Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

31.01.1986

Aus dem Risiko Chancen gestalten

Als der Club of Rome 1972 sein Buch "Die Grenzen des Wachstums" veröffentlichte, meldeten sich sofort die Kritiker. Sie fanden die Darlegungen schlicht unakzeptabel. Offenbar unterschätzt hatten die Autoren den wachsenden Einfluß der EDV. Erst 1982 zogen sie nach, berichteten darüber unter dem bezeichnenden Titel "Auf Gedeih und Verderb". Die künftige Entwicklung kommentierte kürzlich auch Big Brother, die IBM:

"Die Anwendung der Informations- und Kommunikationstechnik ist in eine neue Dimension hineingewachsen. . . . Moderne

Informationsverarbeitung findet heute - gewissermaßen hautnah - an Hunderttausenden von Büroschreibtischen, in Werkstätten und Lagerhallen, in Bibliotheken und Supermärkten, in Krankenhaus-Aufnahmestationen und an Theaterkassen statt. . . . Wir müssen lernen, unsererseits die Technik zu beherrschen, damit wir bewußt und verantwortlich mit ihr umgehen können." Wirklich wahre Worte!

Dabei verlief die Entwicklung der Computer, speziell seit den goldenen sechziger Jahren, immer stürmischer. Unser Jahrzehnt kündigt in der Tat eine Revolution an: mit Computern der 4. Generation, CAD/CIM, Btx und Kommunikationsnetzwerken. Neuerungen, die zwar euphorisch als Fortschritt gepriesen werden, denen die meisten Menschen jedoch ahnungslos oder skeptisch gegenüberstehen.

Ein Vergleich mit dem Mobile drängt sich auf, dem verzweigten, von der Decke herabhängenden Gebilde aus Faden und Draht. Ein Luftzug, eine leichte Berührung setzt es in Bewegung. In gleicher Weise verändert die EDV ständig immer mehr Bereiche unseres Lebens. Nur, haben wir die Auswirkungen immer im Griff? Ist die neue Technik zum Stein der Weisen geworden? Die Meinungen darüber sind geteilt. Ob Bauteile, Hardware oder Software, Programme, Betriebssysteme oder Datenschutz, den Herstellern geht es primär ums Geschäft - knallhart. Realistische Langzeitplanungen sind Mangelware. In allen Unternehmen lauern die Fachleute nur darauf, welche Neuerung die Konkurrenz als nächstes auf den Markt bringt - um dann schnell nachzuziehen.

Wissen die EDV-Experten eigentlich um das Ausmaß ihrer Verantwortung? Es geht um weit mehr als um Megachips, Programme und Produktivität. Zu viele Bereiche des Lebens und des Zusammenlebens sind betroffen. Können wir uns denn die Kluft zwischen Industrienationen und unterentwickelten Ländern mit ihrer Rückständigkeit, ihrer Bevölkerungsexplosion und ihrem Hunger leisten? Wie wollen wir daraus resultierende Krisen meistern? Ist das Innovationstempo noch sinnvoll, ja, überhaupt noch zu bremsen? Oder überfordern wir damit den Menschen, schüren wir so die Technikfeindlichkeit und die schon heute bestehende Angst vor der Verdatung?

Die Angst sitzt tiefer, als uns das lieb sein kann. Zuviel steht auf dem Spiel. Kann die DV die Gegensätze ausgleichen, Arbeitsplätze sichern, Katastrophen verhindern? Politiker und Wirtschaftler an den Schaltstellen der Macht haben natürlich Antworten und "Rezepte" parat. Ob sie befriedigen, wie lange sie gültig sind, steht auf einem anderen Blatt. Nicht Versprechungen sind gefragt, sondern solide Lösungen. Die Probleme wachsen; sie werden drängender.

So gesehen, muß also die DV als Chance verstanden werden, um Schwierigkeiten zu überwinden. Als vordringlich anzusehen sind diese Aufgaben:

1. Weitere Standardisierung und Optimierung von Hard-und Software sowie die Festlegung verbindlicher Qualitätsnormen.

2. Optimale Planung und Koordinierung des DV-Einsatzes unter besonderer Berücksichtigung der Lösung globaler Aufgaben, zum Beispiel sinnvolle Bereitstellung von Nahrungsmitteln, Rohstoffen und Energie, Überwindung des Elends in der Dritten Welt.

3. Verbesserter Datenschutz und ausreichende Datensicherung.

4. Verbesserung der Akzeptanz der DV durch einfachste Bedienung der Geräte, durch Abbau des DV-Chinesisch und durch Langzeitstrategien für die Weiterentwicklung der DV.

5. Humanisierung der Arbeit, das heißt Revision der Ausbildung für bestehende Berufe und Festlegung der Anforderungen für neue Berufe sowie Schulung und Qualifizierung der Mitarbeiter für die neuen Arbeitstechniken.

Vermutlich wird dieser Katalog den Leitenden wenig schmecken. Allein, die These, daß die DV zwangsläufig höhere Produktivität und mehr Lebensqualität gewährleistet, ist bis jetzt unbewiesen. Es kann durchaus sein, daß der Mensch an seine Leistungsgrenzen stößt. - Wenn schon die Ölmultis viel zu tun haben, für die DV gibt es noch weit mehr anzupacken, jetzt und heute. Weil wir lernen müssen, die neuen Techniken zu meistern.