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17.09.1976 - 

Bildschirmanwendung bei der Bausparkasse Wüstenrot:

Auslastung ist kein Indiz Für Wirtschaftlichkeit

BERLIN - Berichte über "raffinierte" Lösungen, "gewagte" Konzeptionen, aber auch "stabile" Systeme waren beim 2. IKD das "Salz in der Suppe": Die Anwender hatten das Wort.

Im Rahmen des Workshops D (Computer am Arbeitsplatz) stellte Ernst Schmidt "Bildschirmanwendungen bei der Bausparkasse Wüstenrot" vor. Schmidt ist Org.-Leiter bei Wüstenrot. Im folgenden die Kurzfassung seines Referates:

Die Bausparkasse Wüstenrot, Ludwigsburg, verwaltet knapp 2,7 Millionen Konten; im letzten Jahr entfielen darauf über 35 Millionen Buchungen.

Es ist ein Multi-Processor-System (MP) installiert, bestehend aus 2x IBM /370-168 Modell 3 mit insgesamt 6 MB Hauptspeicher. Angeschlossen sind unter anderem 34 Magnetplattenmodule IBM 3330/011 und fast 200 Bildschirme im lokalen Betrieb.

Der Aufbau des TP-Betriebs bei Wüstenrot begann in den Jahren 1969/70 mit einem Auskunftssystem für Konten Umsätze und Anschriften. Neben Bildschirmen waren auch einige druckende Datenstationen vorhanden sowie 50 Telefonapparate zur Sprachausgabe. Inzwischen hat der Bildschirm die anderen Ausgabemedien abgelöst.

Stufenweise erfolgte die Implementierung weiterer Anwendungen. Heute stehen 21 Dateien mit etwa 50 Anwendungsschlüsseln im Zugriff. Zum stark ausgebauten Auskunftswesen kamen Online-Datenerfassung und Sachbearbeiterdialog hinzu.

Im monatlichen Schnitt haben wir etwa 1,8 Millionen Bildschirmzugriffe. Die Antwörtzeiten bewegen sich zwischen 1 und 2 Sekunden.

Die Datenbanken sind im DC-Teil IMS-mäßig unterstützt; die Umstellung des DB-Teils ist weitgehend abgeschlossen.

Gesucht: Kurt Müller

Innerhalb des gesamten Auskunftssystems soll als Beispiel einer Anwendung der sogenannte. "Alpha-Index" (Matchcode) kurz erläutert werden:

Wir verstehen darunter ein Suchsystem, das dem Sachbearbeiter auf die Frage antwortet "Welche Vertragsnummern hat der Bausparer Kurt Müller in Stuttgart?"

Für jede Bausparnummer ist in der Alpha-Index-Datenbank ein Daten-Segment gespeichert.

Inhalt: Zuname, Vorname, Ort, Straße, Vertrags-Nr.

Jedes dieser Felder ist als unabhängiger Sachbegriff verfügbar und kann entsprechend einem vom Bildschirm eingegebenen Wert aufgesucht werden.

Kein Bildwechsel erforderlich

Ein Beispiel aus der Online-Datenerfassung über Bildschirm ist das "Neugeschäft für Anschriften, Salden und Vertreterprovisionsdaten" - vergleichbar einer Auftragserfassung.

Arbeitsweise und Bildschirmdesign sind hier auf eine hohe Eingabeleistung ausgelegt. Die Datentypistin erhält eine Bedienerführung durch ein vorgegebenes Rahmenbild, Masken, Hinweise und Fehlermerkmale. Der 1920-Zeichen-Bildschirm wird von ausgenutzt, das macht mehrfachen Bildwechsel innerhalb einer Satzeingabe überflüssig. Plausibilitätskontrollen und Fehlerhinweise ermöglichen eine sofortige und feldbezogene Berichtigung der Eingabe.

Sachbearbeiter-Dialog mit DB-Unterstützung

Der Sachbearbeiterdialog per Bildschirm faßt Auskunftswesen und Online-Datenerfassung gewissermaßen zusammen und wird ergänzt durch eine vorgangsbezogene Bedienerführung.

Ein Beispiel hierfür ist die Aufklärung von Zahlungseingängen unserer Bausparer, sofern Vertragsnummern fehlen, unleserlich oder falsch sind. - Solche Zahlungseingänge werden täglich in eine Datenbank eingespeichert und erhalten eine fortlaufende mit Prüfziffer versehene Nummer zur Identifikation.

Dialog-Sperre

Der Bildschirm als Arbeitsmittel ist von den Mitarbeitern im Hause Wüstenrot bereitwillig angenommen worden. Dies gilt vor allem für Auskunftswesen und Datenerfassung. Für den Sachbearbeiterdialog ist zu vermerken, daß nur dann psychologische Schwierigkeiten auftreten, wenn sich der Sachbearbeiter als bloßer Datentypist fühlt. Ein entsprechendes Bildschirmdesign und viel Aufklärungsarbeit können die Mitarbeiter von dem sinnvollen Gebrauch der Geräte in der Regel überzeugen.

Wie Telefon und Diktiergerät

In der Vergangenheit haben wir zur Einschätzung der Wirtschaftlichkeit die Auslastung der Bildschirme laufend und sorgfältig beachtet. Heute sehen wir den Bildschirm als Bereitschafts-Terminal wie Telefon und Diktiergerät auch. Es ist erkannt worden, daß die Auslastung allein kein Indiz für wirtschaftlichen Einsatz sein kann. Unter dem Gesichtspunkt einer schnellen Kundenbetreuung und sicheren Auskunftsbereitschaft sind weitere für unser Haus wichtige Faktoren angesprochen. Auch der günstige Einfluß auf eine optimale Ablauforganisation ist zu vermerken: Geschäftsvorfälle müssen nicht mehr arbeitsteilig abgewickelt werden.

Stapelverarbeitung ausgereizt

Wir sind der Ansicht, daß eine weitere Erhöhung der Arbeitsproduktivität nur durch eine vorgangsbezogene bildschirmunterstützte Sachbearbeitung erreichbar ist, nachdem die klassischen Anwendungen über Stapelverarbeitung ausgereizt sind. Die aktenlose Sachbearbeitung über Bildschirm ist in Vorbereitung. Durch die breite Übernahme von Archivdaten auf Magnetplatten werden weitere anspruchsvolle Anwendungsgebiete erschlossen.

Unser langfristiges Organisationsziel bleibt weiterhin, den Mitarbeitern die erforderlichen Informationen in zweckmäßiger Form zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zur Verfügung zu stellen.