtbudgets unseres zentralen Rechenzentrums aus. Wir konnten im ersten halben Jahr ab Einsatzbeginn des Datensammelsystems X 1150 von Philips an reiner Hardware-Miete monatlich 2 551 Mark einsparen, das bedeutet im Jahr über 30 000 Mark. Nach Übernahme der Datenerfassungsarbeiten im technischen Bereich sparen wir nochmals jährlich 20 000 Mark.

- Welche Datenerfassungsgeräte wurden durch das Datensammelsystem ersetzt?

Vorher waren fünf IBM-Locher 029, drei IBM-Prüfer 059 sowie sechs Honeywell Bull-Keytapes installiert. Also insgesamt vierzehn Erfassungsplätze.

- Sie haben bei der Umstellung an den Belegen selbst nichts geändert, die Erfassungsorganisation quasi 1:1 übernommen. Rechtfertigt das allein den Einsatz eines Datensammelsystems?

Wenngleich am Aufbau der schon bestehenden Belege nichts geändert wurde, so haben wir doch die Möglichkeiten der Software voll ausgenutzt und damit die Datenerfassung schneller gemacht.

- Können Sie dafür konkrete Zahlen nennen?

Die Zahl der Erfassungsplätze wurde um vier reduziert - das Datensammelsystem hat zehn Plätze -, wir haben darüber hinaus die Zahl der Datentypistinnen von fünfzehn auf dreizehn vermindert. Mit diesem Personalstand werden heute monatlich rund 195 000 Sätze erfaßt, gegenüber etwa 165 000 Sätzen vorher. Daraus ergibt sich, daß rund 30 Prozent mehr Arbeit bewältigt wird, bei 30 Prozent weniger Miete.

- Wie sind Sie bei der Auswahl Ihres DSS im einzelnen vorgegangen?

Wir haben natürlich zunächst die Hersteller mit unseren Erfassungsbelegen vertraut gemacht und Demos gefordert. Sehr aufschlußreich waren Informationen, die wir bei Anwendern eingeholt haben, die bereits eines dieser Erfassungssysteme installiert hatten. Etwas systematischer als sonst wohl üblich haben wir schließlich einen Anforderungs-Katalog zusammengestellt und auch eine Gewichtung der einzelnen Anforderungspunkte vorgenommen.

- So was ist ja immer sehr subjektiv. Mit wieviel Prozent beispielsweise bewertet man den Service, und wie bewertet man dann die Qualität des Service? Welche Auswahlkriterien hatten bei Ihnen höchste Priorität?

Da es sich bei unserer Datenerfassung mit Ausnahme der Lohnbelege keinesfalls um eine reine Massendaten-Erfassung handelt - die an sich problemlos wäre -, haben wir das Hauptaugenmerk auf Software gelegt, die es uns gestattet, unsere doch sehr unterschiedlichen Belege nach einem so weit wie möglich einheitlichen System zu erfassen. Wir gaben also bei der Gewichtung der Software von insgesamt 100 Punkten allein 35. An zweiter Stelle lag mit 25 Punkten die Bedienungsfreundlichkeit des Systems, wobei wir besonderen Wert auf eine bewegliche Tastatur sowie einen niedrigen Geräuschpegel legten. Der Hardware gaben wir nur 10 Gewichtungspunkte, und ich will das auch begründen: Wir haben festgestellt, daß sie bei allen Systemen in etwa gleich war.

- Was tun Sie, wenn bei Ausfall der DSS-Zentraleinheit sämtliche Erfassungsplätze stillstehen?

Seit der Installation am 1. Dezember 1974 hatten wir bis heute allerhöchstens insgesamt zwei Stunden Ausfall. Dabei suchte der Hersteller nicht lange nach Fehlern, sondern tauschte die defekten Teile schnellstens aus.

- Gegenüber Datenerfassung mit einem Sammelsystem in der bei Ihnen durchgeführten Form ließe sich einwenden, daß nicht die neuesten Erkenntnisse in puncto "Distributed Processing" berücksichtigt wurden?

Uns ging es zunächst einmal nur darum, eine quantitative und qualitative Leistungssteigerung sowie billigere Hardware-Mieten zu erreichen. Das wurde eindeutig geschafft.

- Sie haben also das Bisherige festgeschrieben und zwar so billig wie möglich. Indes: Ist das nicht Subsystem-Optimierung? Vielleicht wäre die teurere Lösung, jedem Sachbearbeiter ein Terminal zu geben, die für die Gesamtunternehmung bessere?

Dies würde bei uns einen Bruch mit der bisherigen Datenverarbeitungskonzeption bedeuten. Die dafür erforderlichen Terminal-Hardware-Kosten sind ja doch nur die Spitze des Eisberges. Weit teurer käme eine generelle Neuorganisation. Und daran wollten wir zu diesem Zeitpunkt nicht herangehen. Datenerfassung vor Ort beim Anwender ist doch nur, dann sinnvoll, wenn auch die anschließend verarbeiteten Ergebnisse direkt übermittelt werden, also per DFÜ. Ansonsten bin ich der Meinung, daß die Datenerfassung von dafür prädestinierten Personen gemacht werden sollte, das heißt von Datentypistinnen. Ein Sachbearbeiter bringt nicht die gleiche Leistung, wenn er nicht ständig am Erfassungsgerät arbeitet.

- Sie befürworten eine Spezialisierung im Bereich der Datenerfassung weil eine Datentypistin mehr wegschafft als ein Sachbearbeiter. Widerspricht das nicht der neuen Tendenz, die Arbeitsplätze zu humanisieren? Und davon sollten doch die Datenverarbeiter nicht ausgenommen sein.

Ich bin der Meinung, daß die Arbeit der Datentypistin durch dieses Datensammelsystem gegenüber den früheren Datenerfassungsgeräten stark aufgewertet worden ist. Aber ich möchte zu diesem Punkt mit einer Gegenfrage antworten: Warum hat man denn früher zu Zeiten der Locher nicht einen Locher an den Arbeitsplatz des Sachbearbeiters gestellt?

- Datensammelsysteme können bekanntlich software-seitig sehr viel. Man kann prüfen, man kann vorarbeiten, man kann die Daten so weit aufbereiten, daß sie sauber zum Zentralrechner kommen. Wie weit sind Sie in diesem Punkt gegangen?

Ich muß nochmals betonen, daß mit der Anmietung des Datensammelsystems in erster Linie die Absicht verbunden war, eine Leistungssteigerung bei der Datenerfassung zu erreichen. Diesen Grundsatz haben wir auch bis heute so beibehalten. Wir haben uns selbstverständlich überlegt, welche Prüfungen und Plausibilitätskontrollen wir in unsere Datenerfassungsprogramme einbauen, und sind zu denn Ergebnis gekommen, daß wir zwar viele Sicherungen und Prüfungen einbauen könnten, damit aber die Datenerfassung an sich langsamer machen würden - und das können wir uns bei den sehr harten Terminen, die wir haben, nicht leisten. Wir haben also Prüfungen nur so weit eingebaut, als sie uns sinnvoll erschienen und gehen bewußt das Risiko ein, den einen oder anderen Satz noch fehlerhaft auf die Großanlage zu bringen.

- Wo ein Prüflauf unter Umständen teurer sein kann als auf dem DSS?

Wir fahren sowieso mehrere Prüfläufe gegen die Stammdaten, um sowohl Fehler, die vom Urbeleg her falsch rapportiert sind, als auch reine Erfassungsfehler abzufangen. Insofern entstehen uns keine zusätzlichen Maschinen-Laufzeiten und -Kosten.

Peter Milius (36)

ist seit 1971 Leiter des zentralen Rechenzentrums der Bauunternehmung Dyckerhoff & Widmann AG, München. Von Beruf eigentlich Elektrotechniker, sattelte er 1963 um und lernte das EDV-Handwerk "von der Pike auf": Zuerst als Absolvent der Fachhochschule für Datenverarbeitung in Saarbrücken mit Praxisausbildung an einer IBM 1401, nach seinem Eintritt bei Dyckerhoff & Widmann im Jahre 1965 als Operator und Programmierer in den D & W-Niederlassungen. 1968 ging er in die Zentrale nach München. Von seinen heute 30 RZ-Mitarbeitern sind allein 13 in der Datenerfassung tätig. Bei D & W (11 000 Beschäftigte, 1,3 Milliarden Jahresumsatz, 10 Niederlassungen) ist eine Siemens 4004/45 mit 512 KB installiert.

Milius bezeichnet sich selbst als EDV-Pragmatiker: "Manchen kann's nicht progressiv genug sein - egal was es kostet -, ich begnüge mich mit nachweisbaren Einsparungserfolgen."