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22.04.1994

Auf Sybase wirkte MS-Partnerschaft zuletzt blockierend Microsoft und Sybase gehen bei SQL Server getrennte Wege

MUENCHEN (hv) - Im verflixten siebten Jahr ist die Datenbankehe zwischen Sybase und Microsoft in die Brueche gegangen. Der Datenbankhersteller erhaelt die vollstaendige Kontrolle ueber seine Produkte zurueck und kann mit seinem neuen SQL Server, System 10, den Markt fuer unternehmensweite Client-Server-Loesungen ansteuern (siehe auch Interview, Seite 9).

Obwohl beide Anbieter die Kompatibilitaet kuenftiger SQL-Server- Versionen garantieren und auch weiter zusammenarbeiten wollen, ist die Missstimmung unuebersehbar. Das neue Abkommen sieht unter anderem vor, dass Microsoft auf Basis des SQL-Server-Codes der Version 4.2 seine eigene Datenbankstrategie entwickelt. Das System wird mit den zugehoerigen Komponenten eng an Windows NT und dessen Nachfolgeprodukt Cairo gebunden. Es soll auch kuenftig ueber Reseller vermarktet werden, zu denen weiterhin Sybase gehoert.

Anwender zweifeln am Kompatibilitaetsversprechen

Datenbanktechnisch bleibt die Gates-Company damit zunaechst auf das untere Marktsegment fixiert - auf die Abteilungsebene. Um den eigenen SQL Server im High-end-Geschaeft zu positionieren, fehlen Microsoft noch die noetigen Connectivity- und Management-Tools. Vice-President Paul Maritz beteuert jedoch, man werde die eigene SQL-Server-Variante aehnlich dem Konkurrenzprodukt von Sybase in Kuerze mit diversen Tools ausstatten.

Sybase widmet sich indessen ganz dem Markt fuer unternehmensweite Client-Server-Loesungen. Im Bundling werden zum System 10 der Backup Server und der Replication Server angeboten. Der kalifornische Datenbankhersteller, der bisher vor allem auf das Betriebssystem Unix setzte, will Software fuer den Einsatz in heterogenen DV-Umgebungen offerieren und dabei nicht nur NT und den Advanced Server unterstuetzen.

Anwender zweifeln einem Bericht der CW-Schwesterpublikation "Computerworld" zufolge an dem Versprechen beider Hersteller, langfristig die Kompatibilitaet zwischen den SQL-Server-Produkten zu gewaehrleisten. Zu unterschiedlich seien die Strategien, nach denen Microsoft seinen SQL Server eng an Windows NT binde und Sybase aus seiner Variante eine Client-Server-Software fuer heterogene Systemumgebungen mache.

Neben dem High-end-Markt, in dem Sybase vor allem auf offenen Plattformen erfolgreich agiert, plant der Datenbankhersteller nun auch, das PC-Geschaeft intensiver zu betreiben. Noch in diesem Sommer soll eine neue Loesung fuer den Low-end-Datenbankmarkt angekuendigt werden. Naehere Angaben will Wolfgang Martin, Marketing-Direktor der Duesseldorfer Niederlassung, noch nicht machen.

Vor allem das OS/2-Business war wegen des Abkommens mit Microsoft fuer Sybase praktisch ueber Jahre blockiert gewesen. Verstaendlicherweise hatte der NT-Anbieter nur verhaltenes Interesse gezeigt, das konkurrierende Betriebssystem zu unterstuetzen. Ob nun allerdings Sybase den IBM-Markt mit der neuen Datenbankversion 10 bedienen wird, ist noch unklar. Eine Entscheidung werde "demnaechst" fallen, kuendigt Technologiechef Bob Epstein in der "Computerworld" an. Bis dahin erhalten SQL-Server- Anwender unter OS/2 weiter die Version, die auch von Microsoft angeboten wird.

Das OEM-Abkommen lohnte sich immer weniger

Gegenseitige Abhaengigkeiten zwingen beide Unternehmen offenbar dazu, der Oeffentlichkeit den Eindruck einer Trennung in Freundschaft zu vermitteln. Anderer Ansicht sind jedoch Analysten wie Bobby Cameron von der Forrester Research Group, der im Gespraech mit dem "Wall Street Journal" kommentiert: "Es handelt sich um eine Scheidung - und zwar um eine schmerzhafte." Zuletzt sei die Partnerschaft sehr einseitig gewesen, vor allem Microsoft habe profitiert.

Zahlen stuetzen die These. Weniger als fuenf Prozent des Umsatzes hatte Sybase mit Lizenzgebuehren erwirtschaftet, die ueber den OEM- Partner Microsoft hereinkamen, erklaert der deutsche Marketier Martin. Dabei waren dem Unix-Datenbankspezialisten im OS/2- und Windows-NT-Umfeld die Haende gebunden: Diese Maerkte befanden sich in Microsoft-Obhut, wobei Sybase vergleichsweise bescheidene Summen ueber Lizenzgebuehren verdiente. Trotz der Trennung werden sich die Ex-Partner wohl weiterhin zusammenraufen. Immerhin zahlt Microsoft auch kuenftig fuer jede verkaufte SQL-Server-Version Gebuehren an Sybase. Der Datenbankhersteller bleibt seinerseits auch Reseller des Microsoft-Systems, obwohl er ein Konkurrenzprodukt anbieten kann.