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29.08.1975

Aus der Kaserne ins Rechenzentrum:Soldaten werden EDV-Fachleute

MÜNCHEN - Die Bundeswehr, Schule der Nation, bringt ihren Soldaten nicht nur das Schießen bei. Im Dienst und vor allem durch die nach der Dienstzeit angebotene Berufsförderung für Soldaten auf Zeit kann man auch EDV-Karriere machen.

In bundeswehreigenen Rechenzentren (25 EDV-Anlagen in 18 RZ) im Verwaltungsbereich arbeiten außerdem rund 1500 EDV-Fachleute als Zivilangestellte. Nicht selten sind es ehemalige Soldaten. Im Rüstungsbereich sind für Forschung und Experiment ebenfalls zivile Experten an EDV-Anlagen tätig. Zahlen können aus verständlichen Gründen nicht genannt werden. Schließlich sind im rein militärischen "Frontabschnitt" der Bundeswehr Computer in großer Zahl für die Abwehrbereitschaft unentbehrlich. Sie treiben Feindaufklärung, steuern moderne Waffensysteme und dechiffrieren Funksprüche designierter Gegner.

Bund bezahlt Ausbildung

Soldaten haben also vielfältig Gelegenheit, in der Dienstzeit mit dem Computer in Kontakt zu kommen. Das mag sie anrege, nachher auch mit der EDV im Gespräch zu bleiben, oder gar in einen EDV-Beruf umzusteigen.

Das Gesetz über die Berufsförderung für Soldaten auf Zeit macht das leicht. Ministerialdirektor Dr. Tuschoff vom Bundesverteidigungsministerium: "Wir legen Wert darauf, daß Soldaten auf Zeit nach dem Wehrdienst beruflich wieder Anschluß finden und das fördern wir."

Nach dem Gesetz haben Soldaten auf Zeit in Abhängigkeit von der Dienstzeit nicht nur Anspruch auf eine Barabfindung, sondern auch auf kostenlose Berufsausbildung. Im Minimum bei vier Jahren Dienstzeit gibt es sechs Monate kostenlose Ausbildung. Das reicht beispielsweise für einen Programmierlehrgang. Bei zwölf Jahren Dienstzeit kann der Exsoldat 36 Monate auf Staatskosten studieren: genug, um etwa Betriebswirt (grad.), Fachrichtung EDV, zu werden.

Das Angebot wird genutzt. Von 1960 bis 1975 ließen sich - bei freier Wahl des Ausbildungsinstitutes - 5600 ehemalige Zeitsoldaten zu Computeuren umschulen bzw. ausbilden.

Die Aufschlüsselung für 1974 ergibt: 81 Programmierer, 39 Organisatoren, fünf Operateure, sechs DV-Kaufleute, sechs DV-Fachleute, zwei Systemanalytiker, 24 Betriebswirte EDV, ein Produktionsberater EDV, ein System-Ingenieur und zwölf andere DV-Experten.

Nach Eignung und Neigung

"Gefördert wird nach Eignung und Neigung", weiß Ministerialdirektor Tuschoff zu berichten, "und die Erfahrung zeigt, daß viele ehemalige Soldaten ihre Berufschancen erheblich verbessern konnten".

Dafür gibt es Beispiele. Der Former K. H. verpflichtete sich auf acht Jahre beim "Bund". Im Dienst wurde er zum Fahrlehrer ausgebildet, nachher zum DV-Organisator. Er verdient heute bei einer Versicherungsgesellschaft 2500 Mark im Monat. Sein Formerlohn würde heute etwa 1500 Mark betragen.

Der ehemalige Bankkaufmann W. S. war in seiner achtjährigen Dienstzeit als Rechnungsführer tätig. Als Feldwebel quittierte er seinen Dienst und ließ sich zum Betriebswirt ausbilden. Eine Bank zahlt heute dem EDV-Organisator monatlich 2500 Mark Anfangsgehalt. Als Bankkaufmann würde er fast 1000 Mark weniger verdienen .

Den Einzelhändler B. E. zog es zur Marine. Er diente brav acht Jahre im Signaldienst. Der Bund bezahlte das Studium an einer Wirtschaftsfachschule. Jetzt ist der Exsoldat Systemanalytiker in einem Großunternehmen und kassiert monatlich 2500 Mark, 700 Mark mehr als ihm in seinem alten Beruf tarifmäßig zustünde.

Arbeitgeber Bundeswehr

Einen Arbeitsplatz zu finden erwies sich für ehemalige Zeitsoldaten und jetzige EDV-Fachleute als nicht schwierig. Die Bundeswehr selbst beschäftigt sie gern.

"Wenn sich ein ehemaliger Soldat bewirbt, freuen wir uns natürlich. Denn da wissen wir, was wir kriegen", sagt dazu Oberregierungsrat Gerhard Feind, Leiter der Abteilung DV I in der Bonner Ermekeilkaserne. os