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10.05.1985 - 

Holsten-Brauerei realisiert Mikro-Mainframe-Link mit "Irma" und "Petra"

Ausgereifter File-Transfer vermeidet Mikro-Frust

HAMBURG - Damit Mikros mit Mainframe-Link in einer DV-Landschaft zu "Inseln der Seligen" werden können, kommt es vor allen Dingen auf den Einsatz geeigneter File-Transfer-Software an. Die Holsten-Brauerei aus Hamburg glaubt hier mit dem Programm "Petra der CS Controlling GmbH den richtigen Griff getan zu haben.

Der erste Arbeitsplatzcomputer wurde bei der Holsten-Brauerei Mitte 1983 zunächst als reines "Forschungsobjekt" angeschafft. Parallel dazu entstand in der DV-Abteilung in Zusammenarbeit mit Verantwortlichen aus den Fachabteilungen ein Konzept für die Nutzung der Mikro-Computertechnik. Zur Steuerung und organisatorischen Überwachung der internen Arbeitsplatzrechner-Anwendungen wurde innerhalb der zentralen DV eine entsprechende "PC-Koordination" geschaffen, die den Anlaufpunkt für sämtliche, fachbereichsorientierte Mikro-Fragen darstellt. Die einschlägige "Koordinations-Schnittstelle" hat zwei Hauptaufgaben. Zum einen soll sie die Anwender bei Auswahl und Installation eines Mikro-Systems (Hard- und Software) beraten und hausinterne Schulungen durchführen. Zum anderen wird diesem Mikro-Benutzer-Service die Aufgabe zugeschrieben, für eine Mikro-Mainframe-Verbindung zu sorgen, sowohl was die reine Emulation als auch was den Filetransfer betrifft.

In Zusammenarbeit mit der Personalverwaltung - Bereich Aus- und Weiterbildung - wurde ein Informations- und Schulungsprogramm gestartet, in dem sowohl allgemeine DV-Grundkenntnisse als auch spezielle Mikro-Anwendungen vermittelt werden; die Trainer werden von der EDV gestellt.

Gegenwärtig setzen wir in unserem Hause die IBM-Mikros XT für fachbereichsorientierte Aufgaben in Marketing, Vertrieb, Controlling und für die Btx-Kommunikation ein Die produktiven Anwendungen laufen vorwiegend mit Lotus/Symphonie, Open-Access, dBase und MS Word ab.

Für die Mainframe-Verbindung wird die Irma-Karte zusammen mit der Filetransfer-Software Petra eingesetzt.

Das Teilproblem Mainframe-Verbindung war von einigen Besonderheiten geprägt, die auch heute noch die Szene beherrschen.

Während die reine Emulation von Mainframe-Terminals (3278-Emulation) von Anfang an keine Schwierigkeiten bereitet (Irma, PCOX), sah dies beim Filetransfer aus Zentral-DV-Beständen anders aus. Die den Emulationsboards mitgelieferten Filetransfer-Programme ermöglichen aus Unternehmenssicht zwar die Übertragung von Host-Daten auf den Arbeitsplatzrechner, unterliegen jedoch dermaßen vielen Einschränkungen, daß in der Praxis damit oft nicht gearbeitet werden kann.

Hierzu zählen:

- Zugriff nur auf CMS- beziehungsweise TSO-Dateien. (Wer hat seine operationalen Daten schon in diesen Systemen?)

- Keinerlei Selektion möglich

- Kein Feldzugriff möglich

- Umständliche Handhabung, die zudem bei jeder Emulation verschieden ist.

Zur Lösung dieser Probleme bedurfte es einer dedizierten Host-Software, die wir im einschlägigen Softwaremarkt suchten und Anfang (.....)4 auch fanden: Das "Personal

Transfer-Random-Access-System", kurz Petra, des Hamburger Softwarehauses Controlling Software GmbH. Dort wurde eine Lösung angeboten, die die von uns geforderten Punkte beinhaltete:

- Vollständig dialoggesteuert (kein Umweg über Batch-Selektion)

- Direktzugriff auf VSAM-Dateien)

- Automatische Feldformat-Umwandlung je nach Ziel-Produkt (Lotus, Open-Access, dBase)

- weitgehend Enduser-fähig

- Zugriffs-Schutz gegen unbefugte Benutzung

- Keine eigenen Zusatzprogramme erforderlich.

Obgleich die Datenaustausch-Software Daten in beide Richtungen zwischen Mikro und Mainframe übertragen kann, nutzen wir fast ausschließlich nur den sogenannten Download, das heißt, die Hostdatenübertragung zum Arbeitsplatzrechner.

Jeder Mikro-Benutzer fährt seine eigenen Anwendungen und führt ebenfalls seinen jeweiligen Filetransfer selbständig aus. Lediglich bei der erstmaligen Einrichtung der Petra-Selektion wird die zentrale DV in Anspruch genommen, das laufende Geschäft (zum Beispiel geänderte Selektionen) verlangt keine DV-Zentral-Ressourcen.

Während die Mikro-Mainframe-Verbindung bei uns im technischen

Anwendungsbereich so gut wie keine Rolle spielt (hier sind zum Teil auch andere als IBM-Mikros eingesetzt), haben sich im kaufmännischen Bereich in dem einen Jahr, seit wir Petra einsetzen, zahlreiche Anwendungen etabliert. Einige davon sind sogenannte Ad-hoc-Auswertungen, andere wiederum laufen periodisch beziehungsweise sporadisch ab, wie zum Beispiel:

- Bereich Vertrieb: Adreßselektionen für Mail-Merge-Aktionen (Direct Mailing)

- Bereich Controlling: Grenzkosten-Analyse, Touren-Auswertung

- Bereich Marketing: Auswertung von Markt-Panels

Der Basis-Datenpool wird auf dem Host-Rechner verwaltet und dem Mikroanwender mit Hilfe des File-Transfer-Programms selektiv zur Verfügung gestellt. Als nächstes planen wir den Zugriff von Mikros auf Powerlisten, ebenfalls mit Petra.

Wie man sieht, ist es mit der viel diskutierten Mainframe-Verbindung so schlecht nicht bestellt, wie man häufig hört und liest. Festzustellen ist heute, daß nicht nur der Mikro an sich eine ernstzunehmende Komponente im DV-Instrumentarium darstellt, sondern ebenfalls ausgereifte Konzepte beziehungsweise Produkte zur notwendigen Mainframe-Integration existieren. Jedoch: Auf dem Weg zur Mikroseligkeit sind zwei Stolpersteine zu umrunden:

1. Nicht jedes Filetransfer-Produkt besitzt die erforderliche Summe von Fähigkeiten, um als "ausgereift" zu gelten;

2. Ein gutes Produkt macht allein noch keine Lösung: Nach wie vor sind die DV-Profis aufgerufen, das nötige Umfeld an "Human-Ware" zu schaffen: Benutzerschulung, Organisation und Hilfestellung bei der Problemlösung.

Fazit: Bei nüchterner Betrachtung läßt sich das neue Instrument Mikro genauso nutzbringend für die DV und Fachabteilung einsetzen, wie jede andere Innovation auch - vorausgesetzt, man nimmt sich ausreichend Zeit für die Einführung.

*Alfred Lubitz ist Leiter der Abteilung Programmierung bei der Holsten-Brauerei in Hamburg