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10.03.2000 - 

IT im Tourismus/Interaktives TV, Internet und E-Mail an Bord

Auf hoher See Infotainment im Multimedia-Netzwerk der MS Europa

Mit einem Cruise Infotainment Network (CIN) will der Luxus-Liner MS "Europa" von Hapag-Lloyd seinen Passagieren ihre Kreuzfahrt über die übliche Unterhaltung hinaus vergnüglich, kommunikativ und bequem machen. Bord-TV und die "Tageszeitung" für die Passagiere haben einen weit informativeren Online-Ableger bekommen. Antje Borstel* berichtet.

Die Tourismusbranche boomt. Allein in der Kreuzfahrtindustrie werden in diesem Jahr 15 neue Schiffe in Dienst gestellt. Eine Kreuzfahrt hat ihren besonderen Reiz. Ausgeruht und erholt erleben die Passagiere die Faszination einer Seereise und genießen den Aufenthalt in exotischen Ländern. Darüber hinaus werden die Kreuzfahrtschiffe immer stärker auf bestimmte Kundensegmente zugeschnitten. Die Erfüllung zunehmend höherer Ansprüche im Hinblick auf Kommunikation, Information und Unterhaltung ist dabei ein strategischer Erfolgsfaktor im internationalen Wettbewerb um die Passagiere.

Für die "Europa", das neue Flaggschiff der Kreuzfahrtflotte der Hapag-Lloyd Kreuzfahrten GmbH, sollte ein neuartiges Kommunikations-, Informations- und Unterhaltungssystem realisiert werden, das den Passagieren in den 204 Suiten ständig zur Verfügung steht. Die IDF GmbH aus Hamburg, erfahrener Spezialist für Video- und Audiointegration, übernahm als Generalunternehmer diese Aufgabe.

Die Handhabung sollte für die Passagiere so einfach wie möglich sein. Im Vordergrund stand dabei eine TV-ähnliche Bedienung des Systems. Neben der Entwicklung eines Corporate Design und einer durchgängigen Gestaltung der Bedienoberfläche sollte die Technik weder zu sehen noch zu hören sein.

In Workshops wurden die detaillierten inhaltlichen Anforderungen mit allen beteiligten Schiffsbereichen entwickelt. Fragen wie: Wo finde ich was an Bord, was muss ich während der Reise beachten, was kann ich unternehmen, sollten durch das neue System schnell beantwortet werden. Bislang wurden diese Informationen zu Beginn der Reise in Form von Reiselettern verteilt. Eine tägliche Bordzeitung ergänzte die Informationen um das Tagesprogramm, Öffnungszeiten und die jeweilige Speisekarte. Die Koordination der gebotenen Informationen war mit einem großen Aufwand verbunden und erforderte die tägliche Abstimmung der vielen Schiffsbereiche.

Die größte technische Herausforderung stellte dabei der Entertainment-Bereich dar. Alle 204 Suiten sollten gleichzeitig auf den zentralen Video- und Audio-Server zugreifen können. Vorgabe war ein ständiges Angebot von 100 Spielfilmen, mehr als 180 Reisevideos und 6000 CD-Titeln.

Die Verwaltung aller im System angebotenen Informationen erfolgt zentral in einer Oracle-7-Datenbank.

Die Audiodaten werden im MP3-Format vom Audio-Server bereitgestellt. Das Video-Streaming wird durch eine "NCube 300" realisiert. Dieses System ist auf eine gleichzeitige Übertragung von 200 Videoströmen mit einer Übertragungsrate von je 5 Mbit/s ausgelegt. Zur Sicherstellung der Übertragungsbandbreite wurde das gesamte Netzwerk mit zweimal 6 Gbit/s im Backbone-Bereich ausgestattet. Die Content-Verwaltung der Videokomponente basiert auf dem Oracle-Video-Server. Die Wiedergabe erfolgt über den Oracle-Video-Client.

Das TV-Gerät wurde in Zusammenarbeit mit der Firma Loewe Opta entwickelt. Der Vorteil des neuen Systems ist die Darstellung von S-VGA-Signalen mit einer Auflösung von 800 x 600 Bildpunkten.

Das Ergebnis des Projekts ist eine Lösung, die sowohl in grafischer Hinsicht als auch durch ihre angebotene Funktionsvielfalt einiges bietet.

Die Interaktion mit dem System erfolgt über eine Benutzeroberfläche, die mit Hilfe einer einfachen Fernbedienung alle weiteren Funktionen bereitstellt. Die Online-Reservierung erspart den Passagieren Aufwand und Zeit und ermöglicht dem Schiffspersonal durch die aktuelle Übersicht über das Interesse an den verschiedenen Aktivitäten an Bord, den Raum- und Personalbedarf besser vorauszuplanen.

Die jeweiligen Schiffsabteilungen sind durch speziell zugeschnittene Verwaltungsprogramme in der Lage, ihre Informationen beispielsweise über das Tagesprogramm, Crew und Künstler, Wetter, Fundsachen, Speisekarten unmittelbar und auf sehr einfache Weise in das CIN einzustellen.

Zur Benutzung der speziell für dieses Projekt entwickelten E-Mail-Komponente werden automatisch E-Mail-Adressen für jeden Passagier generiert und dem Reisenden bereits auf der Buchungsbestätigung von Hapag-Lloyd mitgeteilt. Beim Einchecken werden diese Adressen im System automatisch aktiviert und beim Auschecken gelöscht. Jeder Gast erhält so seinen eigenen Posteingangs- und -ausgangskorb.

Die Akzeptanz vonseiten der Passagiere übertrifft alle Erwartungen. Innerhalb kürzester Zeit haben selbst Unerfahrene den Umgang mit dem Systems erlernt. Viele von ihnen kamen zum ersten Mal mit den Themen Internet oder E-Mail in Berührung und sind begeistert davon, wie einfach sich diese Angebote nutzen lassen. Für Hapag-Lloyd ist dieses Feedback sowohl Bestätigung als auch Ansporn, noch individueller auf die Wünsche der Passagiere einzugehen.

Die Crew profitiert ebenfalls von den vielfältigen Möglichkeiten, Informationen jeglicher Art sofort online mitzuteilen. Das CIN beantwortet die meisten Fragen der Passagiere bereits bei der Ankunft und hilft ihnen, sich schnell in der neuen Umgebung zurechtzufinden und sich wohl zu fühlen.

Fazit: Das Cruise Infotainment Network ist ein großer Schritt hin zu einem völlig digitalen System. Künftig sollen Video-, Audio-, Kommunikations- und Telefonnetz zu einem Multimedia-Netzwerk zusammengestellt werden, in das dann auch Raumüberwachung, Steuerung der Klimaanlage, Beleuchtung und Verdunkelung integriert werden.

* Antje Borstel ist Pressesprecherin bei Hapag-Lloyd Kreuzfahrten in Hamburg.