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15.09.1995

"Ausbildung und Commerce sind wichtiger als Video on demand"

CW: Ihr Chef Larry Ellison hat kuerzlich das Bild einer Gesellschaft beschworen (siehe CW Nr. 36 vom 8. September 1995, Seite 4), in der alle Informationen jederzeit mit Hilfe einfacher, billiger Terminals abgerufen werden koennen. Inwieweit ist diese amerikanische Vision auf europaeische Verhaeltnisse uebertragbar?

van den Boog: Die Verwirklichung haengt davon ab, wie schnell die Telecom-Firmen mitziehen. Das geht in den USA sicher schneller als in Europa. Aber der Paradigmenwechsel vom PC zum Netzwerk geschieht heute schon. Frueher war der Mainframe das absolute Zentrum des Computing ...

CW: Und diese Zeiten wollen Sie zurueckholen, indem Sie erneut ein Modell mit zentral gehaltenen Informationen entwerfen!

van den Boog: Der Unterschied zum Mainframe ist der, dass die User heute ihre Applikationen auswaehlen koennen. Sie sollen auch weiterhin selbst die Anwendungen entwickeln, die sie brauchen. Aber dabei werden ihnen Maintenance und Administration abgenommen. Zudem lassen sich die Daten heute in einem Multiple-Server- Environment halten.

CW: Gemeinsam mit Ncube engagiert sich Oracle fuer die Trendtechnologie Video on demand. Aber ob die Nachfrage hier so gross sein wird, wie vielfach vermutet, ist keineswegs sicher.

van den Boog: Da haben Sie recht. Unseren Berechnungen zufolge stellt der gesamte Video-on-demand-Markt derzeit nur ein Potential von vier Milliarden Dollar dar. Viel wichtiger sind der Ausbildungsmarkt und der Bereich Electronic Commerce.

CW: Oracle gehoert zu den Unternehmen, in deren kuenftiger Produktstrategie das Internet eine grosse Rolle spielt. Gleichzeitig draengen Sie mit Ihren Anwendungspaketen in den Markt. Lassen sich Applikationen wie Financials eigentlich ueber das Internet vermarkten?

van den Boog: Wenn wir ueber Applikationen im Internet reden, dann meinen wir einfache Anwendungen, also Textverarbeitung, Spreadsheet etc. Die gehoeren sicher in eine andere Kategorie als Fertigungssoftware, PPS, Fibu und Personal-Management. Denn dort ist es nicht so einfach, jedem Kunden ein und dieselbe Applikation zur Verfuegung zu stellen, weil die Anforderungen der Unternehmen doch sehr unterschiedlich sind.

CW: Apropos Anwendungen - Oracle erzielt etwa zwei Fuenftel seiner weltweiten Umsaetze in Europa. Gilt das auch fuer das Applikationsgeschaeft?

van den Boog: Nein, da ist der Anteil viel kleiner. Bei den Lizenzen macht er ungefaehr 20 Prozent aus. Das liegt nicht nur daran, dass wir es in Deutschland wegen SAP ein bisschen schwieriger haben. Vielmehr gab es in der Vergangenheit immer eine grosse Zeitluecke zwischen den neuen Versionen in den USA und in Europa. Aber nachdem wir den Entwicklungsprozess geaendert haben, sind jetzt alle internationalen Anforderungen in das Zentralprodukt eingebaut. Seither betraegt die Verzoegerung nur noch drei bis sechs Monate.

CW: Welche Konkurrenzprodukte wollen Sie eigentlich mit Ihren Anwendungen abloesen?

van den Boog: Einen grossen Markt sehen wir vor allem in den zahllosen AS/400-Applikationen. Die Hersteller, mit denen wir konkurrieren, sind insbesondere SSA, J.D. Edwards sowie Dun & Bradstreet.

CW: Diese Anbieter haben mittlerweile eigene Client-Server- Loesungen vorgestellt.

van den Boog: Dun & Bradstreet kommt zwar jetzt damit auf den Markt, aber eben sehr spaet. Ausserdem sind das alte und das neue System nicht kompatibel. Die Umstellung ist so schwierig, dass es kaum einen Vorteil bedeutet, bei demselben Lieferanten zu bleiben. Und das ist eine grosse Chance fuer neue Spieler wie Oracle.

CW: Offenbar wollte Oracle kuerzlich auch noch in das Betriebssystemgeschaeft einsteigen. Denn Sie haben versucht, Apple Computer zu kaufen.

van den Boog: Das war nicht Oracle allein, sondern eine Gruppe von drei oder vier Firmen. Das Apple-Betriebssystem ist eigentlich besser als Microsofts Windows, wird aber nicht so gut vermarktet. Und wir meinten, es sei gut fuer den Markt, eine Wahl zu haben. Aber damit waere Oracle nicht notwendigerweise zum Betriebssystem- Lieferanten geworden.

Loek van den Boog ist Senior Vice-President Europe, Middle East & Africa bei Oracle. Das Interview fuehrte CW-Redakteurin Karin Quack.