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19.03.1993 - 

Briefe

Aus einem Trabi wird kein Mercedes

Die beiden Leserbriefe beziehen sich auf eine Untersuchung von CASE/4GL/DBMS-Umgebungen im Grossrechnerumfeld, die 1990/91 durchgefuehrt wurde und deren deutschsprachige Zusammenfassung die COMPUTERWOCHE am 22. Januar veroeffentlichte.

Beanstandet wurde, dass eine Testserie, die bereits zwei Jahre zurueckliegt, noch zum heutigen Zeitpunkt diskutiert wird. Sowohl die CW als auch ich waren uns ueber das Alter der Studie im klaren und haben dazu auch Stellung bezogen.

Im Gegensatz zu den Leserbriefschreibern, beides Marketing- Manager von DV-Produkten, sind wir der Meinung, dass der Vergleich mit den Erzeugnissen der Automobilbranche hinkt. Es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen Fahrzeugen, die vom Benutzer in relativ kurzen Zeitraeumen ausgetauscht werden, und Software- Entwicklungssystemen, die langfristig geplant und eingesetzt werden.

Waeren Software-Entwicklungssysteme wirklich alle noch ein oder zwei Jahren veraltet, so koennten sie kaum Beruecksichtigung in einer langfristig ausgelegten DV-Strategie finden. Natuerlich behalten solche Systeme ihre charakteristischen Merkmale ueber lange Zeitraeume. Ausserdem: Selbst in der Automobilindustrie kann man innerhalb von zwei Jahren aus einem Trabi keinen Mercedes machen.

Das Alter spielt fuer den Benutzer auch gar nicht die entscheidende Rolle. Selbst wenn die Tests die allerjuengste Version einer Produktgruppe zum Gegenstand haben, muss sich jeder Interessent selbst ein Bild machen, wie weit die Ergebnisse auf seine Anforderungen zutreffen. Tests ersetzen niemals die eigene Untersuchung, doch sie zeigen konkrete Ansatzpunkte auf.

Nicht richtig ist die Feststellung, dass die Entwickler gezwungen waren, Fremdprodukte zu benutzen. Gefordert war lediglich, eine Loesung der Testaufgabe zu erarbeiten. Welche Produkte dabei eingesetzt werden, hatte allein der Teilnehmer zu entscheiden. Von einigen Herstellern wurde ein Produkt benutzt, mit dem die gesamte Entwicklung abgedeckt wurde (zum Beispiel bei IEF). In den meisten Tests kamen zur Erreichung des gesetzten Ziels aber mehrere Produkte zum Einsatz (zum Beispiel bei Cincom: Mantis, IEW, Supra und Easy).

Im Fall von IEF liess sich schon in der getesteten Version 4.1 aus den Spezifikationen automatisch Quellcode generieren. Bei einfachen Spezifikationen ist dieses Verfahren elegant. Bei detaillierten und komplexen Regeln wird es aber muehselig, denn was man frueher auf Programmebene eingegeben hat, muss nun auf Spezifikationsebene definiert werden. Daran hat sich im Prinzip wenig geaendert.

Vergleichstest von DV-Entwicklungsumgebungen sind leider recht selten. Trotz ihres Alters stoesst die Untersuchung von 1990/91 aber noch heute auf reges Interesse. Sie ist nach wie vor relevant, ersetzt jedoch heute wie vor zwei Jahren nicht die selbstaendige Untersuchung des Anwenders. Allein zu der Januar-Veroeffentlichung erreichten mich mehr als 50 Anfragen. Unsere Untersuchung wird zur Zeit im Unix-Bereich fortgesetzt. Gegebenenfalls werden wir auch wieder Veraenderungen im Grossrechnerbereich untersuchen.

Eberhard Rudolph

Fachhochschule Bremerhaven