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11.05.2001 - 

Neue Geschäftsmodelle für Internet-Marktplätze

Auktionsplattform Econia.com setzt auf Beratung

MÜNCHEN (sp) - Für den Firmeneinkauf bieten elektronische Marktplätze klare Vorteile und gelten daher als Handelsform der Zukunft. Damit die Betreiber Geld verdienen können, muss der Handel jedoch florieren, und davon kann zurzeit nicht die Rede sein. Zudem hat die Krise der New Economy das Vertrauen in den E-Commerce nachhaltig erschüttert.

Um nicht mehr von der Zahl der getätigten Transaktionen abhängig zu sein, sehen sich immer mehr Marktplatzbetreiber nach neuen Finanzierungsmodellen um. Portum.com etwa versteht sich inzwischen als "Enabler", der Firmen die für den Aufbau von Internet-Marktplätzen erforderliche Software zur Verfügung stellt. Mit rund 70 Programmierern entwickelt sich die B-to-B-Plattform zunehmend in Richtung Systemhaus.

Auch Konkurrent Econia.com, der eine Beschaffungsplattform für Produkte aus den verschiedensten Branchen betreibt, hat aus dem schleppenden Auktionsgeschäft seine Konsequenzen gezogen. Inzwischen lässt sich das Unternehmen Beratung, Konzeption und Training bezahlen - in Form von Basislizenzen beziehungsweise festen Tagessätzen.

Das ursprüngliche und für Online-Markplätze typische Geschäftsmodell, nach dem bei jeder Transaktion ein fester Prozentsatz des Handelsvolumens an den Betreiber abgeführt wird, hat sich nach den Worten von Chris Schroers, Gründer und Vorstand von Econia.com, nicht bezahlt gemacht. Die Anlaufschwierigkeiten, die nicht wenigen Marktplätzen zum Verhängnis geworden sind, machten auch Econia.com zu schaffen. "Der Markt blieb hinter den Erwartungen zurück", so Schroers

Von den im vergangenen Jahr umgesetzten 180 Millionen Euro nahmen die Kölner 40 Prozent allein im vierten Quartal ein. Davor sei man im Wesentlichen damit beschäftigt gewesen, die Kunden mit umgekehrten Auktionen vertraut zu machen und sie mit Bedarfsanalysen und der Suche nach qualifizierten Lieferanten beim Einkauf zu unterstützen. Doch diese in der Regel unentgeltlichen Leistungen kamen das Startup teuer zu stehen. Nicht selten nahmen potenzielle Neukunden die Beratung in Anspruch und tätigten anschließend keine einzige Transaktion.

Das soll jetzt anders werden. "Wir nähern uns bei der Finanzierung immer mehr dem Softwaregeschäft an," beschreibt Schroers den Kurswechsel seines Unternehmens, das er weniger als Marktplatz, sondern als "Beschaffungsberater" verstanden wissen will. Zudem habe die neue Abrechnungsform auch für die Kunden Vorteile: Die je nach Transaktionsvolumen unterschiedlich ausfallenden Gebühren ließen sich schwer kontrollieren und vermitteln. Lizenzen und Honorare seien dagegen problemlos budgetierbar.

Mit dem neuen Geschäftsmodell hofft der junge Firmenchef, den Breakeven "deutlich früher" zu erreichen als ursprünglich angenommen. Während er auf der Basis von Transaktionsgebühren nicht vor dem dritten bis vierten Quartal kommenden Jahres mit dem Erreichen der Gewinnschwelle gerechnet hatte, hält Schroers jetzt bereits das erste Quartal 2002 für realistisch.

Allerdings sei die anhaltende Krise in der New Economy dabei nicht gerade hilfreich, räumt er ein. Das Vertrauen in den E-Commerce sei erschüttert, viele Projekte würden auf die lange Bank geschoben. "Diese Abwartehaltung ist fatal - vielen Marktplatzbetreibern geht einfach das Geld aus", so der Econia-Chef. Dennoch will er optimistisch bleiben - zumal sich kürzlich ein weiterer privater Investor gefunden habe. Damit sei die Zukunft erst einmal gesichert.