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09.07.1993

Aussendienst soll ueber ISDN und Modacom integriert werden THK GmbH realisiert weltweite Kommunikation mit E-Mail-Paket

09.07.1993

Der europaeische Binnenmarkt und die zunehmende internationale Verflechtung der Geschaeftsbeziehungen und -ablaeufe stellen zahlreiche Unternehmen vor die Frage, wie sie diese Herausforderung hinsichtlich der datentechnischen Kommunikation loesen. Insbesondere dann, wenn sogar globale Kommunikation als Zielsetzung vorgegeben wird, sind stabile Einrichtungen erforderlich, um die Nabelschnuere zwischen den Unternehmen nicht abreissen zu lassen. Fridolin Schmider* beschreibt, wie die THK Europe GmbH in Duesseldorf dieses Problem bewaeltigt hat.

Die THK Europe GmbH ist eine hundertprozentige Tochter der japanischen Mutter in Tokio und besteht seit 1982. Das Unternehmen vertreibt die bis jetzt groesstenteils in Japan gefertigten Linearfuehrungen ueber Vertretungen, aber auch im Direktvertrieb. Niederlassungen existieren heute in Stuttgart und in Hausach im Schwarzwald. Weitere THK-Branches gibt es in Grossbritannien und Holland. Noch im Jahr 1993 werden in Mailand und Paris ebenfalls THK-Niederlassungen entstehen.

1988 entschied sich das Management von THK fuer die Einfuehrung von DV und beauftragte die BTM Unternehmensberatung GmbH mit der Realisierung. BTM verfuegt ueber eigene Standardsoftwarepakete, die von PC-Netzwerken oder Unix unterstuetzt werden koennen. Diese Anwendungssoftware wurde 1988 auf einem PC-Netz unter Netware installiert. Damals existierte lediglich die Hauptgeschaeftsstelle Duesseldorf und eine kleine Niederlassung in Hausach, die datentechnisch aber nicht zu beruecksichtigen war.

Im Laufe der vergangenen vier Jahre wurde aus einem Mini-LAN ein WAN mit mehr als 70 PC-Arbeitsplaetzen. Die Anwendungssoftware wurde staendig den veraenderten Anforderungen angepasst. Anfang 1991 beauftragte THK die Unternehmensberatung mit der Entwicklung einer Konzeption und anschliessenden Realisierung einer europaeischen THK- Gesamtloesung, die auch die globale Kommunikation mit der THK- Gruppe in Japan und den USA beruecksichtigt.

Die gemeinsam erarbeiteten Zielsetzungen der von der THK benoetigten Gesamtloesung fuer Phase eins lauteten:

- keine Mehrbelastung der Sachbearbeiter durch die WAN-Koppelung,

- auf ein Minimum reduzierte Antwortzeiten,

- absolute Stabilitaet der LAN-Verbindungen,

- Entwicklung und Beruecksichtigung von LAN-Ausfallstrategien (Offline-Betrieb der einzelnen LANs, automatisches Updating der voruebergehend abgekoppelten LANs, etc.) sowie

- Verbesserung der Kommunikationsmoeglichkeiten innerhalb der THK- Gruppe in Europa bei gleichzeitiger Reduzierung der Kommunikationskosten.

Fuer Phase zwei kam hinzu:

- automatische Auftrags- und Bestellabwicklung der europaeischen THK-Toechter ueber die THK NL B.V. in Amsterdam, die ihrerseits wiederum automatisch, ohne Personalaufwand, die Bestellabwicklung mit Japan uebernimmt sowie

- weltweite Koppelung der THK-Firmen durch E-Mail, so dass auch das Bestellwesen nach Japan beziehungsweise der Austausch von Papieren (Bestellungen, Shipping-Meldungen, Rechnungen, technische Informationen, Hand drawings etc.direkt elektronisch abgewickelt werden kann.

Durch die Entscheidung fuer ein PC-Netz konnte die DV- Unterstuetzung mit dem Wachstum der THK-Gruppe Schritt halten. Zuerst erfolgte der Ausbau des LANs in Duesseldorf, gefolgt von der Erweiterung der Aussenstelle Hausach und der Neugruendung der Niederlassung in Stuttgart/Freiberg.

Aufgrund der raeumlichen Voraussetzungen sowie der preislichen Vorteile wurde seinerzeit fuer den Hauptsitz Duesseldorf und fuer die Niederlassung Hausach als Netzwerk-Protokoll Arcnet gewaehlt, waehrend in Stuttgart/Freiberg mit Ethernet verkabelt wurde. Die Koppelung der Netze untereinander wird mit TCP/IP-Routern auf der Basis X.25 mit einer Geschwindigkeit von 64Kbit/s realisiert. Als Netzwerk-Betriebssystem wurde Netware 3.11 gewaehlt und zur Systemverwaltung zusaetzlich je Niederlassung ein ISDN-Modem installiert, so dass speziell die anfaenglichen Schwierigkeiten teilweise von BTM aus Triberg direkt via DFUe-Eingriff in die jeweilige Router-Konfiguration zu beheben waren.

Zur Erfuellung der fuer Phase eins geforderten Zielsetzungen in bezug auf Stabilitaet, Wirtschaftlichkeit und Ausbaufaehigkeit wurde fuer die LANs eine Spezialsoftware entwickelt. Dabei handelt es sich um eine Windows-Applikation, die die von aussen ankommenden Requests (Lagerbestand, Lieferung ab einem anderen Lager oder einer anderer Niederlassung, Statistiken, Debitoren- Rechnungsuebergabe etc.) als sogenannte Slot-Programme startet, deren Durchfuehrung kontrolliert und ein Logbuch ueber alle WAN- Aktivitaeten fuehren kann. Durch den Wegfall des Transports von reinen LAN-Systemdaten ueber die Datex-P-Leitung reduzierte sich der Overhead signifikant und damit auch die Antwortzeiten. Eine Information aus Lagerbestand nach beliebigen Abfragekriterien dauert so zum Beispiel maximal vier Sekunden bei einer durchschnittlichen Belastung der LANs.

Die Software erkennt auch den Status des Zielnetzes und ist in der Lage, Dialog-Requests bei Nichtverfuegbarkeit eines LANs abzuweisen beziehungsweise Batch-Requests zu sammeln, so dass zum Beispiel eine Synchronisation der Artikelstaemme in den einzelnen LANs automatisch beim Hochfahren eines LANs durchgefuehrt wird.

Die Mitarbeiter der THK-Niederlassungen arbeiten heute mit exakt der gleichen Bedieneroberflaeche wie vor der Verbindung der Netzwerke. Die gesamte WAN-Kommunikation in bezug auf die Einkaufs- und Verkaufsabwicklung laeuft vollautomatisch ueber die Software "Kommunikations-Manager" beziehungsweise deren Slot- Programme ab.

In jeder Applikation kann ueber die Tastensequenz ALTiF5 gezielt die Verbindung zu einer anderen THK-Geschaeftsstelle etabliert werden. Waehrend der Sachbearbeiter in der Niederlassung A nun seine Suchargumente (Teile des Artikeltextes, Fragmente zum Suchen eines Kunden oder eines Auftrags etc.) ueber Tastatur eingibt, startet der Kommunikations-Manager in der angewaehlten Niederlassung B bereits das Slot-Programm, das wiederum die nun fertig eingetippte Anfrage im Netzwerk B bearbeitet und nur noch die gefundenen Nutzdaten via X.25 zurueck an den Sachbearbeiter im Netzwerk A schickt. Durch diese parallele Initialisierung im Zielnetz B wird die Wartezeit so reduziert, dass der Sachbearbeiter nur durch den Hinweis am Bildschirm erkennt, Daten des remoten Netzwerkes abgefragt zu haben.

Die Ausloesung eines Lieferscheins im remoten Netz wird durch eine bestimmte Vorgangsart innerhalb der BTM-Standardsoftware erreicht. Die gesamten systeminternen Buchungen gegen die Laeger werden automatisch erstellt. Die Zuordnung des Umsatzes wie auch die logische Umlagerung der Artikel in einem solchen Fall wird ohne manuelles Zutun erledigt.

Die WAN-Kommunikation innerhalb der THK-Gruppe erfolgt mittels "CC:Mail" unter DOS und Windows. Die Option, mit diesem E-Mail- Paket auch Binaerdateien zu verschicken, kommt vor allem der Anforderung nach Uebertragung von Zeichnungen etc. entgegen. Derzeit arbeiten THK und BTM gemeinsam am Aufbau einer weltweiten Kommunikation zwischen den einzelnen THK-Firmen auf der Basis von CC:Mail.

Nach dem erfolgreichen Aufbau des Netzes in Deutschland wird jetzt auch bei der THK-Mutter in Tokio sowie der US-Niederlassung in Chikago mit der Einfuehrung von Netzwerken begonnen. Per E-Mail soll dann der Kontakt mit den Partnern in Uebersee moeglich sein, was aus Sicht der THK schon wegen der Zeitunterschiede zwischen Europa, Japan und den USA ein enormer Vorteil ist. Aber auch die Kosten fuer die nationale Kommunikation haben sich durch den Aufbau des WANs reduziert. Der geplante Ausbau des Aussendienstes in Deutschland soll ebenfalls auf das DV-Gesamtkonzept abgestimmt werden, wobei die Nutzung der flaechendeckenden Kommunikationsdienste ISDN und Modacom beabsichtigt ist.

Zur Absicherung der X.25-Verbindungen sind ISDN-Zusatzmodule fuer die Router geplant. Diese Module sind ueber eine spezielle Software dann auch in der Lage, je nach Datenaufkommen die jeweils guenstigere Verbindung (X.25 oder ISDN) selbstaendig aufzubauen.

Inwieweit die X.25-Verbindungen mit der Telekom auch kuenftig bestehen bleiben beziehungsweise ausgebaut werden, laesst sich derzeit nicht konkret beantworten. THK uebertraegt mittlerweile ein so hohes Datenvolumen, dass das Management einen Vertrag mit einem privaten Carrier nicht mehr ausschliesst. Vor allem die internationale Koppelung laesst THK heute ueber Alternativen nachdenken.

*Fridolin Schmider ist Geschaeftsfuehrer der BTM Unternehmensberatung GmbH in Triberg/Schwarzwald.

Router waehlt automatisch zwischen ISDN und X.25