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Datenverlust bedeutet unter Umständen den Ruin

Auf ein Datensicherungskonzept kann niemand mehr verzichten

08.03.1991

MÜNCHEN (CW) - Datenverlust kann das Unternehmen teuer zu stehen kommen. Schon das Erfassen von 10 MB Daten kostet bis zu 14 000 Mark. Manche Anwender geraten darüber so in Panik, daß sie über das Ziel hinausschießen und ein überdimensioniertes Backup-System kaufen. Aber nicht jeder braucht gleich eine DAT-Anlage.

Es ist eine weitverbreitete Annahme, daß Naturkatastrophen wie Blitz und Wasserschaden oder technische Defekte die meisten Datenverluste herbeiführen. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß in den meisten Fällen der Anwender selbst die größte Gefahrenquelle darstellt. Unbeabsichtigtes Löschen oder Überschreiben von Dateien, das Abschalten des Rechners zum falschen Zeitpunkt, bewußte oder versehentliche Manipulationen sind nur ein kleiner Teil der Mißgeschicke. Die Datenkriminalität durch bewußt eingesetzte Computerviren sowie der Diebstahl von Hard- und Software kommen als Unsicherheitsfaktoren hinzu.

Technische Defekte an zweiter Stelle

Die technischen Defekte stehen auf der Gefahrenliste an zweiter Stelle. Festplattenbesitzer befürchten vor allem den "Headcrash" - also den Zusammenstoß von Laufwerksköpfen und Festplatte. Zu Beschädigungen kann auch das Abschalten des Systems während der Lade- oder Speichervorgänge führen.

Das Abc der Datensicherung wandelt sich bei näherer Betrachtung in ein DDD-Konzept. Die drei großen Ds stehen für Datensicherheit, Datensicherung und Datenschutz. Leider werden sie immer noch von rund 80 Prozent aller PC-Anwender glattweg ignoriert, wie eine 3M-Umfrage vor zwei Jahren ergab.

Datensicherheit:

Sie stellt sicher, daß Daten aller Art vor Verlust, Manipulation und Zugriff durch Unbefugte geschätzt sein. Das ist nicht nur eine wirtschaftlich begründete Forderung, sondern auch eine gesetzliche Auflage. Im Handelsgesetzbuch heißt es unter ° 44, daß im Rahmen ordnungsgemäßer Buchführung gespeicherte Daten während der Dauer der Aufbewahrungsfrist verfügbar und jederzeit innerhalb angemessener Frist lesbar gemacht werden müssen. Bei mangelnder Sorgfalt mit anvertrauten Informationsbeständen, sind auch Regreßansprüche nicht ausgeschlossen.

Datensicherung:

Sie umfaßt alle Maßnahmen, die dem Zweck dienen, Daten durch Kopieren vor Verlust zu bewahren und sie durch Aufbewahrung an einem geeigneten Ort (zum Beispiel Datensafe) vor unbefugtem Zugriff und Zerstörung zu schützen.

Datenschutz:

Er ist eine gesetzlich formulierte Forderung, die sich aus dem Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) ableitet. ° 1, Abs. 1, des BDSG besagt sinngemäß, daß personenbezogene Daten vor Mißbrauch jeglicher Art zu schützen sind. Für Anwender mit personenbezogenen Daten ist die Befolgung der Vorschriften des BDSG zwingend vorgeschrieben.

Will man sich vor Datenverlusten schützen, kann dies durch verschiedene Maßnahmen wie Zugriffskontrolle, Paßwortschutz, Systemverwalter, gesperrte Dateien und bauliche Maßnahmen (Brandschutz, Notstromaggregate) geschehen. Diese Maßnahmen sind sinnvoll und richtig, schließen aber einen Datenverlust nicht 100prozentig aus. Deshalb sollten Unternehmen Sicherungskopien von allen relevanten Datenbeständen anlegen.

Disketten sind die am weitesten verbreiteten Datenträger überhaupt. Aufgrund ihrer relativ geringen Kapazität von maximal 4 MB sind sie momentan nur für kleine Datenbestände geeignet. Um den Inhalt einer 20-MB-Festplatte zu speichern, bräuchte man 60 5?-Zoll-Disketten des Typs DS/DD (zweiseitig beschreibbar, doppelte Dichte). In den nächsten Jahren werden die Hersteller sicher Disketten mit 8 oder 16 MB entwickeln, aber gleichzeitig wachsen jedoch auch die Festplattenkapazitäten. Für Disketten spricht andererseits der relativ niedrige Preis und das Vorhandensein entsprechender Laufwerke in jedem Computer, so daß die Anschaffung eines separaten Sicherungssystems entfällt.

Data Cartridges als komfortable Lösung

Data Cartridges und entsprechende Laufwerke sind sicherlich eine komfortable Backup-Lösung. Hierbei werden die zu sichernden Daten auf Magnetbandkassetten im 5?-Zoll- oder 3? -Zoll-Format mit ?-Zoll-Magnetband kopiert. Im Gegensatz zu herkömmlichen Digitalkassetten bestehen Data Cartridges aus einer Aluminium-Basisplatte mit stabilem Kunststoffgehäuse. Der Bandantrieb sitzt in der Data Cartridge, was einen guten Gleichlauf und eine gleichbleibende Bandspannung sicherstellt. Data Cartridges werden mit Speichervolumina geliefert, die den üblichen Festplattenkapazitäten entsprechen, können problemlos gewechselt werden und sind relativ preiswert. Laufwerke gibt es schon für weniger als 1000 Mark, eine Data Cartridge mit 20 MB ist schon für 50 bis 70 Mark zu haben. Der Datensicherungslauf läuft auf Knopfdruck automatisch ab und ist in zirka 15 bis 35 Minuten erledigt. Für große Speichervolumen gibt es Data Cartridges mit Kapazitäten von mehreren GB.

Zuverlässigkeit ist umstritten

1/8-Zoll-Digitalkassetten arbeiten ähnlich wie Data Cartridges, besitzen aber anstelle des präzisen Capstan-Antriebes der Data Cartridge nur einen Spindelantrieb, wie er auch von normalen Audiokassetten bekannt ist. Seine Zuverlässigkeit ist umstritten. Tatsache ist, daß sich kein bedeutender OEM auf dieses System verläßt. Bei den ständig wachsenden Speicherkapazitäten von DV-Anlagen sind Zweifel erlaubt, ob diese Kassetten für Backup/-Aufgaben auch künftig geeignet sind. In den nächsten zwei Jahren erwartet man, daß Dreiviertel der Computersysteme Festplatten mit 80 MB und mehr besitzen.

DAT-Kassetten und Videokassetten werden ebenfalls für Backup-Operationen verwendet, machen aber nur bei enormen Festplattenkapazitäten wirklich Sinn. Für den PC-Nutzer im Büro sind sie nicht zu empfehlen. Bei den Verfahren, die mit Helical-Scan-Techniken arbeiten (Schrägspuraufzeichnung) fehlt bislang außerdem ein allgemeingültiger Industriestandard, den Data Cartridges besitzen, was unter Umständen Kompatibilitätsprobleme verursachen kann.

Die Anschaffung einer zweiten Festplatte gilt als eine der schnellsten und problemlosesten Methoden der Datensicherung. Aber Festplatten sind nicht flexibel und lassen sich nicht abseits des Computers aufheben, was für ein Sicherungsmedium notwendig ist.

Grundsätzlich kann man zwischen zwei Typen von Magnetband- und Cartridge-Laufwerken unterscheiden: Start-/Stop- und Streaming-Laufwerke. "Streaming" ist eine Methode, die es erlaubt, das komplette Band für die Datenaufzeichnung zu nutzen. Start-/Stop-Marken sowie "lnterblock-Gaps" entfallen. Ein Start am Anfang, ein Stop am Ende und dazwischen nur Daten. Dadurch sind Streaming-Laufwerke wesentlich schneller als Start-/Stop-Versionen. Außerdem ist die gebotene Speicherkapazität bei gleicher Bandlänge höher. Streamer-Laufwerke sind sicherlich bei der Datensicherung großer Datenmengen in relativ kurzer Zeit zu bevorzugen.

Wenn die Zeit aber der nicht alles überragende Faktor ist, sollte man das Streaming nicht als Allheilmittel betrachten. Es ist hierbei nämlich nicht möglich, einzelne Files zu sichern. Das Sichern von einzelnen Dateien wiederum ist auf Start-/Stop-Laufwerken möglich. Diese File-by-File"-Streamer sind in der Lage, datenorientiert vorzugehen und somit Datei für Datei einzeln zu sichern. Ein Start-/Stop-System mit entsprechender Software arbeitet zwar langsamer als ein "Schnell"-Streamer, bietet aber dem Anwender weitere Einsatzmöglichkeiten. So ist der PC-Anwender in der Lage, spezielle Dateien auf Band abzuspeichern und im Rahmen eines Datenträger-Austauschs zu versenden oder die "Files" einfach zu archivieren. Besonders leistungsfähige Systeme erledigen beide Betriebsarten - also File-by-File-Streaming und Full-Streaming. Diese Zusatzeigenschaft muß allerdings auch zusätzlich bezahlt werden.

Integrierbare Backup-Systeme sind Laufwerke, die als "Einschub"-Geräte direkt in die PC-Hardware eingebaut werden können. Sie passen genau in die Diskettenlaufwerksöffnung. Hat man zwei Diskettenlaufwerke, empfiehlt es sich, eines dieser Laufwerke für ein Data-Cartridge-Laufwerk zu opfern". Die Baugröße des Diskettenlaufwerks bestimmt dann die Baugröße der Cartridge-Version.

Steht kein zweites Diskettenlaufwerk (beziehungsweise Raum für ein zweites Laufwerk) zur Verfügung, bietet sich eine "Beistell"-Version an. Sind mehrere PCs im Einsatz, können diese alle von dem einen Laufwerk "profitieren. Eine Stand-alone-Version ist leicht von einem PC zum nächsten zu transportieren. Steckerkompatibel sind diese Systeme allemal.

Wieviel Sicherheit ist wirklich notwendig?

Der Sicherheitsgrad, den ein Anwender seinen Datenbeständen zukommen läßt, sollte davon abhängig sein, wie wichtig und wie groß diese sind. Grundsätzlich empfiehlt es sich, Sicherungsläufe um so häufiger vorzunehmen, je größer das Datenvolumen ist. Die Frage, ob einfache oder mehrfache Sicherung notwendig ist, sollte im Zweifelsfall nach dem Grundsatz "Sicher ist sicher" beantwortet werden.

Nur Vorsorge kann helfen, die Folgen von Datenverlusten zu minimieren. Die Einrichtung eines Backup-Systems ist ein wesentlicher Teil der Vorsorge-Strategie. Die Strategie sollte aber zudem noch organisatorisch abgesichert werden. Dazu gehört ein DV-Sicherheits-Manager, der nicht nur allgemeingültige Sicherheitsregeln im Umgang mit dem PC und den Daten erarbeitet, sondern auch die Kompetenz hat, die Befolgung dieser Richtlinien innerbetrieblich durchzusetzen.