Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

04.12.1981

Ausbildung ist automatisierbar:Video muß auch ohne Trainer erfolgreich sein

Die Entscheidung für oder gegen Video wird in aller Regel bei der Unternehmensleitung liegen. Hier springen besonders die "Pluspunkte" ins Auge: Eine definierte Unterrichtseinheit mit integrierten Videoteilen, Begleitbüchern, weiteren Medien und fester Rollenzuweisung des Koordinators garantiert den Unterrichtserfolg einschließlich seiner Kontrolle, läßt sich zeitlich exakt planen und von der Kostenseite eindeutig festlegen. Kann aber Video ohne Trainer erfolgreich sein? Diese Frage ließe sich durchaus ernsthaft sowohl mit "ja" als auch mit "nein" beantworten. Eine Entscheidung setzt allerdings die Definition der Fragekomponenten voraus.

Die ausschließliche Verwendung des Mediums Video hat eigentlich im pädagogischen Bereich nie eine nennenswerte Rolle gespielt, da die didaktischen Möglichkeiten auch nach jahrelanger Erfahrung in der Hauptsache immer noch "nur" in der Vermittlung von abfragbarem Wissen zu sehen sind. Die vom Fernsehen bekannte Unterhaltungsfunktion des Mediums scheint sich bei uns noch immer nicht mit der Forderung nach "Bildung" oder "Wissen" zu vertragen. Nach dieser Auffassung kann Video also nur entweder Wissen und Information oder Motivation durch Unterhaltung vermitteln.

Im Sinne der Fragestellung läßt sich daher bereits eine grobe Differenzierung vornehmen; Video ist ein Medium, das als Selbstzweck verstanden, in der Aus- und Weiterbildung keine Funktion haben sollte. Ausschließlicher Videoeinsatz wäre geeignet, die Zuschauer bei entsprechendem Unterhaltungswert entweder zu motivieren oder - bei geringerem Unterhaltungswert - nach Art des alten Frontalunterrichts zu informieren.

Aus dieser Differenzierung ergibt sich bereits eine Forderung, das Medium dort einzusetzen, wo seine unbestreitbaren Qualitäten liegen, nämlich als Motivations- und Vermittlungsinstrument. Dies kann nur sinnvoll geschehen, wenn diese beiden Komponenten funktionsgerecht in ein Gesamtkonzept eingebettet sind.

Mit etwas Subjektivem belastet

Auch der Begriff "Trainer" beinhaltet verschiedene Funktionsmöglichkeiten. Zunächst gibt es den kompetenten und souveränen Fachmann oder Vorgesetzten, der mit Sicherheit über genügend Vorsprung verfügt - nicht immer aber über die Fähigkeit, Sachinhalte auch verständlich zu vermitteln. In den Fällen, wo dieser Trainer gleichzeitig auch der Vorgesetzte ist, kommt zur Lehrer-Lerner-Beziehung eine Komponente hinzu, die eben diese Beziehung mit etwas Subjektivem belastet Daneben ergibt sich die Schwierigkeit, den hochkarätigen Fachmann ständig verfügbar zu halten, große Gruppen schulen zu können, was nicht zuletzt eine Kostenfrage ist. Andererseits kann der Trainer grundsätzlich von der ständigen Vermittlungsfunktion (für ihn oftmals Vermittlungsdruck) befreit werden, indem statt dessen je nach Erfordernis die geeigneten Medien eingesetzt werden. In diesem Falle bliebe ihm die Aufgabe, selbst diese Lehrmittel auszuwählen, bereitzustellen und ihren Einsatz nach einem sinnvollen Konzept zu steuern. Er sollte eigentlich eher Pädagoge als (zum Beispiel EDV-)Fachmann sein; da hier die größte Bedeutung im Arrangement von Lernsituationen liegt. Dieses Modell des Trainers finden wir heute in der modernen Lehrerausbildung, nachdem in der Schule (laut Richtlinien) das "Lernen lernen" im Vordergrund steht. In der innerbetrieblichen Aus- und Weiterbildung sollte dieser Prozeß jedoch weitgehend abgeschlossen sein, weshalb diese Trainerfunktion in unserem Zusammenhang mehr der Unterscheidung dient.

Die Person tritt zurück

Im Gegensatz dazu entbindet die dritte Möglichkeit schließlich den Trainer weitgehend von der Schwierigkeit, sich für jeden Schulungsbereich erneut ein didaktisches und methodisches Konzept zurechtlegen zu müssen. Er kann mit einem vorgegebenen Unterrichtsmodell arbeiten, das - ständig erprobt und verbessert - den optimalen Einsatz seiner Person und der verschiedenen Medien fast garantiert. Er selbst tritt als Person weitgehend zurück, damit werden Lernvorgänge objektivierbar - und das ist der ganz entscheidende Vorteil: Sie werden objektiver beurteilbar.

Die Aufgabe des Trainers ist dadurch nicht geringer oder gar unwichtiger geworden; das Gewicht liegt nur mehr auf der Seite Koordination und Administration, wobei die Administration delegierbar ist. Selbstverständlich kommt es seiner Arbeit zugute, wenn der Trainer fachlich kompetent, in der Hierarchie höherstehend und von der Unternehmensleitung mit jeglicher Unterstützung ausgestattet ist.

"Erfolg als Konzept", dieses verbreitete Schlagwort bedarf wohl einer Definition, da "Erfolg" isoliert betrachtet ohne Inhalt ist. In unserem Falle kann man wohl zunächst vom Lernerfolg ausgehen, also dem meßbaren Ergebnis von Aus- und Weiterbildung. Dies kann einmal aus der Sicht des Lernenden, aber auch aus der des Lehrenden betrachtet werden. Schließlich hat auch noch der "Veranstalter", also der Unternehmer, ein berechtigtes Interesse am Erfolg der Veranstaltung.

Durch die verschiedenen Sichtweisen wird bereits nahegelegt, daß es äußerst schwierig ist, eine einheitliche Beurteilung eben dieses Lernerfolges vorzunehmen. Die Lösung liegt in einem Schulungskonzept, das definierte Lernziele (für den Lehrenden und den Lernenden) vorgibt, das Wege und Möglichkeiten zum Erreichen dieser Lernziele transparent macht und nicht zuletzt ein Instrumentarium "mitliefert", das eine objektivierbare Kontrolle ermöglicht, besser noch sichert. Dies liegt natürlich ebenfalls im Interesse der Unternehmensleitung, die darüber hinaus den Kostenfaktor als Kriterium für den Gesamterfolg mit einbeziehen muß.

Aus dieser Differenzierung der Frage "Kann Video ohne Trainer erfolgreich sein?" kann nur dann ein eindeutiges "Ja" hervorgehen, wenn gleichzeitig die Lösung in ein eindeutiges Unterrichtskonzept mündet. Daraus ergeben sich allerdings einige Forderungen an die einzelnen Fragekomponenten.

Das Medium wird - neben anderen - in ein Konzept eingebettet, wo es optimal leistungsfähig ist. Dies geschieht unbestreitbar im Bereich Motivation, nämlich durch den Unterhaltungswert; in der Demonstration von Realsituationen, die ansonsten nur sehr schwer reproduzierbar wären, sowie in der Verdeutlichung von schwierigen Sachverhalten und komplexen Zusammenhängen durch grafische (Trick-)Darstellungen und pädagogisch sinnvolle Redundanz. Durch die begrenzte Länge von Videokonserven und die Gefahr der physischen Ermüdung sind dem Medium aber auch Grenzen gesetzt, die nicht durch eine idealisierende Sichtweise überspielt werden dürfen. Die Lösung liegt im Multi-Medienkonzept, dem Medienverund. In bestimmten Bereichen sind Audiokassetten (etwa bei gleichzeitiger Betrachtung von schematischen Grafiken, Dumps etc.), Lehrbuch (Vertiefung, Erweiterung etc.) oder Computerunterstützung (Simulation von Praxis) weitaus leistungsfähiger müssen daher bereits in der Konzeptphase in das Unterrichtsmodell integriert sein.

Frei von der Vermittlerfunktion

Der Trainer ist in erster Linie frei von der Vermittlerfunktion, damit frei für seine eigentliche Aufgabe, dem Lernenden bei Bedarf zur Verfügung zu stehen. Er kann individuelle Lernhilfen geben, die Komponenten des Modells nach den Erfordernissen des Unterrichts einsetzen und damit den Lernprozeß individuell steuern. Dies ist eine pädagogische Aufgabe die nicht durch Vermittlungsdruck belastet sein darf. Die Betreuung der Lernenden ist eine nicht zu unterschätzende Aufgabe; es ist wichtiger, ihnen zu zeigen, wie sie den Stoff bewältigen, als diesen immerfort vorzutragen. Die moderne Pädagogik spricht in diesem Zusammenhang vom Ausbilder als einem "Arrangeur von Lernsituationen", der Mittel (Medien) zur Eigentätigkeit beim Lernen bereitstellt. Also statt Trainer: Koordinator.

Auch der Lernerfolg und seine Kontrolle müssen Bestandteil dieses Konzepts sein. Dies wird möglich wenn Aufgaben und Tests in das Unterrichtsmodell integriert sind und vor allem dem Lernenden erlauben seine Lernsituation jederzeit für sich einzuschätzen. Damit wird erreicht daß dieser sich im gesamten Lernarrangement orientieren und die einzelnen Komponenten und Medien individuell nutzen kann - nicht zuletzt auch den Rat und die Anregung des Koordinators. Die ständige Verfügbarkeit des Mediums Video mit der Reproduzierbarkeit von Situationen, Expertenaussagen und so weiter leistet dazu einen konstituierenden Beitrag. Aus dieser Sicht mag die Abwandlung der Eingangsfrage erlaubt sein: Muß Video ohne Trainer erfolgreich sein? - Ja.