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02.12.1983 - 

USA-, Kanada- und Japan-Werte dürften von Investitionswelle profitieren:

Auslese bei Technologieaktien setzt sich fort

LEINEN (hr)-Die langfristige Aufwärtsbewegung an den bundesdeutschen Aktienbörsen der Welt hat eine Pause eingelegt, deren Dauer die Erwartungen vieler Experten überschreitet. Manche Analytiker gehen sogar so weit, zu behaupten, daß die Hausse vorüber sei und daß In überschaubarer Zukunft ein schwerer Kurseinbruch folgen werde. Die Begründungen für beide Meinungen gehen weit auseinander, zumal sie, je nach analytischem Standpunkt, auf unterschiedlichen Ebenen geführt werden. Unter Berücksichtigung auch der pessimistischen Prognosen wird daher vielerorts zu einer ausgesprochen defensiven Anlagestrategie geraten.

Dies bedeutet, daß die Portefeuilles von spekulativen, qualitativ zweitrangigen oder sogar fragwürdigen Papieren gesäubert werden sollten. Neue Engagements empfiehlt man grundsätzlich nur in Aktien von Unternehmen, deren finanzielle Lage über jeden Zweifel erhaben ist und die mit einem sicheren, wenn auch mäßigen Gewinnwachstum rechnen können.

Im Hintergrund dieser Überlegungen steht die verbreitete und theoretisch gut abgesicherte Vermutung, daß in absehbarer Zeit in keinem der bedeutenden Industrieländer mit nachhaltig sinkenden Zinsen gerechnet werden kann. Im Gegenteil, in den Vereinigten Staaten, wo sich die Konjunktur in einer unvermutet günstigen Verfassung befindet, und wo der weltweit wirkende Zins "gemacht" wird, stellt man sich eher auf eine restriktivere Kreditpolitik der Notenbank ein.

Erklärtes Ziel des amerikanischen Notenbankpräsidenten Volcker ist es nämlich, einen Wirtschaftsaufschwung bei niedrigen oder gar weiter sinkenden Inflationsraten zu gewährleisten. Nur auf diese Weise könnten auf Dauer die Arbeitslosigkeit, die nach wie vor brisante internationale Schuldensituation und die tiefgreifenden strukturellen Probleme in den Industrieländern gelöst werden, heißt es.

Gratwanderung mißlingt

Zugleich sei dies die einzige Möglichkeit, die noch immer hohen Inflationserwartungen, die einen bedeutenden Teil der herrschenden realen Zinsen ausmachen, zu enttäuschen und über den Markt niedrigere Zinsen herbeizuführen. Diejenigen, die jetzt von einer weltweiten Aktienbaisse orakeln, sind davon überzeugt, daß die Gratwanderung zwischen Inflationsbekämpfung und kontrolliertem Wirtschaftswachstum mißlingt und daß die westliche Welt in eine neue Rezession, wenn nicht gar Depression schlittern wird.

Der Preis für diese amerikanische Politik, der die Zentralbanken und die Regierungen der anderen bedeutenden Industrieländer im Grundsatz folgen müssen und auch folgen, ist mäßiges Wirtschaftswachstum. Die Aktienmärkte scheinen sich dieser Perspektive bereits weitgehend angepaßt zu haben. Konkret bedeutet dies unter anderem, daß Renditegesichtspunkte künftig wieder eine wichtigere Rolle bei den Anlageentscheidungen spielen.

Die Börsenbewertung der Aktien ist, gemessen an den zuverlässig voraussagbaren Unternehmensergebnissen, an allen bedeutenden Börsen im allgemeinen bereits recht hoch. Dadurch sind die Dividendenrenditen geschrumpft. Zudem hat sich die Rendite-Schere zwischen Aktien und festverzinslichen Papieren weit geöffnet, so daß vor allem institutionelle Anleger wieder vermehrt zum Kauf von zinstragenden Titeln neigen.

Leithammel IBM

Unterdessen setzt sich der Ausleseprozeß bei den Technologieaktien weiter fort. Die gesamte Gruppe bietet sowohl am amerikanischen als auch am japanischen Markt ein sehr gemischtes Bild. IBM, der unbestrittene "Leithammel", befindet sich nach den vorausgegangenen Kurssteigerungen in einer Korrekturphase, während eine Reihe anderer Papiere dieser Gattung nach ausgedehnten Rückschlägen Erholungstendenzen zeigt.

Der japanische Markt steht unter dem Sondereinfluß des außergerichtlichen Vergleichs zwischen IBM und Hitachi, mit dem in Japan der als sehr peinlich empfundene Fall von Industriespionage aus der Welt geschafft werden soll. Auch Fujitsu ist in diesem Zusammenhang stark unter Druck geraten. Analytiker sprechen hier unter längerfristigen Gesichtspunkten von außerordentlich günstigen Kaufgelegenheiten.

Bei der allgemeinen Beurteilung besonders der amerikanischen Technologieaktien spielt die Vermutung eine wesentliche Rolle, daß 1984 in der Wirtschaft dort eine Investitionswelle anrollen wird, die die Nachfrage nach elektronischen Erzeugnissen auf breiter Ebene sprunghaft steigen läßt. Aktien von amerikanischen, kanadischen und japanischen Unternehmen dieser Branche, die Nutznießer der erwarteten Investitionswelle sein werden, dürften sich nach Meinung von Analytikern langsam für den nächsten großen Kursaufschwung formieren.