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11.05.2001 - 

IPOs sind erst wieder 2002 geplant

Augusta: Wachstum trotz Börsenkrise

FRANKFURT/M. - Trotz eines Gewinnrückgangs setzte die seit drei Jahren am Neuen Markt notierte Augusta Technologie AG auch im Geschäftsjahr 2000 ihren Wachstumskurs fort. Das nach wie vor schwierige IPO-Umfeld wird allerdings auch 2001 Bremsspuren in der Bilanz der Frankfurter Management-Holding hinterlassen. Von Andrea Goder*

Von den heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten blieb auch die Augusta-Unternehmensgruppe nicht verschont. Im November 2000 musste der Börsengang der in Germering bei München ansässigen Data Display AG bis auf weiteres abgesagt werden. An dem Hersteller von TFT-Flachbildschirmen ist Augusta mit 69,4 Prozent beteiligt. Erlöse aus dem geplanten Börsengang des Tochterunternehmens waren zwar nicht in die Gewinnprognosen 2000 eingerechnet, entstandene Kosten für die Vorbereitung des IPO schlugen aber mit einem Minus von 1,2 Millionen Euro zu Buche.

Im Rahmen der ErwartungenInsgesamt ist die Verschiebung des Börsengangs von Data Display kaum mehr als ein Schönheitsfehler im Geschäftsbericht 2000. Mit einem Jahresüberschuss von 9,7 Millionen Euro liegt Augusta zwar noch im Rahmen der Analystenschätzungen. Der Gewinn pendelt allerdings deutlich unter den im Vorjahr erzielten 13,6 Millionen Euro. Auch das Ebit verschlechterte sich von 35,9 auf 31,4 Millionen Euro.

Auf der Bilanzpressekonferenz versuchte Vorstandsvorsitzender Axel Haas den Gewinnrückgang mit "Einmaleffekten" im Geschäftsjahr 1999 zu begründen. Demnach habe die Tochtergesellschaft D-Log, ein Hard- und Softwarehersteller für Automatisierungsprozesse, vor zwei Jahren einen Großauftrag von der Deutschen Bahn in Höhe von 18,6 Millionen Euro akquiriert, der in der Bilanz 1999 einen überproportionalen Gewinnsprung nach sich zog.

Profitable HessenTrotz des Ergebnisrückgangs im letzten Geschäftsjahr sieht Vorstandschef Haas die Augusta-Firmengruppe immer noch als eines der "profitabelsten Unternehmen" am Neuen Markt. Und auch in Sachen Umsatzwachstum seien die Hessen ihren Investoren in der Vergangenheit nichts schuldig geblieben. Insgesamt kletterten die Einnahmen im Geschäftsjahr 2000 um 18,6 Prozent auf 204,3 Millionen Euro nach 172,2 Millionen Euro im Vorjahr. Zum dritten Mal in Folge habe damit die Unternehmensgruppe, der aktuell zehn Beteiligungen angehören, die eigenen Prognosen übertroffen und gleichzeitig eine solide Profitabilität unter Beweis gestellt.

Kernstrategie der 1995 vom heutigen Firmenchef Haas gegründeten Management-Holding ist es, sich nicht an Startups zu beteiligen. An Firmen aus der New Economy haben sich die Frankfurter, die durchweg Mehrheitsbeteiligungen mit Langzeit-Engagements eingehen, bis heute nicht die Finger verbrannt. Als Holding öffnen die Hessen ihren Firmentöchtern das Tor in ausländische Märkte und setzen auf Synergien innerhalb der Unternehmensgruppe. Wesentlicher Kern des Business-Modells ist es außerdem, die Beteiligungen mit Kapital auszustatten, um sie später möglichst gewinnbringend an die Börse zu bringen. Neben Einnahmen aus IPOs und Firmenverkäufen sind die summierten Gewinne der Tochtergesellschaften die mithin wichtigste Ertragsquelle.

Um das Risiko für Investoren und natürlich für die Holding selbst zu verringern, konzentriert sich Augusta auf drei ITK-Märkte mit jeweils unterschiedlichen Konjunkturzyklen. Das dynamischste Wachstum zeigte im letzten Geschäftsjahr die Unternehmenssparte "Sensorik" mit einem Umsatzanstieg von 59,5 Prozent auf 76,6 Millionen Euro. Die insgesamt vier Firmen in diesem Bereich, darunter Dewetron, HE Hybrid und Sensortechnics, sind auf Hybridelektronik, Sensoren und Mikrosystemtechnik spezialisiert.

Know-how im Bereich digitale Bildverarbeitung wurde in den letzten Monaten durch den Kauf der Firmen Sticksel CCD Kameratechnik und Weinberger aufgebaut. Als konsequent werten Analysten den erst vor wenigen Wochen erfolgten Verkauf des Waagenherstellers Korona an die US-Firma Bonso Electronics International. Das Lowtech-Handelsunternehmen habe mit nur niedrigen Margen nicht ins Portfolio einer Technologieholding gepasst.

Im zweiten Geschäftsfeld "Software und Systemtechnik" wurde Augusta im letzten Geschäftsjahr mit einer Wachstumsdelle konfrontiert. Aufgrund des bereits erwähnten "D-Log-Effekts" kam es in diesem Bereich zu einem Umsatzrückgang um 9,4 Prozent auf 91,2 Millionen Euro. Vom Börsenkandidaten Data Display abgesehen, stagnierten die Umsätze jedoch auch beim Visualisierungsspezialisten Elektronik-Systeme Lauer und der Dr. Keil Informationstechnik GmbH, einem Anbieter von Individualsoftware.

Fragezeichen hinter PandatelZweifel an der Wachstumsstory sind seit kurzem auch an der bereits am Neuen Markt notierten Pandatel AG laut geworden - dem bis Dezember letzten Jahres einzigen Vertreter des Geschäftsfeldes "Kommunikationstechnologie". Der Hamburger Glasfaserspezialist, der zuletzt 86 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielte, bekommt laut Haas derzeit die "dramatischen Veränderungen im TK-Markt" zu spüren: "Das für dieses Jahr geplante Wachstum sehen wir nicht", musste der Augusta-Chef einräumen, der für den einstigen Börsen-Highflyer eine Umsatzwarnung ankündigte und 2001 nur mehr Einnahmen auf Vorjahresniveau (36,5 Millionen Euro) erwartet. Zudem betonte Haas, dass Augusta mehr sei als die "Pandatel-Holding". Pandatel repräsentiere knapp 50 Prozent des Börsenwertes von Augusta, liefere aber lediglich 28 Prozent Ergebnis- und nur 16 Prozent Umsatzbeitrag.

Den sich bei Pandatel abzeichnenden Umsatzrückgang glaubt Haas mit dem insgesamt hohen Auftragseingang der Augusta-Gruppe kompensieren zu können. Ein Schwergewicht haben sich die Hessen im Dezember mit der zu 90 Prozent akquirierten ND Satcom GmbH, Friedrichshafen, ins Portfolio gehievt. Die von Nortel Networks übernommene Company ist auf die Entwicklung stationärer und mobiler Satellitenbodenstationen sowie satellitengestützter Kommunikationsnetze spezialisiert und erzielte im letzten Geschäftsjahr 70,6 Millionen Euro Umsatz. Durch den Zukauf avancierte das bis Ende 2000 kleinste Geschäftsfeld "Kommunikationstechnologie" zum mittlerweile umsatzstärksten Standbein der Firmengruppe.

Getrübte IPO-StimmungFür das Geschäftsjahr 2001 rechnet Augusta-Chef Haas mit einem organischen Wachstum von 60 Prozent und einem Ebit-Anstieg auf 37,9 Millionen Euro. Die nach wie vor getrübte IPO-Stimmung an den Finanzmärkten dürfte das Akquisitionstempo der Frankfurter Technologieholding in diesem Jahr allerdings deutlich drosseln. Entgegen den ursprünglichen Planungen wird das Augusta-Management auch 2001 keine Töchter auf das Börsenparkett bringen. Eine für die Hessen empfindliche Zäsur: Immerhin gehört es zur Unternehmensstrategie, dass Beteiligungen durch IPOs wachsen und mit den erzielten Emissionsgewinnen die Kasse für neue Firmenkäufe gefüllt wird.

Die flaue Entwicklung am Kapitalmarkt sieht Haas, der erst 2002 mit dem Börsengang von drei IPO-Kandidaten wieder in die Offensive gehen will, dennoch gelassen: "Die Unternehmen brauchen kein Geld und wachsen aus eigener Kraft", stellte der 50-jährige Manager in Frankfurt klar. Rund 75 Millionen Euro habe Augusta derzeit in der Kasse. "Wir können noch einiges zu vernünftigen Preisen kaufen", versicherte Haas.

Aktienrückkauf geplantAnders als viele Neue-Markt-Player habe Augusta in der Vergangenheit Akquisitionen mit Cash finanziert. "Generell ist es schwierig, mit Neuen-Markt-Aktien Unternehmen der Old Economy zu bezahlen", weiß Haas. Von dieser Strategie werden die Frankfurter jetzt allerdings abrücken. Firmenchef Haas will das derzeit niedrige Kursniveau nutzen, um - wie in den letzten Wochen bereits geschehen - eigene Aktien zurückzukaufen. In Zukunft soll dann auch die Akquisitionswährung Aktie zum Einsatz kommen. Als eines der wenigen Unternehmen am Neuen Markt zahlt Augusta seinen Aktionären eine Dividende. Nach 0,31 Euro sind für dieses Jahr 0,35 Euro geplant.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.

Abb: Unternehmensentwicklung

Quelle: Augusta